Frankreichs Verpackungsindustrie im Aufwärtstrend

Die Branche lässt sich von der allgemein schlechten wirtschaftlichen Stimmung im Land wenig beeinflussen und rechnet mit steigenden Umsätzen. Neben den Erwartungen der Abnehmerbranchen kommen den Herstellern von Maschinen und Ausrüstungsfirmen einige Markttrends zugute. 

Die Produktion von Verpackungsmitteln in Frankreich lag im Juli 2014 um 3,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das nationale Fachmagazin Emballages basierend auf Daten des Statistikinstitutes Insee errechnet hat. Zugelegt haben vor allem Kunststoff- und Holzverpackungen, aber auch bei Glas, Papier und Pappe waren Zuwächse zu verzeichnen. Das jährliche Umsatzvolumen der Branche betrug 2013 rund 17,8 Milliarden Euro. Davon entfielen 42 Prozent auf Kunststoffverpackungen, 35 Prozent auf Gefäße und Umhüllungen aus Papier und Pappe, zehn Prozent auf Glas-, sieben Prozent auf Metall- und sechs Prozent auf Holzverpackungen.

Wichtige Abnehmerbranchen für Verpackungen wie die Nahrungsmittelindustrie oder die Herstellung von Kosmetik- und Pharmaprodukten sind in Frankreich traditionell stark vertreten. Der jährlichen Erhebung Observatoire de l‘Emballage zufolge, die anlässlich der Fachmesse Emballage im November 2014 in Paris vorgestellt wurde, erwartet eine große Mehrheit der befragten Unternehmen dieser Branchen in den kommenden drei Jahren stabile oder steigende Umsätze. Im Durchschnitt gehen etwa 60 Prozent von steigenden oder stark steigenden Verkäufen aus gegenüber 53 Prozent im Vorjahr.

Was die Absatzentwicklung begünstigt

Die Erwartungen der Abnehmerbranchen fallen positiver aus als die Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Konjunktur und die Entwicklung des allgemeinen Konsums. Dies dürfte auf das stetige Bevölkerungswachstum in Frankreich und damit steigende Konsumentenzahlen für kurzlebige Konsumgüter, die im Vergleich zu Deutschland höhere Ausgabebereitschaft der französischen Konsumenten für Nahrungsmittel und Kosmetika sowie eine günstige Einschätzung der Exportentwicklung zurückzuführen sein.

Die Verpackungsmittelindustrie profitiert darüber hinaus von einigen Trends, die ihren Absatz begünstigen: Die steigende Zahl von Single-Haushalten und der zunehmende Verzehr unterwegs oder am Arbeitsplatz führt zu einer größeren Nachfrage nach kleineren Packungsgrößen und damit zu mehr einzelnen Verpackungen; die unsichere Einkommensentwicklung lässt in Krisenzeiten eine größere Zahl von Konsumenten eher zu kleineren Packungen greifen; die Zunahme des Internethandels mit anschließendem Versand der Waren macht zusätzliche Verpackungen notwendig.

Entsprechend optimistisch fallen die Markteinschätzungen der Branchenvertreter der Verpackungsindustrie aus. Die Hersteller von Materialien und Verpackungen rechnen zu 58 Prozent mit einer Zunahme ihrer Produktion gegenüber lediglich 52 Prozent in 2013 und 49 Prozent in 2012. Ein ähnlicher Aufwärtstrend zeigte sich in den Erwartungen der Hersteller von Maschinen und Ausrüstungen für die Verpackungsindustrie. Diese gehen zu 55 Prozent von einer Produktionszunahme aus. 2013 waren 47 Prozent dieser Ansicht und 2012 nur 37 Prozent.

Verpackungen zu 67 Prozent recycelt

Strenger werdende gesetzliche Anforderungen betreffen in der Verpackungsindustrie vor allem die Bereiche Recycelbarkeit, Schadstoffbelastung bei Lebensmittelverpackungen und die Erhöhung der Fälschungssicherheit von Arzneimitteln durch die Identifikation jedes einzelnen Präparats (Serialisierung). Die EU-Kommission zielt bis 2030 eine Recyclingquote von 80 Prozent bei Verpackungen an. Im Jahr 2012 wurde in Frankreich ein Wert von 67 Prozent erreicht. Um die Quote weiter zu erhöhen, sind vor allem Verbesserungen in der Sortierbarkeit von Abfällen wichtig, zu der die Gestaltung und Materialwahl von Verpackungen beitragen kann. Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft müsste auch der Anteil recycelter Rohstoffe in der Verpackungsherstellung steigen.

Zum 1. Januar 2015 ist nach einer Vorlaufzeit von zwei Jahren in Frankreich das Gesetzesverbot zur Verwendung von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen in Kraft getreten. Vor allem Epoxydharze und Polycarbonate müssen künftig durch andere Materialien ersetzt werden. Während Bisphenol A in Behältern zur Säuglingsernährung in vielen Ländern und EU-weit nicht mehr enthalten sein darf, geht Frankreich mit der Ausweitung auf sämtliche Nahrungsmittelbehältnisse über die Anforderungen der EU hinaus. Trotz der kurzen Vorlaufzeit und etlicher technischer Hürden zeigten sich die französischen Hersteller nach Aussagen von Branchenvertretern Ende 2014 weitgehend bereit für die Umsetzung der Bestimmung.

Weniger Ausschuss bei der Herstellung

Neben der steigenden Anzahl portionierter Verpackungen in der Nahrungsmittelbranche gewinnt auch das Thema Wiederverschließbarkeit an Bedeutung. Außer dem Gewinn an Komfort für die Konsumenten sollen wiederverschließbare Packungen die Haltbarkeit des Inhalts verlängern und damit zur Verringerung der Lebensmittelabfälle beitragen. Bei der Herstellung von Verpackungen geht der Ausschuss auch tendenziell zurück. So hat sich im Bereich Kunststoffverpackungen der Umsatz im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 1,6 Prozent erhöht, während der Materialeinsatz um 1,3 Prozent zurückgegangen ist. Ursache ist neben dem effizienteren Einsatz der Rohstoffe in der Herstellung die Entwicklung leichterer Verpackungen.

Bei Getränken gibt es in Frankreich seit mehreren Jahren einen Trend zur Abfüllung in Leichtmetalldosen, deren Verwendung in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich sieben Prozent zugenommen hat. In den ersten neun Monaten 2014 betrug der Zuwachs gegenüber 2013 nach Pressemeldungen 8,7 Prozent. Insbesondere Bier (26,1 Prozent) und Softdrinks (18,5 Prozent) werden in Getränkedosen verkauft. Im Durchschnitt konsumiert jeder Franzose im Jahr 71 Getränkedosen. Derzeit werden lediglich drei von zehn Dosen dem Recycling zugeführt. Bis 2020 soll diese Quote auf 80 Prozent erhöht werden.

Ein besonderer Teilmarkt sind in Frankreich Umverpackungen aufgrund der hohen Produktion von Luxusartikeln wie Parfüm oder teuren alkoholischen Getränken wie Champagner oder Cog­nac. Aufwändig gestaltete Kartons, Holz- oder Metallkästen schützen nicht nur empfindliche Flacons und Flaschen, sondern sind zudem ein wichtiges Marketinginstrument, das vielfältigen Gestaltungsraum bietet. Immer häufiger sind im Zuge der einfacher werdenden, digitalen Bearbeitung anlassbezogene Sonderverpackungen wie speziell bedruckte Kartons zu Feiertagen. Eine Untersuchung des Marktforschungsinstitutes Xerfi-Precepta prognostiziert die weitere Zunahme der Nutzung elektronischer Etiketten (RFID) vor allem in Folge der stärkeren Verwendung im Einzelhandel.

Mehr Maschinen werden importiert

Die positive Entwicklung der Verpackungsmittelbranche in Frankreich spiegelt sich in zunehmenden Einfuhren von Verpackungsmaschinen. Innerhalb von zwei Jahren war hier bis 2013 ein Anstieg von circa sechs Prozent zu beobachten. Der Anteil Deutschlands an den Lieferungen schwankt zwischen einem Viertel und einem Drittel des Importwertes und lag 2013 bei 26,3 Prozent. Der französische Markt ist laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) der viertwichtigste Abnehmer von Verpackungstechnik aus Deutschland. In der Ausfuhr erreichten französische Hersteller von Verpackungsmaschinen mit 431,9 Millionen Euro 2013 knapp das Volumen der Einfuhren. Frankreich ist nach Deutschland, Italien, China, Japan und den USA der sechstgrößte Hersteller von Verpackungsmaschinen weltweit.

Materialeinfuhren stagnieren

Während der Import von Verpackungstechnologie mit dem Wachstum des Marktes in Frankreich steigt, stagnieren die Einfuhren von Verpackungsmaterialien in den letzten Jahren. Zusätzlicher Bedarf wird im Wesentlichen durch inländische Produktion gedeckt. Das Observatoire de l‘Emballage stellt fest, dass sich der Marktanteil einheimischer Verpackungshersteller 2014 gegenüber 2012 von etwa 40 auf 45 Prozent erhöht hat.

Der Exportanteil der französischen Hersteller von Verpackungen beträgt unverändert gegenüber 2012 rund 22 Prozent. Der Ausfuhrwert insgesamt stieg 2013 auf 8,3 Milliarden Euro, 1,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zuwächse gab es vor allem bei Verpackungen aus Kunststoff sowie in Teilbereichen der Materialgruppe Papier und Pappe. Der Export von Metallverpackungen war insgesamt rückläufig, ebenso wie jener von Glasflaschen.

Verfasser: Marcus Knupp
Quelle: Germany Trade & Invest

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