Quelle: bvse

Aufbau eines mittelständischen Recyclingnetzwerkes in Europa gefordert

Mit Bedauern kommentiert der bvse die Nachricht, dass sich offenbar kein Meinungsumschwung bei der EU-Kommission bezüglich des Kreislaufwirtschaftspakets abzeichnet. 

Dabei ließen das EU-Parlament und der Ministerrat keinen Zweifel daran, dass eine politische Mehrheit hinter dem Vorschlag zum Paket steht. bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock: „Vorzugswürdig wäre aus unserer Sicht die Weiterarbeit und Nachbesserung am im letzten Jahr vorgelegten Gesetzespaket. Anspruchsvolle Recyclingziele für alle EU-Mitgliedsländer sind dringend erforderlich, wenn wir den Einsatz von Rohstoffen begrenzen und einen neuen Impuls für die Kreislaufwirtschaft setzen wollen. Dies ist aus ökologischen Gründen unverzichtbar und aus ökonomischen Gründen sinnvoll.“

Trotzdem müsse die Arbeit weitergehen, um nicht noch mehr unnötige Zeit zu verlieren. In einem Schreiben an Karl Falkenberg, Generaldirektor Umwelt der Europäischen Kommission, machte Rehbock aus seiner Sicht deutlich, welche Aspekte die Voraussetzung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in Europa sind. Nach Auffassung des bvse bedürfe es für die Sicherstellung einer modernen, ökonomisch und ökologisch tragfähigen Recyclingwirtschaft vor allem eines gut ausgebauten regionalen Netzwerks von mittelständischen Sammel- und Aufbereitungsstrukturen: „Im Europa der Regionen auf dem Weg hin zu einer tragfähigen und wachstumsorientierten Abfallwirtschaft kann nur auf die Grundsätze der Subsidiarität und der Regionalität gebaut werden.“ Dabei gelte es, die herrschenden Unterschiede in den verschiedenen Mitgliedstaaten, die teils gravierend seien, auszugleichen. Die EU sehe hierfür unter anderem das Mittel der Kohäsionspolitik vor.

Nicht nach dem Gießkannenprinzip

Der Einsatz von Fördermitteln dürfe jedoch nicht wahllos und nach dem Gießkannenprinzip erfolgen. Rehbock verwies darauf, dass in der aktuellen Förderperiode im Rahmen der Europa-2020-Ziele unter anderem die Reduzierung des CO2-Ausstoßes vorrangig sei. Dieser Ansatz müsse auch bei der Abfallpolitik verfolgt werden. Nur mit modernen Anlagen werde Europa seinen Umwelt- und Energiezielen gerecht werden können. Die energetische Verwertung von Abfall könne hierbei keinesfalls der einzige Ansatz sein. Im Vordergrund müssten vielmehr innovative Lösungen zur Verbesserung der mittelständischen Recyclinginfrastruktur in den Regionen Europas stehen. Die Recycling- und Entsorgungsbranche könne einen erheblichen Beitrag für eine Stärkung der regionalen Wertschöpfung leisten.

Anders als beispielsweise im Umfeld der thermischen Verwertung berge die mittelständische Recyclingbranche zudem ein enormes Potenzial an Arbeitsplätzen. Kleine und mittlere Entsorgungsunternehmen fungierten in den Regionen als Jobgaranten, da die Sammlung und vielfach auch die Sortierung unmittelbar vor Ort erfolgten. Ehrgeizige EU-Vorgaben könnten auf diese Weise zehntausende Arbeitsplätze schaffen, die nicht nur zukunftsorientiert seien, sondern auch die Entsorgungswirtschaft nachhaltiger gestalteten.

(EUR0315S3)