Indien hat großen Bedarf an Papier- und Pappeprodukten

Nach einer Schwächephase soll die indische Papierindustrie wieder rascher wachsen. Umsatzsteigerungen von sechs bis acht Prozent pro Jahr sind möglich. Angetrieben wird die positive Entwicklung von den Printmedien. 

Indiens Papierindustrie zeigt sich wegen der aktuellen Aufhellung des Geschäftsklimas auch langfristig für die Marktentwicklung optimistisch. Bis 2020 soll sich laut der Indian Paper Manufacturers‘ Association (IPMA) die Nachfrage nach Papier- und Pappe-Erzeugnissen sowie Zeitungspapier von aktuell 13 Millionen auf 20 Millionen Tonnen erhöhen und bis 2030 noch einmal auf 40 Millionen Tonnen verdoppeln. Die Arbeitsgruppe Pulpe und Papier der nationalen Planungskommission rechnete in ihrer Prognose aus dem Jahr 2012 mit mindestens 25 Millionen Tonnen bis 2026/27.

Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Papier in Indien ist zwischen 2008 und 2012 von etwa sieben Kilogramm auf elf bis zwölf Kilogramm gestiegen und liegt damit noch deutlich unter dem der Volksrepublik China (42 Kilogramm) oder gar der USA (312 Kilogramm). Der Verbrauch an Zeitungspapier dürfte sich 2013/14 auf 2,4 Millionen Tonnen belaufen haben. Dem Centre for Monitoring Indian Economy (CMIE) zufolge betrug die Produktion der lokalen Firmen mit einer Jahreskapazität von jeweils mehr als 24.000 Tonnen circa 987.000 Tonnen und lag damit um fünf Prozent über der des Vorjahres. Die Einfuhren (netto) betrugen laut einer Handelsstatistik etwa 1,4 Millionen Tonnen und verzeichneten ein Plus von elf Prozent. Damit deckte Indien knapp 60 Prozent seines Zeitungspapierbedarfs.

Markt für Zeitungen/Zeitschriften wächst

Dieser Anteil dürfte vor dem Hintergrund von Kapazitäts- und Rohstoffengpässen seitens der indischen Produzenten sowie der höheren Qualität des Importpapiers weiter steigen. Ein Großteil des lokal hergestellten Zeitungspapiers kann in Maschinen mit hoher Druckgeschwindigkeit nicht verwandt werden, ist zu durchsichtig, weist eine zu geringe Leuchtdichte auf oder führt häufig zu Problemen bei der Absorption von Tinte. Insbesondere vor dem Hintergrund der Schwäche der indischen Rupie im Jahr 2013 haben Druckereien versucht, stärker auf heimisches Papier auszuweichen. Laut Brancheninformationen nutzen dies inzwischen vereinzelt selbst renommierte Zeitungsverlage auf schnellen Pressen. Die Nachfrage nach Zeitungspapier dürfte sich weiter positiv entwickeln, denn der Markt für Zeitungen und Zeitschriften wächst in Indien nach wie vor kräftig. Durch die zunehmende Alphabetisierung im Land steigt die Leserschaft von Zeitungen und Zeitschriften. Einer Studie von McKinsey und der Federation of Indian Chambers of Commerce and Industry zufolge legten die Verkaufserlöse 2013 um über acht Prozent zu. Obgleich vor allem im Magazinbereich Publikationen eingestellt werden, drängen die Verlage mit neuen, oft regionalsprachigen Ausgaben von Zeitungen in Regionen außerhalb der Megastädte vor. Hier erschließen sie erfolgreich neue Leserschichten. Die Gefahren, die für die Printmedien vom Internet ausgehen, schätzt die Branche für die nächsten Jahre noch als recht gering ein. Nur etwa 15 Millionen Haushalte verfügten Mitte 2014 über einen Festnetzbreitbandanschluss. Die Internetnutzung über mobile Geräte verbreitet sich allerdings rasant – und dies zunehmend auch außerhalb der Metropolen. Landesweit gibt es inzwischen gut 50 Millionen mobile Breitbandanschlüsse.

Importzunahme von Zellstoff, Papier, Pappe

Die gesamte lokale Produktion von Papiererzeugnissen der großen indischen Firmen belief sich im Finanzjahr 2013/14 auf 7,2 Millionen Tonnen und stieg damit um knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Größte Kategorie mit 2,9 Millionen Tonnen war Schreib- und Kopierpapier, gefolgt von Strohpapier und Pappe mit 1,8 Millionen Tonnen. Die Kraftpapierfertigung betrug etwa 1,2 Millionen Tonnen.Der Import von Zellstoff, Papier und Pappe nahm 2013/14 mengen- und wertmäßig zu. Indische Firmen kauften mit 2,6 Millionen Tonnen acht Prozent mehr Papierprodukte (HS-Pos. 48) und mit 3,6 Millionen Tonnen elf Prozent mehr Zellstoffe (HS-Pos. 47) aus dem Ausland. Die Einfuhrwerte bei Papierprodukten legten um fünf Prozent auf umgerechnet 2,4 Milliarden US-Dollar und bei Zellstoff um acht Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar zu. Einkäufe aus Deutschland verzeichneten ein deutlich überproportionales Plus: Bei Papier erreichten die Lieferungen einen Wert von 147,5 Millionen US-Dollar (+26 %), bei Zellstoffen von 12,0 Millionen US-Dollar (+93 %). Wertmäßig stammte der Großteil aus dem Ausland bezogener Zellstoffe (HS-Kapitel 47) 2013/14 aus den USA (Anteil: 30 %), gefolgt von Indonesien (12 %), Kanada (8 %), Schweden (7 %) sowie Südafrika (6 %). Bei Papierprodukten (HS-Kapitel 48) konnte China mit einem Lieferanteil von 14 Prozent seine zuletzt erworbene Führungsposition vor den USA (13 %) verteidigen. Weitere wichtige Lieferanten waren Kanada (9 %), Südkorea (8 %) sowie Deutschland (6 %). Südostasiatische Länder könnten künftig an Wettbewerbsfähigkeit am Markt gewinnen. Das Freihandelsabkommen ermöglicht, dass eine Vielzahl von Papiererzeugnissen mit Ursprung in den Ländern der ASEAN seit Anfang 2014 zollfrei nach Indien eingeführt werden kann.

Es mangelt an eigenen Rohstoffen

Der Mangel an Rohstoffen, insbesondere an qualitativ hochwertigem Material, macht der Papierbranche weiterhin zu schaffen. Bislang dürfen die Hersteller keine eigenen Anbauflächen für Primärfaserstoffe nutzen (captive plantations). Die zuständige Arbeitsgruppe der Planungskommission hat zwar Richtlinien erarbeitet, die den Anbau noch im 12. Fünfjahresplan (2012 bis 2017) ermöglichen sollen. Die Industrie kritisiert jedoch, dass von staatlicher Seite bislang keine klare Linie bezüglich der möglichen Vergabe von degradierten Waldgebieten und Brachland erkennbar sei. Die Industrie kann so weder ihre Aufforstungsbemühungen umsetzen noch ihren Rohstoffbedarf selbst decken. Die Papierproduzenten müssen die Rohstoffe daher anderweitig beschaffen. Den Großteil der Holzpulpe bezieht die Industrie aktuell aus „Social and Farm Forestry“-Projekten, die sich auf schätzungsweise 520.000 Hektar Fläche erstrecken. Sie bemüht sich zudem, eine Kooperation mit den Forstbehörden der Bundesstaaten aufzubauen, im Rahmen derer die Papierhersteller den Anbau finanzieren, nicht jedoch das Eigentum an den Flächen übernehmen könnten. Einige Hersteller sind auch dazu übergegangen, Plantagen im Ausland aufzubauen.

Nach letzten verfügbaren Angaben von 2010/11 werden etwa neun Millionen Tonnen Holz pro Jahr in der Papierproduktion verbraucht. Holzbasierte Rohstoffe standen damit für 31 Prozent der Produktion. Ihr Anteil hat über die letzten Jahrzehnte aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit stark abgenommen. Zum Teil sind die Hersteller dazu übergegangen, Holzspäne zu importieren. Insgesamt gibt es in Indien 30 große integrierte Papiermühlen, die in ihrer Produktion auf Holz oder Bambus zurückgreifen.

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

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Papierproduktion: Altpapieranteil bei 47 Prozent

Die Produzenten sind gezwungen, verstärkt andere Rohstoffe zu nutzen. Agrarabfälle wie Bagasse, Weizen- und Reisstroh machten zuletzt 22 Prozent der Papierproduktion aus und wurden von 150 Mühlen eingesetzt. Die Verfügbarkeit von Bagasse nimmt jedoch ebenfalls ab, da die Zuckermühlen den Rohstoff immer stärker für die eigene Energiegewinnung nutzen. Der Anteil von Altpapier an der Papierproduktion betrug 2010/11 etwa 47 Prozent. Mehr als 400 Mühlen nutzten den Rohstoff als Primärfaserquelle. Da sich das Sammelsystem aber überwiegend in unorganisierter Hand befindet und ein Großteil des Altpapiers zum Verpacken genutzt wird, werden nur schätzungsweise 30 Prozent wiederverwertet. Darüber hinaus ist das indische Recyclingpapier aufgrund seines hohen Anteils an Kurzfasern – bedingt durch den Bagasseeinsatz – für eine mehrmalige Wiederverwertung wenig geeignet.

Stark fragmentierte Branchenstruktur

Die Branchenstruktur in Indiens Papierindustrie ist stark fragmentiert, ein Konsolidierungsprozess hat jedoch bereits begonnen und dürfte sich nach Einschätzung von Industrievertretern in den kommenden Jahren fortsetzen. Mit Stand 2011 gab es 759 Papiermühlen, von denen allerdings 107 nicht aktiv waren – überwiegend aufgrund von Umweltproblemen. Sie unterscheiden sich stark in Größe und Ausstattung. Die Kapazitäten reichen von fünf bis 1.270 Tonnen pro Tag. Papiermühlen sind über das ganze Land verstreut angesiedelt. Die größten Player sitzen in den Bundesstaaten Andhra Pradesh, Gujarat, Madhya Pradesh, Maharashtra, Punjab, Tamil Nadu, Uttar Pradesh und West-Bengalen. In den vergangenen Jahren haben sich auch ausländische Unternehmen stärker engagiert: 2011 erwarb die US-amerikanische Firma International Paper (IP) Mehrheitsanteile an der indischen Andhra Pradesh Paper Mills (APPM), und 2012 übernahm die ebenfalls amerikanische MeadWestvaco (MWV) die Firma Ruby Macons.

Neue Vorhaben werden kaum angestoßen

Die gesamte Produktionskapazität der Branche lag 2011/12 bei 12,7 Millionen Tonnen. Die Industrie hat in den vergangenen fünf Jahren kräftig investiert und gibt die Höhe der Ausgaben für Kapazitätserweiterungen und Modernisierungsmaßnahmen mit etwa 200 Milliarden Rupien an. Das Central Pulp and Paper Research Institute (CPPRI) rechnet damit, dass im 12. Fünfjahresplan neue Projekte mit einer Gesamtkapazität von 7,35 Millionen Tonnen umgesetzt werden. Aktuell werden vor dem Hintergrund der erfolgten, umfangreichen Investitionen jedoch kaum neue Vorhaben angestoßen. Die finanzielle Lage vieler Firmen ist angespannt. Die Branche zeigt sich jedoch optimistisch, dass die neu aufgebauten Kapazitäten aufgrund der rasch steigenden Nachfrage innerhalb weniger Jahre ausgelastet sein werden. Von den Investitionen in moderne Anlagen wird zudem erwartet, dass sie neben einer Qualitätssteigerung auch zu sinkenden Betriebskosten führen. Skaleneffekte sowie die erfolgte Rückwärtsintegration dürften für weitere Entlastung sorgen.

Sehr energie- und wasserintensiv

Die Produktionskosten in der Branche waren in den vergangenen Jahren gestiegen. Unter anderem trieb der unter Druck geratene Wechselkurs der indischen Rupie die Kosten für Rohstoffe der importabhängigen Indus­trie 2013 zusätzlich in die Höhe. Medienberichten zufolge führte dies zu einem Preisanstieg bei Papier um zehn bis 15 Prozent. Die indische Währung hat sich in den vergangenen Monaten wieder etwas erholt. Die Finanzierungskosten stellen vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Inflationsrate ebenfalls ein Problem dar. Die Einrichtung eines seit längerer Zeit geforderten branchenspezifischen „Technology Upgradation Fund“ durch die Regierung ist auch im Rahmen des Haushalts 2014/15 nicht erfolgt. Darunter würden die Papierhersteller günstige Kredite für die Modernisierung ihres Maschinenparks erhalten. Die Industrie arbeitet bislang sehr energie- und wasserintensiv und muss vor dem Hintergrund der Knappheit und der steigenden Kosten für beide Ressourcen künftig verstärkt in effizientere Ausstattungen investieren. Zwar hat sie nach eigenen Angaben zumindest ihren Energieverbrauch in den letzten fünf Jahren um etwa ein Fünftel reduziert. Für die Herstellung einer Tonne Papier werden im Schnitt aber immer noch 1.300 Kilowattstunden Strom, 80 Kubikmeter Wasser und neun Tonnen Wasserdampf verbraucht. Zudem werden die geltenden Abwasserstandards bislang nicht ausreichend durchgesetzt.

Strengere gesetzliche Rahmenbedingungen könnten hier künftig für Veränderung sorgen. Die Regierung hat im März 2012 das „Perform, Achieve and Trade System“ (PAT) eingeführt, das auf eine deutliche Reduzierung des Energieverbrauchs in verschiedenen Industrien abzielt. Insgesamt 478 Unternehmen aus acht besonders energieintensiven Branchen müssen in der ersten Projektphase von 2012/13 bis 2014/15 vorgegebene Energiesparziele erreichen. Für die Papierproduzenten gilt ein Ziel von drei bis fünf Prozent. Firmen, die die Vorgaben übertreffen, erhalten Zertifikate (Energy Saving Certificates, ESCerts), die mit anderen Unternehmen gehandelt werden können, welche die Ziele nicht erfüllt haben.

Absatz von Gebrauchtmaschinen ist rückläufig

Die Einfuhr von Ausrüstungen für die Papierherstellung und -verarbeitung (ZT-Pos. 8439, 8441) hat – wie schon im Vorjahr – weiter deutlich abgenommen. Indien bezog im Finanzjahr 2013/14 lediglich Maschinen im Wert von umgerechnet 218,3 Millionen US-Dollar aus dem Ausland und damit 23 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Deutschland verkaufte Maschinen der Position 8439 für 46,0 Millionen US-Dollar und damit 37 Prozent weniger als 2012/13. Mit 41 Prozent Anteil blieb es hier jedoch wichtigster Lieferant. Bei Maschinen der Position 8441 belegte Deutschland mit einem Lieferwert von 18,8 Millionen US-Dollar (-35 %) und einem Anteil von 18 Prozent den zweiten Rang hinter der Volksrepublik China. Wurden in Indien bislang überwiegend gebrauchte Maschinen installiert, zeichnet sich seit einigen Jahren ein Trend ab, hin zu neuen Anlagen auf hohem technischem Stand. Importierte Gebrauchtmaschinen sind gerade für kleinere Hersteller immer noch die einzig bezahlbare Option.

Auf Wachstumskurs: Wellpappe- und Packmittelindustrie

Der indische Marktumfang für Verpackungen dürfte aktuell etwa bei einem Volumen von umgerechnet rund 20 Milliarden US-Dollar liegen. Den Umsatz mit Verpackungen aus Papier und Pappe bezifferten das „Journal of Indian Institute of Packaging“ und die Beratungsfirma IMaCS Research für das Jahr 2009 auf 1,6 Milliarden US-Dollar (letzte verfügbare Zahl). Printweek gab den Umsatz mit Verpackungen für den Endverbraucher 2013 mit etwa 472 Milliarden Rupien an und rechnet mit einer knappen Verdopplung bis 2017/18. Davon sollen 20 Prozent auf Verpackungen aus Papier und Pappe entfallen. Wie die Federation of Corrugated Box Manufacturers of India (FCBM) mitteilt, gibt es über 10.000 Hersteller von Wellpappe, deren Produktion sich 2013 auf rund 4,5 Millionen Tonnen belief. Bei den meisten handelt es sich zwar um Klein- und Kleinstbetriebe, die auf halbautomatischen Maschinen fertigen. In den letzten Jahren hat in der Branche jedoch ein Wandel eingesetzt. Die Produktivität ist merklich gestiegen, und inzwischen gibt es schätzungsweise 250 vollautomatische Maschinen. Der Umsatz lag zuletzt bei etwa 120 Milliarden Rupien. Der Verband rechnet für die kommenden Jahre mit Wachstumsraten von etwa 15 Prozent pro Jahr.

Steigende Nachfrage nach Pappverpackungen

Die Nachfrage nach Verpackungsmitteln wird in erster Linie vom steigenden Organisationsgrad im Einzelhandel sowie den wachsenden Hygieneanforderungen der Konsumenten angetrieben. Wichtige Impulse dürften in absehbarer Zeit auch von der erfolgten weiteren Öffnung des Einzelhandels für ausländische Direktinvestitionen ausgehen. Zwar bestehen nach wie vor Unsicherheiten bezüglich der Gesetze im Mehrmarken-Einzelhandel (Supermärkte), und potenzielle internationale Investoren zögern ihren Markteintritt bislang hinaus. Im Einmarken-Einzelhandel steigt das ausländische Interesse allerdings. Ein Teil der Waren muss dann in Indien selbst produziert und schließlich auch verpackt werden.

Auch die rasche Verbreitung von Fast-Food-Ketten und Restaurants mit Take-away- und Lieferservice sorgt für eine höhere Nachfrage nach Pappverpackungen. Zudem werden Verpackungen benötigt, die erhöhte Anforderungen an den Schutz des Produktes sowie die Nutzerfreundlichkeit erfüllen, beispielsweise mikrowellengeeignete Behälter. Der Bedarf an Papiertüten wird in Zukunft ebenfalls weiter steigen, da die Regierung Kunststofftüten den Kampf angesagt hat. Verbote erzielten bereits erste Erfolge. Die indische Pharmabranche als wichtiger Nachfrager von Pappverpackungen wächst mit Raten zwischen zehn und 15 Prozent pro Jahr. Etwa die Hälfte ihres Umsatzes erwirtschaftet sie mit Produkten für den Export, die entsprechend verpackt werden müssen. Bei Konsumgütern wie Unterhaltungselektronik und elektrischen Haushaltsgeräten wird angesichts des sich aufhellenden Wirtschaftsklimas ebenfalls eine zunehmende Nachfrage erwartet. Die neue Regierung kündigte zudem an, das verarbeitende Gewerbe zu fördern und verstärkt auf Produkte Made in India setzen zu wollen. Die langsam zunehmende Automatisierung industrieller Prozesse führt dabei zu Veränderungen. So verlangen automatische Verpackungslinien mit engeren Toleranzen gefertigte Packmittel mit konstanter Normqualität.

Auftrieb im Markt für Hygieneprodukte

Der Verbrauch an Produkten aus Hygienepapier ist in Indien nach wie vor gering. Branchenschätzungen zufolge dürfte die Produktion von Seidenpapier 2010 rund 70.000 Tonnen betragen haben (letzte verfügbare Zahl). Euromonitor International gibt an, dass das Umsatzwachstum 2013 über alle Produktkategorien hinweg im zweistelligen Bereich gelegen habe. Beim überwiegenden Teil der lokalen Produktion handelt es sich momentan noch um hartes, wenig reißfestes Papier mit geringer Saugfähigkeit. Papiertaschentücher kommen traditionell kaum zum Einsatz, in wenigen Privathaushalten werden an deren Stelle jedoch Kosmetiktücher genutzt. Das Gleiche gilt für Toilettenpapier, dessen Verwendung sich jedoch in der wachsenden Mittelschicht in den Ballungszentren nach und nach durchsetzt. Des Weiteren wird der Verbrauch beispielsweise von Krankenhäusern, Gaststätten, Hotels und großen, vor allem multinationalen Firmen angetrieben. Von diesen geht ebenfalls die Hauptnachfrage nach Papierhandtüchern sowie Servietten aus.

Der ebenfalls noch sehr kleine Markt für Damenbinden soll gemäß NIIR Project Consultancy Services bis 2017 mit durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten von 25 Prozent auf 46 Milliarden Rupien zulegen. Eine staatliche Initiative zur Verbreitung von Binden verlief bislang vor allem aufgrund mangelnden Bewusstseins sowie hoher Hemmschwellen recht erfolglos. Der Eintritt internationaler Anbieter von Hygieneprodukten dürfte deren Vermarktung sowie der von Windeln und verwandten Produkten jedoch Auftrieb verleihen.

Etikettenverbrauch unter dem Weltdurchschnitt

Indien liegt beim jährlichen Verbrauch von Etiketten noch weit unter dem Weltdurchschnitt. Pro Kopf dürfte dieser 2011 (letzte verfügbare Zahl) zwischen 1,0 und 1,5 Quadratmeter pro Jahr betragen haben. Die Sparte soll jährlich um circa zehn bis 20 Prozent wachsen. Beschleunigt wird die Entwicklung von der Verbreitung moderner Einzelhandelsformate. Der Markteintritt internationaler Player sowie die zunehmend anspruchsvollen, kaufkräftigen Kunden führen zudem zu einer steigenden Nachfrage nach optisch und qualitativ ansprechenderen, leichteren und dünneren Etiketten. Für Kunden aus der Pharmaindustrie müssen die Etiketten darüber hinaus internationale Standards erfüllen. Der organisierte Absatz von Etiketten steht lediglich für 15 Prozent des Gesamtmarktes.

Mehr Investitionen in die Bildung

Aktuelle, belastbare Zahlen zum Schreibwarenmarkt sind nicht verfügbar. Die Herstellerlandschaft ebenso wie die Handelsstruktur ist stark fragmentiert. Schätzungen zum Umsatz belaufen sich auf etwa 100 bis 120 Milliarden Rupien, wovon 40 Prozent auf Schreib- und Notizhefte entfallen sollen. Die Produktion der großen Betriebe von Schreib- und Druckerpapier belief sich 2013/14 laut CMIE auf 2,9 Millionen Tonnen. Die Hersteller von Schreibpapier profitieren von der Erhöhung der öffentlichen Ausgaben für Schulbildung – ein Ziel, das auch die neu gewählte Regierung bekräftigt hat. Im Juli 2009 wurde ein Gesetz erlassen, das jedem Kind kostenlosen Zugang zu schulischer Bildung bis zum 14. Lebensjahr garantiert. Auch die Ausstattung mit Unterrichtsmaterialien soll verbessert werden. Der Bedarf an Drucker- und Kopierpapier wächst mit dem dynamischen Dienstleistungssektor, insbesondere der IT-Industrie, sowie der Finanz- und Versicherungsbranche.

Verfasserin: Anna Westenberger
Quelle: Germany Trade & Invest

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