MBA versus MVA: Kann es nur einen geben?

In der Steiermark hat sich die Mehrzahl der MBA-Anlagen von herkömmlichen Endrotte- zu reinen Trocknungsbetrieben verwandelt. Angesichts momentaner MVA-Preise und erhöhter Emissionsanforderungen erscheint die MBA-Technologie zunehmend konkurrenzloser. Steht sie vor dem Aus?

Seit Ende der 1970er Jahre wurden in dem österreichischen Bundesland die ersten „Müllhygienisierungsanlagen“ gebaut und in Betrieb genommen. Und zwischen 1996 und 2004 flossen – mit dem Ziel, die Deponieverordnung rechtzeitig umzusetzen – rund 25 Millionen Euro in Neubau und Anpassung der mechanisch-biologischen Abfallbehandlungstechnik. Doch jetzt schwächt sich die Position der MBA-Anlagen im österreichischen Technologiepark. Warum, erklärten Josef Mitterwallner und Dr. Wilhelm Himmel vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung auf der DepoTech im November 2014 in Leoben.

Zurzeit bestehen sowohl in Österreich wie im Ausland Überkapazitäten in der Müllverbrennung, weshalb Abfälle in thermischen Verwertungseinrichtungen preisgünstiger als in mechanisch-biologischen Anlagen behandelt werden können. Infolgedessen verwandelt sich in der Steiermark die Infrastruktur der der MBA-Anlagen von herkömmlichen Endrotte- zu Trocknungsbetrieben. Damit konzentrieren sich immer mehr Anlagen nicht mehr – im Sinne der Deponie-Verordnung – auf die Herstellung stabilisierter Stoffe zur Deponierung, sondern auf die Produktion von Materialien zur thermischen Nutzung.

Zugunsten Gesamtabfallverbrennung aufgegeben

In Zahlen: Von den sieben aktiven MBA-Anlagen in der Steiermark haben vier vollständig auf Trocknungsbetrieb und eine auf Mischbetrieb umgestellt, wurde eine weitere vorübergehend stillgelegt und betreibt nur eine Einrichtung weiterhin Endrotte. Das langjährige Konzept der abgestimmten, regionalen Behandlung von Siedlungsabfällen wird somit zugunsten einer überregionalen, sogenannten undifferenzierten Gesamtabfallverbrennung aufgegeben. Wie Mitterwallner und Himmel berichteten, hat dieser Wandel Auswirkungen nicht nur auf die Länge der Transportwege und die Zahl regionaler Arbeitsplätze. Die Trendwende bewirkt auch die Umwidmung von bereits genehmigtem Deponievolumen für Massenabfälle zu solchem für Reststoffe und erfolgt auf Kosten der stofflichen Verwertungsquote.

Zweifel an Konkurrenz- und Zukunftsfähigkeit

Nun ist es nicht primäre Aufgabe der öffentlichen Hand, neue Anlagen- oder Deponiekapazitäten bereitzustellen, sondern zunächst den Ist-Zustand zu erfassen und abfallwirtschaftliche Planungen, Strategien und Zielsetzungen daraus abzuleiten. Zu diesem Zweck gründete sich schon Ende 2010 beim Österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BLFUW) ein Arbeitskreis; ihm gehörten unter anderem der Interessenverband MBA, der Verein Öster­reichischer Entsorgungsbetriebe sowie der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband an. BLFUW und Arbeitskreis begannen, eine Verordnung für die mechanisch-biologische Abfallbehandlung zu erstellen. Daraus resultierend, wurde vom Bundesministerium als Aufgabe der MBA neben der biologischen Behandlung auch ausdrücklich die Abfallvorbehandlung für die Verbrennung oder Mitverbrennung genannt. Und ein Arbeitspapier des Ministeriums vom Juni 2012 definierte zusätzliche, umfangreiche Anforderungen an den zukünftigen Betrieb solcher Anlagen. Auf dieser Grundlage und angesichts einer mittlerweile veränderten MBA-Infrastruktur besteht aus Perspektive des Ministeriums akuter Bedarf, die österreichische Rechtslage im Bereich der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung entsprechend der Industrieemissionsrichtlinie 2010/75/EU anzupassen.

Der Arbeitskreis hat inzwischen Zweifel daran geäußert, ob die mechanisch-biologische Abfallbehandlung gegenüber anderen Technologien als konkurrenz- und zukunftsfähig gelten kann. Bedenken wurden laut, ob die österreichischen Anlagen den Anforderungen hinsichtlich Emissionsrichtlinien genügen, was auch die Messergebnisse dreier Einzelstandorte weder bestätigen noch ausräumen konnten. Zudem wurde bezweifelt, ob der aufwändige Einsatz von Verfahren zur regenerativen thermischen Oxidation (RTO) zielführend sein könne, zumal diese Technologie in Deutschland mehrfach zu Problemen und Anlagenstillständen geführt haben soll.

Positiv bilanzierender Sektor

Aus Sicht der Betreiber von MBA-Anlagen würde die zukünftige MBA-Verordnung mit ihren Regelungen den wirtschaftlich vertretbaren Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen nahezu ausschließen. Für diese Technologie spricht andererseits, dass bei einer sinnvollen Kombination von mechanischen, biologischen und thermischen Verfahren die abfallwirtschaftlichen Zielsetzungen bestmöglich erreicht werden können, weil alle Abfälle optimal differenziert und gezielt behandelt werden können. Wie Josef Mitterwallner und Wilhelm Himmel hinweisen, bewirkte diese Anlagenstruktur die Sicherung von rund 2.600 Arbeitsplätzen und stellt „einen der wenigen positiv bilanzierenden Sektoren“ zur Erreichung der Ziele der österreichischen Klimastrategie dar.

Andererseits fallen aufgrund der Betriebsumstellungen vermehrt Rückstände aus thermischen Prozessen an: So mussten seit 2008 an die 500.000 Kubikmeter Deponiekapazitäten für Massenabfälle in solche für Reststoffe umgewandelt werden, was auch zukünftig Planungsprobleme mit sich bringen dürfte. Darüber hinaus gehen dem Land Steiermark durch Neuausschreibungen und Export 50.000 Tonnen Restmüll verloren, wodurch die regionale Arbeitsplatzsituation angespannter wird und der Transportaufwand zunimmt. Der Trend bei MBA-Anlagen, die von Endrotte- zu Trocknungsbetrieben umstellen, könnte auch andernorts Anhänger finden und zu weitreichenden Veränderungen in der In­frastruktur zur Behandlung von Abfällen führen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt angesichts eines beginnenden gegenläufigen Trends zum Abbau von Überkapazitäten bei Müllverbrennungsanlagen entwickeln wird.

Der vollständige Artikel von Josef Mitterwallner und Dr. Wilhelm Himmel unter dem Titel „Auslaufmodell MBA? – Ein Situationsbericht aus der Steiermark“ ist nachzulesen in DepoTech 2014, Tagungsband zur 12. DepoTech-Konferenz, herausgegeben vom Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft, Leoben 2014, ISBN: 978-3-200-03797-7.

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