Rückgewinnung von Seltenen Erden aus Leuchtstoffabfällen

Mit dem SepSelsa-Verfahren, entwickelt von der TU Bergakademie Freiberg, können auf „einfachstem Weg“ strategisch wichtige Metalle in reiner Form isoliert werden.  

„SepSelsa“ steht für „Separation Seltener Erden aus entsorgungspflichtigen Abfällen in Sachsen“ und ist nach Ansicht der Forscher eine Innovation im Seltenerd-Recycling. „De facto ist es eines der wenigen Verfahren, die den Sprung aus dem Labor in die industrielle Produktion geschafft haben und dabei gleichzeitig wirtschaftlich sind“, erklärt Prof. Martin Bertau, Direktor des Instituts

Reaktor-Rührkessel mit Leuchtstoffabfall und Laugungsmedium, Foto: Martin Seifert

Reaktor-Rührkessel mit Leuchtstoffabfall und Laugungsmedium, Foto: Martin Seifert

für Technische Chemie an der TU Bergakademie Freiberg. „Seine Bedeutung liegt darin, dass wir auf einfachstem Wege sämtliche Leuchtstoffe unabhängig von ihren Seltenerdgehalten hin aufarbeiten. Der große Clou: Wir isolieren die Metalle in reiner Form voneinander – ohne unzählige Trennstufen, wie dies in der klassischen Seltenerd-Aufbereitung der Fall ist.”

Der Recyclingprozess startet bei der Narva Lichtquellen GmbH in Brand Erbisdorf, wo die Produktionsabfälle anfallen. Die FNE Entsorgungsdienste Freiberg GmbH arbeitet diese seltenerdhaltigen Leuchtstoffe dann weiter auf. Im Labor des Instituts für Technische Chemie wurden die Verfahren zur Trennung der komplexen Seltenerdgemische entwickelt und im Kilogramm-Maßstab getestet, bevor sie auf den Technikumsanlagen von FNE umgesetzt wurden. Die bei dem Unternehmen produzierten Rohprodukte werden an die Firma Narva zurückgeliefert. Damit ist der Stoffkreislauf geschlossen und die Seltenen Erden können wieder für die Produktion von neuen Geräten eingesetzt werden.

Filtereinheit zur Abtrennung der nicht gelösten Rückstände, Foto: Martin Seifert

Filtereinheit zur Abtrennung der nicht gelösten Rückstände, Foto: Martin Seifert

Auch Quecksilber und FeNdB-Magneten

Doch es sind nicht nur die Seltenen Erden, die sich durch das Verfahren zurückgewinnen lassen. „Mit der erweiterten SepSelsa-Technologie lassen sich in einem einzigen Schritt sogar die hochquecksilberbelasteten Leuchtstoffe umweltfreundlich aufarbeiten. Das Quecksilber wird dabei hochrein zurückgewonnen”, betont Bertau. Auch FeNdB-Magneten, die etwa für den Bau von Elektromotoren und damit für die Energiewende wichtig sind, können ebenfalls aufbereitet werden.

Das Verfahren wurde von der Universität zu FNE transferiert. Dort wird es mittlerweile technisch umgesetzt. In der Zwischenzeit wurde die Technologie bereits weiterentwickelt. Hierzu soll ein Folgeprojekt beantragt werden. Das Kooperationsprojekt der TU Bergakademie Freiberg mit der FNE Entsorgungsdienste GmbH wurde im Rahmen des bundesweiten Technologietransfer-Wettbewerbs „wissen.schafft.arbeit” vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Mit dem Sonderpreis im Wert von 5.000 Euro würdigte das Ministerium insbesondere den Weg des Technologietransfers unter Einbindung sächsischer Unternehmen.

www.tu-freiberg.de

(EUR0215S40)