Schrottmarktbericht Februar 2015: Kapriolen ausgeblieben

Noch am Monatsanfang erwartete teilweise der Handel deutliche Preissteigerungen, allerdings setzten die Entwicklung im Exportmarkt sowie der schwache Euro dieser Euphorie rasch ein Ende. Vielmehr bot der Schrottmarkt im Berichtsmonat Januar, bezogen auf die Preise für die einzelnen Sorten, ein uneinheitliches Bild. Die Preisgestaltung reichte von einem Abschlag von 5 Euro pro Tonne für Neuschrott bis zu einem Aufschlag von 10 Euro pro Tonne für Altschrott und Späne. Der Schrottbedarf im Januar war wegen der Stillstände einiger Werke über den Jahreswechsel, durchgeführter Instandhaltungs- und unvorhergesehener Reparaturarbeiten sowie ausgelieferter Altverträge geringer, als vom Handel erwartet.

Das milde Winterwetter unterstützte den an sich unaufgeregten Geschäftsfluss, ohne jedoch die nach wie vor angespannte Erlössituation bei allen Wirtschaftsbeteiligten zu entlasten. Zum fehlenden Schwung im Markt passte zudem die Jahresprognose 2015 der Wirtschaftsvereinigung Stahl vom 16. Januar, in der sie eine leichte Erholung der Rohstahlproduktion um ein Prozent auf 43,3 Millionen Tonnen erwartet.

Uneinheitlich waren die Preisveränderungen bezogen auf die Regionen, die einzelnen Werke und die Sorten. Verbraucher mit promptem Bedarf schlossen schnell ab und zahlten vor allem für Altschrotte und Späne einen Aufschlag von 3 bis 10 Euro pro Tonne gegenüber dem Vormonat. Diese Entscheidung stand neben anderem unter dem Einfluss der erhöhten türkischen Nachfrage nach europäischem Schrott am Monatsanfang. Die Werke verhandelten zwar zu unterschiedlichen Zeitpunkten, aber zügig und ohne Verhandlungsspielraum für die Anbieter. Im Norden und Osten Deutschlands sind die Preise je nach Werk und Bedarf für Altschrott um 8 bis 10 Euro pro Tonne gestiegen, im Westen und Südwesten reichten die Anpassungen von 2,50 bis 10 Euro pro Tonne, und im Süden blieben die Preise unverändert. Zum Teil lagen die Altschrottpreise in diesem Monat über den Neuschrottpreisen oder erzielten den gleichen Preis.
Während der Handel je nach Region von einem leichten Überangebot bei den Neuschrotten berichtete, schien es, als ob der Bedarf an Scherenschrotten nicht überall befriedigt werden konnte. Das mangelnde Altschrottaufkommen wird seit Längerem beklagt, weil unter anderem die Abbruchtätigkeiten definitiv nachgelassen haben. Unabhängig davon versucht die Schrottwirtschaft, ihre vorhandenen Aufbereitungskapazitäten auf einem nahezu unverändert hohen Niveau zu betreiben. Folglich kämpfen viele Marktteilnehmer um das begrenzte Angebot bei entsprechend festen Vormaterialpreisen. Das Problem kann in diesem Fall nur im Beschaffungs-, aber nicht im Absatzmarkt gelöst werden.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Nachbarländer

Die produzierenden italienischen Verbraucher haben die Preise gegenüber ihren ausländischen Lieferanten um durchschnittlich 5 Euro pro Tonne gegenüber Dezember erhöht. Den Bedarf der produzierenden Werke beschrieb der Handel als normal. Die Insolvenz eines italienischen Elektrostahlwerks am 1.1.2015 hat neben frei gewordenen Schrottmengen von 50.000 bis 60.000 Tonnen im Monat zu einem verstärkten Überdenken von Lieferbeziehungen bei den in- und ausländischen Schrottanbietern geführt. Die polnischen Schrottlieferanten hatten sich im Dezember in der Hoffnung auf steigende Januarpreise mit Angeboten genauso zurückgehalten wie manch deutscher Kollege. In Polen selbst sind die Preise bei guter Nachfrage um 7 bis 16 Euro pro Tonne gestiegen. Mit der Preiserhöhung in Ostdeutschland freundeten sich die polnischen Lieferanten aus grenznahen Gebieten dann doch schnell an, und zeigten eine hohe Lieferbereitschaft. In Tschechien stiegen die Preise ebenfalls um rund 10 Euro pro Tonne; genau wie in Österreich, wobei dort der Bedarf geringer war, weil günstigere Schrottsubstitute bevorzugt werden. Die Preise für Importschrott stiegen in der Schweiz bis zu 5 Euro pro Tonne bei normalem Bedarf. Einerseits könnte sich die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro als Vorteil für den Schrottimport aus dem Euroraum erweisen, andererseits könnte dies durch den Nachteil beim Export des Fertigstahls schnell aufgewogen werden. Der Luxemburger Stahlhersteller hatte einen verringerten Bedarf aufgrund technischer Probleme, sodass nicht alle Lieferanten ihre einkalkulierten Absatzmengen realisieren konnten. Die Preisaufschläge für die einzelnen Sorten waren abgestuft und lagen bei durchschnittlich 5 Euro pro Tonne, wobei das Kaufinteresse hauptsächlich bei der Sorte E 5 lag. In den Niederlanden sind die Einkaufspreise ebenfalls um 5 bis 10 Euro pro Tonne gestiegen, wobei die niederländischen und belgischen Exporteure umgehend auf die nachgebenden Tiefseepreise in der 4. Kalenderwoche mit verringerten Annahmepreisen in ihren Tiefseelagern reagierten.

Europa im Fokus

Die türkischen Schrottverbraucher erhöhten Anfang Januar ihre Nachfrage auf dem Kontinent und im Vereinigten Königreich. Wobei die europäischen Anbieter ihre Chance genutzt haben, die sich durch die Abschwächung des Euro gegenüber dem US-Dollar von 1,22 Ende Dezember auf 1,16 bei Redaktionsschluss eröffnete. Sie verringerten bei gleichzeitig günstigeren Frachten ohne Margenverlust entsprechend die Verkaufspreise auf Dollarbasis gegenüber den türkischen Verbrauchern. Seit der 4. Kalenderwoche ist das türkische Kaufinteresse trotz weiterer Preiszugeständnisse der Anbieter wieder erloschen. Derzeit versuchen die türkischen Stahlhersteller über günstige Konditionen Absatzmöglichkeiten für ihren Betonstahl zu finden. Sie haben im Januar die Exportnotierungen bereits um rund 15 US-Dollar pro Tonne gesenkt. Dennoch steht der Markt weiter unter Druck, weil die potenziellen Stahlkäufer sich abwartend verhalten und zusätzliche Preisreduzierungen erwarten.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Lustloses Gießereigeschäft

Für einige Gießereien sind die Geschäftsaussichten nach wie vor nicht berauschend, und der Schrotthandel meldete im Januar ein insgesamt lustloses Gießereigeschäft. Die Preisangebote der an keinen Index gebundenen Produzenten lagen gegenüber Dezember bei unverändert bis maximal 5 Euro mehr pro Tonne. Die Roheisenimportpreise sind wegen des Euroverfalls teils unverändert, teils etwas gestiegen, obwohl die Verbraucher wegen des günstigen Erzpreises mit rückläufigen Roheisenpreisen rechnen und daher ihre Zukäufe soweit wie möglich beschränken.

Aussichten

Für den kommenden Monat rechnen einige Marktteilnehmer mit unveränderten Schrottpreisen oder Preisanpassungen auf das Dezemberniveau bei den Werken, die im Januar ihre Einkaufspreise erhöht haben. Einig sind sich die befragten Marktteilnehmer in ihrer Einschätzung, dass Schrottpreissenkungen wegen des vorhandenen Schrott­angebots und des zu erwartenden Bedarfs eher unwahrscheinlich sind. Dennoch bleiben viele Fragen.

Welche Auswirkungen auf die Realwirtschaft hat beispielsweise die Flutung der Finanzmärkte mit Geld durch die Europäische Zentralbank? Werden die Realwirtschaft oder lediglich der Finanzmarkt davon profitieren? Können die Schrott- und die Stahlwirtschaft Vorteile aus dem schwachen Euro generieren? Die Exportmöglichkeiten werden sich verbessern und die Importe teurer. Wird sich der Effekt insbesondere im Stahlmarkt positiv auswirken? Welchen konjunkturellen Einfluss werden die immer günstiger werdenden Erz- und Ölpreise haben? Spannend bleibt gerade in diesem Zusammenhang die Frage, wann und wie der Markt auf das Ungleichgewicht bei den Erz- und Schrott- beziehungsweise Schrottsubstitutspreisen wie Roheisen und Eisenschwamm reagiert.

Redaktionsschluss 22.01.2015 BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

(EUR0215S32)