Foto: Eco TLC

Frankreich: Erweiterte Herstellerverantwortung auch für Textilien, Schuhe und Möbel

Die Inverkehrbringer müssen für deren Entsorgung aufkommen. Und zwar durch die Zahlung eines festgelegten Betrags pro Stück an die hierfür bestimmte Sammel- und Entsorgungsorganisation. Dabei handelt es sich um Herstel­lerzusammenschlüsse.

Für den Bereich Bekleidung, Haushaltstextilien und Schuhe ist dies seit 2009 die französische Firma Eco TLC, an der 29 Unternehmen beteiligt sind. Der Auftrag an Eco TLC wurde im April 2014 für weitere fünf Jahre verlängert. Jüngeren Datums ist die geregelte Entsorgung von Altmöbeln in Frankreich. Sie wurden erst 2012 in die erweiterte Herstellerverantwortung mit aufgenommen. Beauftragt wurden zwei Herstellerverbünde: éco-mobilier für Altmöbel aus privaten Haushalten sowie für Betten jedweder Herkunft und Valdelia für Altmöbel aus professionellem Gebrauch (ohne Betten), also vorwiegend Büromöbel.

Die Quantifizierung erweist sich in dieser sehr gemischten Warenkategorie als nicht einfach. Bei der Deklaration gegenüber den Herstellerorganisationen werden daher Stückzahlen berücksichtigt. Eco TLC erfasste 2013 eine Gesamtzahl von 2,441 Milliarden Stück nach 2,409 und 2,435 Milliarden in den beiden Vorjahren 2011 und 2012. Die Zahl der Schuhe belief sich darunter 2013 auf 403 Millionen Paar, Haushaltstextilien schlugen mit 149 Millionen Einzelteilen zu Buche.

Sortierung nach vier Kategorien

Die Sammlung von Alttextilien und Schuhen erfolgt in Frankreich durch rund 150 verschiedene Organisationen, darunter Unternehmen, Vereine und karitative Einrichtungen. Die Altkleider können entweder bei den Institutionen selbst abgegeben werden, etwa bei den Standorten der Sozialeinrichtung Emmaus, oder an den 30.872 freiwilligen Abgabestellen (points d‘apport volontaire, PAV), meist Container an Supermarktparkplätzen oder vergleichbaren Standorten. In Einzelfällen nimmt auch der Bekleidungshandel Altwaren zurück.

Laut Eco TLC wurden 2013 in Frankreich insgesamt 159.300 Tonnen Alttextilien und -schuhe gesammelt, nach 149.000 Tonnen im Jahr zuvor und 146.000 Tonnen in 2011. Davon entfielen 43.000 Tonnen auf Vereine, 47.042 Tonnen auf professionelle Verwerter ohne eigene Sortierung und 69.258 Tonnen auf Verwerter, die gleichzeitig Sortieranlagen betreiben. Eine industrielle Sortierung nehmen in Frankreich circa 15 Organisationen oder Unternehmen in ungefähr 40 Anlagen vor. Dabei werden die Einzelteile den vier Kategorien Wiederverwendung (réutilisation), Verwendung als Wischlappen (essuyage), Recycling (nach Ausfaserung, effilochage) und Ausschuss zur Entsorgung (rebut à éliminer) zugeordnet.

Exporte vor allem nach Afrika

Der größte Teil der zur Wiederverwendung vorgesehenen Stücke geht nach Afrika, in geringerem Maße nach Asien und Osteuropa. Etwa zehn Prozent verbleiben in Frankreich. Dies betrifft vor allen die als neuwertig (crème) bewerteten Teile, die sich in Second-Hand-Läden oder auf Märkten wiederfinden. Die aus Alttextilien hergestellten Wischlappen werden vorrangig in der Industrie in Branchen wie Automobil, Druckerei, Maschinenbau oder Chemie eingesetzt.  Die nach der Ausfaserung erhaltenen Fasern werden hauptsächlich zu Filz oder Isolationsmaterialien verarbeitet. Solche Dämmmaterialien finden zum Beispiel bei der Schallisolierung in Autos, bei der Herstellung von Matratzen, im Gartenbau zur Befeuchtung oder in der Bauindustrie Verwendung. Die aussortierten Stücke werden Deponien oder der Müllverbrennung zugeführt, wo sich auch die etwa 470.000 Tonnen mit dem Hausabfall entsorgten Textilien wiederfinden.

Recyclingquoten von 45 und 75 Prozent angestrebt

Da die geregelte Sammlung und Entsorgung von Möbeln in Frankreich erst am ersten Mai 2013 begonnen hat, liegen hierzu noch keine detaillierten Daten vor. Insgesamt fallen pro Jahr schätzungsweise mehr als zwei Millionen Tonnen Altmöbel an, 600.000 Tonnen davon aus gewerblicher Nutzung. Nähere Regelungen bezüglich der zu erfassenden Möbelarten und ihrer Deklaration an die beiden Herstellerzusammenschlüsse enthält ein Erlass vom 5. August 2013. Ziel ist es, bis Ende 2015 eine Recyclingquote von 45 Prozent bei Möbeln aus privatem Gebrauch und 75 Prozent bei solchen aus Firmennutzung zu erreichen.

Für die Rückgabe von Altmöbeln aus Privathaushalten sind folgende Wege vorgesehen: Die Abgabe bei einer karitativen Einrichtung, um die Möbel direkt einer erneuten Verwendung zuzuführen. Die Entsorgung über eine der 4.500 kommunalen Abgabestellen. Die Kommunen erhalten hierzu von den Herstellerzusammenschlüssen spezielle Sammelcontainer. Die Organisationen übernehmen dann die Sortierung und die Entsorgung der Möbel. Außerdem besteht die Möglichkeit der Rückgabe bei einer Möbelverkaufsstelle. Die Rücknahme von Altmöbeln durch Möbelhäuser beim Kauf neuer Möbel ist nicht vorgeschrieben, wird aber von einigen Möbelhändlern bereits durchgeführt, vor allem in den Bereichen Betten und Matratzen sowie Küchenmöbeln. Die Entsorgungsorganisationen stellen hierzu auch spezielle Behälter für die Sammlung und den Abtransport zur Verfügung.

Hierarchisch geregelte Verwertung

Bei der Entsorgung von Altmöbeln aus Unternehmen ist die Menge maßgeblich: Ab 2,4 Tonnen oder 20 Kubikmetern stellt Valdelia kostenlos einen Container für den Abtransport bereit. Mit der Entsorgung kleinerer Mengen kann entweder ein Unternehmen beauftragt werden, das neue Möbel anliefert, andernfalls müssen sie an einer der kommunalen Abgabestellen abgeliefert werden. Daneben besteht auch hier die Möglichkeit, sich an eine soziale Einrichtung zu wenden.

Bei der Verwertung ist eine gewisse Hierarchie zu beachten. An erster Stelle steht dabei die Wiederverwendung der Möbel, eventuell nach erfolgten Instandsetzungen. Für das Recycling ist zunächst die Sortierung nach Materialgruppen wie Holz, Metall, Stoff und Kunststoff notwendig, bevor diese zu neuen Materialien verarbeitet werden können. Das verbleibende Material wird der Verbrennung zugeführt, möglichst mit gleichzeitiger Energiegewinnung.

Verfasser: Marcus Knupp
Quelle: Germany Trade & Invest

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