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„Die aktuellen Ziele für Baustoffrecycling sind ein Wachstumshemmnis“

62 Prozent der Baustoff- und Aushubabfälle in Europa wurden 2012 laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht von Frost & Sullivan recycelt. Peter Craven, Leiter Marketing bei CDE Global, meint, dass die gesteckten Ziele weiterreichende Probleme im Baustoff- und Aushubrecyclingsektor in Europa verdecken und daher keinen Erfolg darstellen.

Die EG-Abfallrahmenrichtlinie schreibt vor, dass bis Ende 2020 eine Recyclingquote von 70 Prozent für Baustoff- und Aushubabfälle in Europa erreicht werden muss. Gemäß den neuesten verfügbaren Zahlen beträgt die Menge des recycelten Materials im Erfassungszeitraum 61,8 Prozent. Bei oberflächlicher Betrachtung dieser Zahl scheinen Fortschritte erzielt zu werden, und das Ziel der EG erreichbar erscheint.

Eine nähere Betrachtung der Zahlen zeigt jedoch, dass ein sehr großer Unterschied zwischen den leistungsstarken Unternehmen auf diesem Sektor und denjenigen besteht, die sich noch nicht der Möglichkeiten des Baustoffrecyclings bewusst sind. Mitgliedstaaten, die auf dem richtigen Weg sind, haben das Ziel bereits erreicht oder werden es ohne großen Aufwand erreichen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Mitgliedstaaten, die das Ziel nicht erreichen werden, so weit zurück hinken, dass es sowieso nicht erreichbar ist.

Welchen Zweck hat ein Ziel?

Sicherlich besteht der Zweck darin, Verbesserungen voranzutreiben, die Effizienz zu erhöhen und Innovationen zu fördern. Die Abfallrahmenrichtlinie in ihrer jetzigen Form erreicht mit einer Recyclingquote von 70 Prozent jedoch keines dieser Ziele. Wenn wir dieses Problem jetzt nicht angehen, verschwenden wir die nächsten sechs Jahre, in denen wir auf den Bericht zum Erreichen der Quote warten, obwohl die Antwort bereits bekannt ist.

In Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Benelux-Ländern und den Alpenstaaten werden wir diese Quote von 70 Prozent problemlos erreichen. Einige der Staaten haben sie bereits erreicht. In diesen Staaten muss hinsichtlich Recycling von Baustoff- und Abbruchabfällen in den nächsten sechs Jahren nichts weiter unternommen werden. Die nordischen Länder, Spanien, Portugal, Italien und die Länder in Zentral- und Osteuropa hingegen werden alle das Ziel nicht erreichen. Sie werden jedoch einige Investitionen in die einfachen Aufbereitungstechniken für dieses Material bis dahin getätigt haben, um eine entsprechende Anstrengung im Erreichen des Ziels zu demons­trieren.

Während die Branche ihre Anstrengungen auf ein bedeutungsloses Recyclingziel von 70 Prozent konzentriert, steigt das Volumen der in Europa produzierten Baustoff- und Aushubabfälle auf über 1,1 Milliarden Tonnen pro Jahr – eine Steigerung von 26 Prozent verglichen mit den aktuellen Mengen. Ein unlängst veröffentlichter Bericht von Frost & Sullivan besagt, dass zwar 95 Prozent dieser Baustoff- und Aushubabfälle wiederverwertbar sind, das Recycling jedoch nicht richtig gemanagt wird. Und ein EU-Bericht vom Juni 2013 mit dem Titel „Ambitious waste targets and local and regional waste management“ enthält folgenden Kommentar:

„ […] bewährte Verfahren in Europa zeigen, dass Recyclingquoten über 80 und 90 Prozent machbar sind. Für die Länder, die bereits höhere Wiederverwendungs-, Recycling- und Wiedergewinnungsgrade erreichen, stellt die Abfallrahmenrichtlinie keinen Anreiz dar, um höhere Ziele zu erreichen. Im Prinzip könnten differenzierte Ziele für diese Mitgliedstaaten in der Abfallrahmenrichtlinie oder auch in deren nationalen Rechtsvorschriften festgelegt werden.“

Es ist klar, dass sowohl bei Branchenbeobachtern als auch auf EU-Ebene bekannt ist, dass das Ziel von 70 Prozent in der Abfallrahmenrichtlinie nicht mehr seinen Zweck erfüllt. Jede Suche nach einer Alternative scheint jedoch von Scheuklappen beschränkt und versäumt daher, zwei sehr wichtige Fragen zu stellen: Funktioniert ein „Universalkonzept“ wirklich? Sind die Ziele richtig ausgerichtet, treiben sie die Effizienz und den Umweltschutz voran, und fördern sie Innovationen?

global3Funktioniert ein Universalkonzept?

Aus den neuesten, verfügbaren Zahlen geht deutlich hervor, dass die Ziele zu einer sehr klaren Aufteilung in Mitgliedstaaten, welche das Ziel erreichen werden, und jene, die es nicht erreichen werden, geführt haben. Dass schon jetzt, sechs Jahre vor Ablauf dieser Frist, dieses Ergebnis vorhergesagt werden kann, legt nahe, dass die derzeitigen Ziele noch einmal überprüft werden müssen.

Bei einer erneuten Betrachtung dieser Ziele wird klar, dass sie von ihrem Aufbau her die jeweiligen Marktbedingungen in den einzelnen Mitgliedstaaten berücksichtigen müssen. Denn Mitgliedstaaten mit begrenzten Mengen von neuen Rohstoffen werden natürlich besser abschneiden als Staaten, in denen neue Rohstoffe im Überfluss verfügbar sind. In Mitgliedstaaten mit hohen Deponiesteuern ist zudem der Anreiz für ein Recycling von Baustoff- und Abbruchabfällen hoch.

Allerdings gibt es auch Mitgliedstaaten mit relativ niedrigen Deponiekosten, wo die Entsorgung von Baustoff- und Abbruchabfällen über Deponien folglich die wirtschaftlichste Option ist. Langfristig ist das natürlich nicht nachhaltig. Um die Deponiesteuern jedoch an die jener Mitgliedstaaten anzupassen, die bereits hohe Abgaben erheben, müssten sie um ein Vielfaches angehoben werden. Eine solche Anpassung ist aber bis 2020 schlicht nicht machbar, weil keine amtierende Regierung eine solch dramatische Erhöhung wird durchsetzen können. Die Richtlinie setzt des Weiteren voraus, dass ein einfaches Messen des recycelten Baustoff- und Abbruchabfallvolumens Verbesserungen und Innovationen im Sektor am besten vorantreibt. Dies führt uns zu der zweiten Frage:

Sind die Ziele richtig ausgerichtet …

… treiben sie die Effizienz und den Umweltschutz voran und fördern sie Innovationen?

Die überwiegende Mehrheit der Baustoff- und Aushubabfälle in Europa wird mit einfachsten Aufbereitungstechniken verarbeitet. Dabei handelt es sich um schlichte Zerkleinerungstechniken (Brechen) und Klassiertechniken (Sieben). Dies führt zu recycelten Produkten, die nur für Bauanwendungen von sehr niedrigem Wert (obere Tragschicht im Straßenbau, allgemeines Verfüllen) geeignet sind. Fest steht ebenso, dass Verfüllung nach wie vor die dominierende Anwendung für das meiste recycelte Material aus Baustoff- und Aushubabfällen in Europa ist.

Innerhalb der Abfallrahmenrichtlinie ist das bis 2020 zu erreichende Ziel: „die Vorbereitung zur Wiederverwendung, des Recyclings und die Verfüllung von Baustoff- und Abbruchabfällen auf 70 Prozent zu erhöhen“. Dies scheint darauf hinzudeuten, dass Verfüllung nicht als Recycling betrachtet wird. Wenn Material jedoch zur Verfüllung verwendet wird, wird es derzeit von den Mitgliedstaaten innerhalb deren Recyclingquoten gemeldet.

Der Grund, warum Verfüllung in die gemeldeten Zahlen aufgenommen wird, ist leicht zu verstehen. Lässt sich doch dadurch das Ziel von 70 Prozent auch mit einfachster Aufbereitungstechnik und der Herstellung von minder- bis geringwertigem Material sehr leicht erreichen. Und dies ist einer der grundlegenden Fehler im aktuellen Ansatz hinsichtlich Baustoffrecycling in Europa. Die derzeitigen Ziele sind ausschließlich darauf ausgerichtet, das Volumen der Baustoff- und Aushubabfälle zu senken, das auf Deponien entsorgt wird. Dabei wird außer Acht gelassen, dass Baustoff- und Aushubabfälle eine wertvolle Ressource darstellen. Auch wird das Potenzial für die Produktion höherwertiger Materialien aus diesem Abfallstrom nicht berücksichtigt.

global2Die Antwort ist ein klares „Nein“

Zweifellos besteht in Bauanwendungen eine Verwendung für Material mit geringerem Wert. Das Wertpotenzial von recycelten Zuschlagstoffen wird allerdings ignoriert, wenn Verfüllung als die einzige Verwendungsart betrachtet wird. Mithilfe fortschrittlicher Aufbereitungssysteme für die Aufbereitung von Baustoff- und Aushubabfällen können wir nicht nur den Verwendungsbereich für dieses Material erweitern, sondern auch die Wertschätzung von recycelten Sanden und Zuschlagstoffen ändern. Nur so können wir das Ziel erreichen, das Potenzial eines effizienten Recyclings von Baustoff- und Aushubabfällen voll auszuschöpfen.

Es gibt klare Hinweise darauf, dass recycelte Zuschlagstoffe, beispielsweise für Beton, eine gangbare Alternative zu neuen Zuschlagstoffen darstellen. Aber nur ein winziger Teil des recycelten Materials in ganz Europa wird tatsächlich in der Betonherstellung eingesetzt. Die Richtlinien der australischen Regierung besagen, dass bis zu 30 Prozent der recycelten Zuschlagstoffe für Konstruktionsbeton ohne merkliche Unterschiede in Verarbeitbarkeit und Festigkeit im Vergleich zu neuen Zuschlagstoffen verwendet werden können.

Viele im Geschäft mit neuen Zuschlagstoffen sehen das recycelte Material daher als eine Bedrohung. Dabei ist eigentlich das Gegenteil der Fall. Die Ausschöpfung des vollen Potenzials von recycelten Zuschlagstoffen sorgt dafür, dass wir die Zuschlagstoffversorgung aus einer nachhaltigen Quelle schützen. Es verlängert die Lebensdauer dieser endlichen Ressourcen für spätere Generationen. Auf die Frage „Treiben die derzeitigen Ziele für Bau- und Abbruchabfälle die Effizienz und den Umweltschutz voran, und fördern sie Innovationen?“ ist die Antwort derzeit ein klares „Nein“.

Peter Craven, Leiter Marketing bei CDE Global (Foto: CDE Global)

Peter Craven, Leiter Marketing bei CDE Global (Foto: CDE Global)

Wie nun die Wende herbeiführen?

Wenn wir jedoch die Nutzung von recycelten Baustoff- und Abbruchabfällen in höherwertigen Bauanwendungen wie Beton steigern, können wir die Wende noch herbeiführen. Die fortschrittlichen Aufbereitungstechniken, die für dieses Material zur Verfügung stehen, werden dadurch nicht nur gefördert, sondern es lassen sich damit auch recycelte Sande und Zuschlagstoffe mit einem sehr viel breiteren Anwendungsbereich herstellen. Die erhöhte Spezifikation dieses höherwertigen Materials schafft Vertrauen in das Material und verbessert den Ruf von Recyclingmaterial, was zu einer erhöhten Nachfrage führt. Das wiederum erhöht das Interesse von Materialherstellern an diesen fortschrittlichen Verarbeitungssystemen, weil sie in diese Technologie investieren müssen, um einerseits wettbewerbsfähig zu bleiben und um andererseits die neuen Anforderungen ihrer Kunden erfüllen zu können. Ausrüstungshersteller müssen dann ständig neue Wege zur Aufbereitung dieses Materials entwickeln und innovative Lösungen für diese Aufbereitungstechniken finden, um ihre eigenen Wettbewerbsvorteile zu erhalten.

Es ist dieses Zusammenspiel von Faktoren, das unsere Wahrnehmung hinsichtlich recycelten Materials ändert und sicherstellt, dass wir effizient mit den 1,1 Milliarden Tonnen dieses Materials umzugehen lernen, das in ganz Europa bis 2020 generiert werden soll.

Ein weiterer indirekter Vorteil dieser proaktiven Vorgehensweise ist, dass mehr Menschen in den Sektoren Baustoffe und Recycling Arbeit finden werden. Nur wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen, können wir zeigen, dass diese Branche im 21. Jahrhundert angekommen ist und bereit ist, mehr zu tun als nur Dienst nach Vorschrift. Wenn wir uns für Nachhaltigkeit einsetzen und so das volle Potenzial von recyceltem Material ausschöpfen, gestalten wir die Zukunft unserer Branche erheblich attraktiver und innovativer. Nur so können wir relevant und überlebensfähig bleiben und zukunftsträchtige Innovationen sichern, damit unsere Branche weiterhin floriert und stark bleibt.


 

CDE Global ist ein international führender Anbieter von Nassaufbereitungsanlagen für Steinbrüche, Kiesgruben, Bergwerke und Recyclingbetriebe. Mit Hauptsitz in Nordirland entwickelt und konstruiert der Hersteller seit 2003 Spezialanlagen für den Baustoff- und Aushubrecyclingmarkt. Das Unternehmen unterhält unter anderem Geschäftsstellen in Kalkutta/Indien, São Paulo/Brasilien sowie in Nordcarolina/USA.   www.cdeglobal.com


 

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