Lieber Phosphatrückgewinnung als die Herstellung von Brandbomben?

Während man im juristischen Bereich auf jedes Wort, jeden Ausdruck, jeden Punkt und jedes Komma sehr genau achtet und bei falscher Verwendung vehement darauf hingewiesen wird, wie fatal das doch sein kann, ist leider verstärkt festzustellen, dass die chemische Ausdrucksweise häufig schlampig und mitunter auch vorsätzlich falsch verwendet wird.

Gerade im Zusammenhang mit der Aufbereitung von Klärschlämmen sprechen viele „Experten“ immer wieder gerne und dabei fälschlicherweise von der sogenannten Phosphorrückgewinnung. Spricht man sie dann höflich auf ihren Fauxpas an, so muss man sich sagen lassen: „Ob Phosphor oder Phosphate, das ist doch nicht so wichtig, denn man meine ja schlussendlich das Richtige.“ Oder noch schlimmer, der chemische Laie doziert: „Was regen Sie sich auf, schließlich geht es doch um den Phosphor.“ Übersetzt in die Finanzsprache bedeutet dies: Ob Haben oder Soll, das ist alles nicht so wichtig, Hauptsache der Betrag stimmt. In der Medizin bedeutet das, ob eine Erkrankung der Leber oder der Nieren vorliegt, ist alles nicht so wichtig, Hauptsache der chirurgische Eingriff …

Leider werden mit der falschen Terminierung die Phosphate, die beispielsweise als Düngemittel eingesetzt werden, mit der weltweit geächteten Phosphor-Brandbombe gleichgesetzt. Das könnte belustigen. Allerdings wird es bei der Übersetzung des Ausdrucks „Phosphorrecycling“ aus dem Deutschen in Fremdsprachen über kurz oder lang dazu führen, dass Anfragen zur Herstellung von Phosphor aus Klärschlamm und dessen Verwendung als Brandbombe von Interessierten gestellt werden. Und endlich, endlich können die Gegner der Klärschlammdüngung nun auch noch mit Gesetzen für das Beschränken von Kriegswaffen argumentieren. Na, jetzt mal ernsthaft: Der Ausdruck Phosphate – ich wiederhole es gerne, damit es auch neuronal entsprechend verarbeitet werden kann – Phosphate – ist nach einigem ernsthaften Training vergleichsweise einfach zu bewältigen. Inzwischen sollen ja auch schon Schulungskurse im Angebot sein, die je nach Publikum die Aussprache des Wortes „Phosphat“ trainieren oder aber den wenigen fachlichen Interessierten sogar noch den Unterschied von Phosphaten zu Phosphor erklären wollen.

Die Rückgewinnung von Phosphaten ist ein zentrales Ziel der Klärschlammaufbereitung. Bei der Klärschlammdüngung sind die Phosphate pflanzenverfügbare Nährstoffe. Natürlich könnte man jetzt davon sprechen, dass es unterschiedliche Phosphate mit unterschiedlichen chemischen Eigenschaften und unterschiedlichem Umweltverhalten gibt, aber dies ist nur den wenigen, wirklich Interessierten vorbehalten. Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn demnächst in einer Verordnung, einem Erlass oder Bescheid der falsche Begriff des Phosphorrecyclings auftaucht. Bitte informieren Sie mich darüber; dies könnte dann das Thema einer weiteren Glosse sein!

Dr. Thomas Probst, bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

Glosse-

(EUR0215S11)