Die Boom-Jahre sind vorbei

Für Chinas Maschinen- und Anlagenbau werden die Zeiten offensichtlich härter. Dafür spricht, dass sich die Gesamtkonjunktur in der Volksrepublik in der zweiten Jahreshälfte 2014 weiter abschwächte. Das von der Regierung vorgegebene Wachstumsziels für das Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 7,5 Prozent dürfte nicht erreicht worden sein. (Foto: Christoph Froning / pixelio.de)

Die Boom-Jahre für Chinas Maschinen- und Anlagenbau sind vorbei. Zwar erholte sich die Branche in 2014 etwas, doch leidet der weltweit größte Markt für Maschinen und Anlagen unter der schwachen Konjunktur einiger Abnehmerbranchen. Und auch der Export kommt nicht richtig in Schwung. Überkapazitäten und Preiskämpfe bei steigenden Kosten erfordern Modernisierungsanstrengungen.

Die China Machinery Industry Federation (CMIF) sieht die nationale Produktion von Maschinen und Anlagen im Gesamtjahr um über zehn Prozent steigen. Und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) geht von einem Umsatzwachstum in der Volksrepublik von neun Prozent für das Jahr 2014 und von acht Prozent für 2015 aus. Bei anhaltendem moderaten Exportwachstum stieg im ersten Halbjahr 2014 die Branchenausfuhr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,7 Prozent. Bereits 2012 und 2013 erhöhten sich die Ausfuhren um knapp über sieben Prozent. Umsatzspitzenreiter mit einem Zuwachs von 13,3 Prozent ist die Sparte Nahrungsmittelmaschinen. Optimistisch zeigt sich auch die Mess- und Verpackungstechnik.

Baumaschinensparte bleibt schwierig

Anders hingegen der Bereich Baumaschinen. Hier gingen die Umsatzzahlen weiter zurück. Auch 2015 soll die Nachfrage in den Abnehmermärkten verhalten bleiben. Dennoch weist CEInet für Unternehmen des Segments Bergbau- und Baumaschinen mit einem Jahresumsatz von über 20 Millionen Renminbi ein Umsatzplus von 4,1 Prozent aus. Dabei hatten einige große inländische Hersteller wie Sany oder Zoomlion im November auf der bauma China in Shanghai ihre Ausstellungsfläche im Vergleich zum Vorjahr deutlich verkleinert oder waren gar nicht vertreten. Vor allem internationale Hersteller rückten in den chinesischen Markt vor.

In China produzierende deutsche Baumaschinenhersteller äußerten sich auf der Messe trotz eines Export­rückgangs in dem Segment teilweise positiv – nach VDMA-Informationen um 9,1 Prozent auf knapp 313 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2014 . Wie es dazu heißt, hätten deutsche Unternehmen – anders als die inländische Konkurrenz – zumeist keine Überkapazitäten aufgebaut. Sie profitierten nun von effizienteren Produktionsstrukturen. Insgesamt dürfte der deutsche Maschinenbau 2014 seine Lieferungen in die Volkrepublik leicht erhöht haben. In den ersten neun Monaten stiegen sie laut VDMA um 2,1 Prozent auf 12,65 Milliarden Euro. Große Zuwächse wiesen deutsche Lieferungen auf Basis der chinesischen Zollstatistik im ersten Halbjahr 2014 in den Sparten Agrarmaschinen, Kunststoff- und Gummimaschinen sowie Textilmaschinen auf.

Dies deckt sich nicht mit den Erkenntnissen des VDMA, der auf Basis der deutschen Statistik und deren Abgrenzung sowohl in den Sparten Kunststoff- und Gummimaschinen sowie Textilmaschinen (ohne Bekleidungs- und Ledertechnik) einen zweistelligen Exportrückgang nach China verzeichnete. In der Sparte Bekleidungs- und Ledertechnik wies er jedoch ein deutliches Plus von über 70 Prozent aus. Erstmals stieg laut Chinas Zollstatistik im ersten Halbjahr 2014 die Einfuhr von Maschinen und Anlagen wieder um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In 2012 und 2013 war sie um 16 beziehungsweise 4,1 Prozent gesunken.

Gebrauchsmusteranmeldungen wachsendes Problem

Der VDMA sieht die Entwicklung des Marktes optimistisch, allerdings bleibt Produktpiraterie ein großes Problem. Etwa drei Viertel aller kopierten Produkte im Bereich Maschinenbau dürften gemäß einer Verbandsstudie nach wie vor aus China stammen. Gleichzeitig erkennen Branchenkenner die hohe Anmeldungszahl von Gebrauchsmustern als zunehmendes Problem. Häufig würden diese ohne sorgfältige Prüfung des Neuheitsgrades für veraltete Technologien und Erfindungen angemeldet, so der VDMA in seinem Positionspapier zum Markteintritt. Die Gebrauchsmuster, die dann zehn Jahre Bestand haben, behindern deutsche Unternehmen bei der Belieferung des Marktes. Zwar könne die Anmeldung für ungültig erklärt werden, doch der Prozess sei äußerst zeit- und kostenintensiv.

Quelle: Germany Trade & Invest/Corinne Abele

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