Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de

Wird die Qualität des Rohstoffs Altpapier schlechter?

Diese Frage beantwortete Referent Josef Augusta (Austria Papier Recycling) auf dem INGEDE-Symposium 2015 in München mit einem klaren „Ja“. Für die deinkende Papierindustrie ist die Herstellung hochwertiger neuer grafischer Papiere aus dem Rohstoff Altpapier zu einer permanenten Herausforderung geworden. 

Etwa siebzig Branchenvertreter, Mitglieder wie Nichtmitglieder der Vereinigung, fanden sich zu der Fachtagung im Haus der Bayerischen Wirtschaft am 11. Februar ein, um darüber zu diskutieren, wie sich das Deinking – die Druckfarben-Entfernung als Schlüsselprozess im Altpapierrecycling – qualitativ-effizient aufrechterhalten lässt. Und das zu ökonomisch und ökologisch vernünftigen Rahmenbedingungen. Denn die Zusammensetzung des Rohstoffs Altpapier wird immer komplexer, erweist sich die Trenntechnologie angesichts der weiter wachsenden Vielfalt an Altpapiersorten oft als überfordert. Auch ist der Kostendruck auf der Rohstoffseite wegen gestiegener Altpapierpreise enorm. Für viele Kommunen ist es dabei offensichtlich verlockend, über hohe Erlöse aus der Papiersammlung die Abfallentsorgung insgesamt quer zu subventionieren. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz in Deutschland hat zudem die lokale Sammlung durch private Unternehmen und karitative Organisationen erschwert.

Ulrich Höke eröffnete die Vortragsreihe mit einem Überblick über die Aktivitäten der Internationalen Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik e.V. So stellte der Vorsitzende der INGEDE einleitend fest, dass sich im europäischen Markt für Zeitungs- und Zeitschriftenpapiere eine dramatische Veränderung vollzieht und die Lage weiter zuspitzt. Jedes Jahr und für die letzten vier, fünf Jahre gesprochen verliert dieses Segment etwa fünf Prozent an Marktvolumen. Die aktuell 29 Mitgliedsbetriebe (vor allem deinkende Papierfabriken) in der 1989 gegründeten Vereinigung, die längst mehr als nur eine Forschungsgemeinschaft ist und auch die wirtschaftspolitischen Interessen der Branche in Berlin und Brüssel vertritt, haben mit der Konkurrenz der digitalen Medien zu kämpfen. Sie verzeichnen deutliche Verluste, und es bleibt abzuwarten, wann und wo die Talfahrt zu Ende ist. Weil folglich weniger Altpapier anfällt, setzt die Industrie folglich weniger Altpapier ein. Derweil sind es bei den INGEDE-Mitgliedern rund acht Millionen Tonnen im Jahr. Schon einige Branchenunternehmen haben aufgegeben, wurden verkauft oder ganz geschlossen.

Print hat durchaus Zukunft

Trotz dieses anhaltenden Negativtrends glaubt Höke an eine Zukunft für Print, werden Zeitungen und Zeitschriften weiterhin ihre Leser haben. Das trifft wohl zu – und bei Büchern als klassischem Printprodukt stellt sich gar nicht erst das Problem, wie die Besucherströme zu den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig jedes Jahr aufs Neue beweisen. Der Medienwald verliert zwar immer wieder Blätter, aber er lichtet sich nicht wirklich. Wenngleich sich allgemein das Leseverhalten verändert hat und audio-visuelle Medien weiter an Marktanteilen gewinnen, gibt es dennoch und gerade bei der 40-Plus-Generation als vielleicht letzter großer Lesegeneration unserer Zeit Bedarf an „haftenden“, gehaltvollen Informationen, wie sie bis heute eigentlich nur die Zeitungen und Zeitschriften bieten können. Das Internet als „Kurzzeitmedium“, das nur durch seine Schnelligkeit in der Verbreitung hauptsächlich von Meldungen punktet, ist für die Verlage kaum die Alternative, die benötigte Umsätze bringt. Warum fundierte journalistische/wissenschaftliche Recherche im Netz verschenken, wenn der Online-Interessent nicht bereit ist, für diese Leistung extra zu zahlen? Auf einem Kongress Ende 2013 räumten die Vertreter der großen Verlagshäuser ein, den Aufstieg des Internets nicht ernst genommen und die Entwicklung verschlafen zu haben.

Hinzu kommt die Tatsache, dass über Printmedien gestreute Werbung nach wie vor mehr Aufmerksamkeit erzielt und daher erfolgreicher zu bewerten ist, weshalb die Agenturen und deren Kunden weiterhin auf dieses Pferd setzen. Fernsehwerbung bleibt außen vor, ein Argument für die Verlage, an Zeitungen und Zeitschriften festzuhalten. Ohne Werbeträger ist kein Medium finanzierbar. Der Traum der New Economy, dass das Internet Werbeeinnahmen auf Dauer nur so sprudeln und von den alten Medien abziehen lässt, erfüllte sich nicht.

Gegen die „trockene“ Wertstofftonne

Für Ulrich Höke und die INGEDE ist die quantitative Verfügbarkeit von hohen Rohstoffqualitäten ein zentrales Thema (Foto: Marc Szombathy)

Für Ulrich Höke und die INGEDE ist die quantitative Verfügbarkeit von hohen Rohstoffqualitäten ein zentrales Thema (Foto: Marc Szombathy)

Bezüglich der Lobbyarbeit der INGEDE führte Ulrich Höke aus, dass die quantitative Verfügbarkeit von hohen Rohstoffqualitäten ein zentrales Thema ist: Die Qualität von Altpapier beginne mit der sortenreinen, getrennten Sammlung. „Wir sind strikt gegen die Einführung einer Wertstofftonne für alle sogenannten trockenen Abfallfraktionen: Glas, Papier-Pappe-Karton (PPK) und Leichtverpackungen, also auch Getränkedosen“, erklärte Höke. „Solche Dosen sind niemals ganz trocken, sie enthalten Bier- oder Cola-Reste, die leicht auslaufen können und dadurch das Altpapier verunreinigen.“ In weiten Teilen Englands sind derartige Tonnen bereits aufgestellt worden. Polen könnte demnächst folgen. Die Vereinigung versucht, das zu verhindern. Grafische Papiere sollten dagegen separat von Verpackungspapieren gesammelt werden, um hochwertige Ware für die Papierhersteller generieren zu können. Anders als bei der Gemischtsammlung über die Blaue Tonne – braune und weiße Ware mit einem steigenden Anteil an Verpackungspapieren – wird die sortenreine und eigens
bezeichnete  „Alternative Erfassung“ schon in Skandinavien, hier und da in einigen osteuropäischen Ländern und zum Beispiel im deutschen Bundesland Sachsen praktiziert. Mit angeblich guten Ergebnissen. Doch gibt es dem Vernehmen nach nationalpolitische Bestrebungen, das von der INGEDE initiierte und organisierte System zu zerschlagen. In Deutschland leistet dazu das Kreislaufwirtschaftsgesetz Vorschub: Seit Inkrafttreten sind private Sammler zugunsten kommunaler aus dem Markt gedrängt worden, findet vielerorts in der Bundesrepublik kein fairer Wettbewerb mehr statt. Die Kommune als der bessere Sammler, Sortierer, Recycler und überhaupt bessere Unternehmer? Das darf, laut mehrheitlicher Branchenmeinung, einmal mehr und zu Recht bezweifelt werden!

Was zuletzt erreicht werden konnte  

Die Forschungsaktivitäten der Vereinigung und ihrer Mitglieder beschäftigen sich mit den sich laufend ändernden technischen Anforderungen bei der Rezyklier- und Deinkbarkeit von grafischen Altpapieren sowie bei der Abtrennbarkeit von Klebstoff-Applikationen entlang der Prozesskette. Dabei konnte die INGEDE die Revision der Europäischen Altpapiernorm EN 643 erreichen – allerdings nicht, dass die wachsende Anzahl von derzeit 63 Altpapiersorten verringert wird. Die Verhandlungen gestalteten sich ohnehin zäh. Als Erfolg verbucht die Vereinigung, dass sich die Forderung nach einer Erhöhung des Feuchtigkeitsgehalts von zehn auf zwölf Prozent nicht durchsetzen konnte. Die deinkenden Papierfabriken müssten in diesem Fall zwei Prozent mehr Wasser aufwenden.

Im letzten Jahr sind die Ingede-Methoden zur Bewertung der Deinkbarkeit von Druckprodukten, wie sie weltweit im Einsatz sind, überarbeitet worden. Aus der „Methode 11“ zur Bewertung der Rezyklierbarkeit von Druckerzeugnissen (Prüfung der Deinkbarkeit) ist eine Deinking Scorecard entstanden – verabschiedet von dem Europäischen Altpapierrat (ERPC-European Recovered Paper Council). Inzwischen gibt es auch eine Scorecard über die Entfernbarkeit von Klebstoff-Applikationen, die aber ergänzt werden muss, unter anderem um wasserlösliche Klebstoffe. Die Scorecards sind mit in die Kriterien für verschiedene Umweltzeichen eingegangen.

„Man muss Qualität fordern“

„Die Einheitstonne für trockene Wertstoffe scheint ein einfacher Weg zu sein, Recyclingquoten künstlich hochzudrücken“, konstatierte Josef Augusta (Foto: Marc Szombathy)

„Die Einheitstonne für trockene Wertstoffe scheint ein einfacher Weg zu sein, Recyclingquoten künstlich hochzudrücken“, konstatierte Josef Augusta (Foto: Marc Szombathy)

„Alles, was wir tun, um Druckprodukte besser deinkbar zu machen, dient dazu, dass wir in unseren Werken weniger Chemikalien, Wasser und Energie einsetzen müssen. Man muss die Qualität, wie wir sie brauchen, fordern und quantitativ festigen,“ fasste Ulrich Höke das Engagement der INGEDE zusammen, und verwies noch auf den „leidlichen“ Trend, Postwurf-Werbesendungen in hauchdünne Plastikfolien zu verpacken beziehungsweise zu verschweißen: Über die Haushaltsammlung gelangen diese Info-Blätter oft samt Verpackungsfolie in den Altpapier-Rücklauf und dann in die Werke. Beim Recycling bereiten sie mitunter Probleme. Zwar ist die Entwicklung effektiver Trennlösungen durchaus fortgeschritten, doch gilt es, diese Ressourcenverschwendung grundsätzlich zu vermeiden: Verpackungsfolien aus Kunststoff sind zumeist nicht wirtschaftlich rezyklierbar und landen daher meistens in der Verbrennung.

Jori Ringman von der CEPI-Confederation of European Paper Industries stellte im Anschluss das Projekt „Mainstream on Circular Economy“ vor. Im Kern zielt es darauf, unter aktiver Beteiligung aller Branchenunternehmen einer „Closed Loop“-Rohstoffwirtschaft den Weg zu ebnen, Lücken im Kreislaufsystem zu schließen und Ressourcen zu schonen, Innovationen anzustoßen und geschäftsorientiert voranzutreiben. Drei „Flagship Delivery Projects“ wurden dazu 2014 gestartet: eine globale Plastikverpackungs-Roadmap, ein Eco-Design für Papier und ein Asset-Tracking. Die Projekte laufen noch bis Ende dieses Jahres und sollen im Januar 2016 in Davos den CEOs internationaler Industrien präsentiert werden. Erarbeitet werden hier Leitfäden und Scorecards, um die Mengengenerierung von rezyklierfähigen Produkten zu optimieren und Recyclingprozesse insgesamt qualitativer und effizienter zu gestalten. Weitere Detailinformationen unter  www.cepi.org

Altpapier weist mehr Verunreinigungen auf

Zur Qualität von Altpapier aus Sicht der Einkäufer folgte ein Beitrag von Josef Augusta, Geschäftsführer der APR-Austria Papier Recycling GmbH: ein Gemeinschaftsunternehmen österreichischer Papierfabriken für die Beschaffung des Rohstoffs Altpapier mit Sitz in Wien und Bruck an der Mur, Steiermark. Für den Experten geht vom Haushalt ein wichtiger Schritt aus, damit Altpapier von Güte generiert werden kann: „Grundverantwortlich, dass die Dinge in die richtige Schiene kommen, ist der Verbraucher, der Papier als Abfall überlässt. Er ist über sein Trennverhalten der erste Produzent.“ Eine geringere Rolle spiele der Abholer/Sammler, der eigentlich und plakativ gesagt nicht viel mehr tun könne, als den Inhalt der entleerten Haushaltstonnen von A nach B zu transportieren und hier gegebenenfalls Auffälligkeiten an die zuständige Kommune zu melden. Die Altpapierqualität und deren Deinkbarkeit misst sich dann natürlich am Output der Sortierbetriebe.Und wird die Qualität des Rohstoffs Altpapier, wie oft zu hören ist, tatsächlich schlechter? „Ja. So ist zu beobachten und anhand der Ingede-Methoden nachweisbar, dass sich der Anteil an Verunreinigungen allein in der Deinkingware 1.11.00 in letzter Zeit erhöht hat“, bestätigte Augusta. „Und das, obwohl viele Millionen Euro in moderne Sortiertechnologien investiert wurden. Auch wurden neue Drucktechnologien wie Inkjet und Beschichtungsverfahren entwickelt, die das Deinking erschweren und sich im Prozess negativ auswirken können.“ Die Flut an Anweisungen und Verordnungen – was gehört in welche Tonne, was nicht – überfordere und verunsichere in vielen messbaren Fällen die Verbraucher. Auch könne sich der umweltbewusste Verbraucher nicht sicher sein, was mit seinen sauber getrennten Abfällen nach Wertstofffraktion hernach geschieht. Siehe Gelber Sack: Der umweltbewusste Verbraucher wird hier regelrecht desinformiert, im Unklaren gelassen, getäuscht. Denn der Großteil der Kunststoffabfälle aus der Haushaltssammlung wird nicht stofflich recycelt, sondern als Ersatzbrennstoff energetisch verwertet. Weshalb sich noch die Mühe machen, Kunststoffe von anderen Abfallfraktionen zu trennen und nicht stattdessen getrost in den Restmüll zu kippen, mag mancher sich hier fragen.

Single-Stream ist der falsche Weg

„Wir müssen anfangen, in mehr als nur einem Kreislauf zu denken“, gab Almut Reichart zu bedenken (Foto: Marc Szombathy)

„Wir müssen anfangen, in mehr als nur einem Kreislauf zu denken“, gab Almut Reichart zu bedenken (Foto: Marc Szombathy)

Die Zero-Waste-Politik der Kommunen sieht Josef Augusta kritisch, insbesondere was die Tendenz zur Einführung von Single-Stream-Sammelsystemen in Europa angeht: „Die Einheitstonne für trockene Wertstoffe scheint ein einfacher Weg zu sein, Recyclingquoten künstlich statistisch hochzudrücken.“ Zumal konventionelle Statistiken beziehungsweise deren Erhebungsmethoden ohnehin eine Reihe von mathematischen Unsicherheiten aufwiesen und folglich keine verlässliche Orientierungs- und Entscheidungshilfe im Abfallmanagement und zur Lösung dort auftretender Probleme darstellten. Bei der gemeinsamen Erfassung über eine Einheitstonne bliebe außerdem die Qualität auf der Strecke; ein Materialverlust an hochwertigem Altpapier sei vorprogrammiert. Dem auf einzelne Fraktionen spezialisierten Sortierbetrieb stünde ein Mehraufwand ins Haus, um dem Abnehmer weiterhin sortenreine, weitestgehend von Störstoffen befreite, rezyklierbare Materialien bieten zu können. Er müsste umdenken, extra Aufbereitungslinien fahren, was mit einigen Investitionen verbunden wäre.

Ob sich diese Kosten dann im Endeffekt rechnen, sei fraglich und richte sich nach dem kaufmännischen Grundsatz von Angebot und Nachfrage. So dürften die Warenanlieferungen, auf die der Sortierbetrieb letztlich keinen Einfluss hätte, unterschiedlich gemischt ausfallen und daher nicht immer die benötigen Einzelmengen bringen, die ein Kunde in der Produktion gerade braucht. Wirtschaftlich sei das nicht. Josef Augusta ist daher überzeugt, dass Single-Stream-Sammelsysteme das Ziel der EN 643 konterkarieren. Recyclingqualität sei darüber nicht zu erreichen – im Gegenteil: einen höheren Anteil an Störstoffen im Output zulasten nachgeschalteter Qualitätsprozesse bei der Herstellung von Neupapieren.

Ein neues Umweltzeichen

Vor der Mittagspause informierte Almut Reichart vom deutschen Umweltbundesamt noch über den „Blauen Engel für Druckerzeugnisse“ (RAL UZ 195). Das neue, freiwillige Umweltzeichen will Verlage und Druckereien motivieren, Druckprozesse auszuwählen, die weniger Ressourcen verbrauchen, hochwertiges Recycling ermöglichen, geringere Emissionen verursachen und mit kleineren Abfallmengen verbunden sind. Angenommen wird, dass in Zukunft mehr und mehr Rohstoffe aus zertifiziert nachhaltigem Anbau verfügbar sind, die für die Druckfarben- und Reinigungsmittelhersteller mit vertretbarem ökonomischen Aufwand eingesetzt werden können. Die Kriterien umfassen die Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen beim Headset-Rollenoffset-, Bogenoffset- und Coldset-Rollenoffset-Druckverfahren sowie Anforderungen an die chemische Zusammensetzung von diversen Tinten, Tonern, Druckfarben und Lacken, Lösemitteln, Druck-Hilfsstoffen etc. „Wir müssen anfangen, in mehr als nur einem Kreislauf zu denken“, gab Almut Reichart in ihrer Präsentation zu bedenken: www.blauer-engel.de

Welche Lösungen bieten sich an?

Erläuterte die Revision der Deinking Scorecard: Andreas Faul von der INGEDE (Foto: Marc Szombathy)

Erläuterte die Revision der Deinking Scorecard: Andreas Faul von der INGEDE (Foto: Marc Szombathy)

Moderiert von Johann Oberndorfer, UPM Research und Mitglied im INGEDE-Vorstand, beschäftigte sich die zweite Gesprächsrunde am Nachmittag mit „Konfliktfeldern“ bei Sammlung, Sortierung und Recycling beziehungsweise Deinking von Altpapier und wie sich technisch und logistisch Lösungen zur Optimierung, qualitativen und quantitativen Erfassung, Überwachung, Rückverfolgung von Altpapier-Stoffströmen erzielen lassen – auch mittels webbasierter Software-Tools wie dem auf dem Symposium von Daniele Bussini (Innovhub) vorgestellten „Sustainability Calculator“ für Papierprodukte.

Weitere Gastreferenten waren hier Mija Sežun, Pulp and Paper Paper Institute Ljubljana, Roland Zelm von der Technischen Universität Dresden und Hans Joachim Putz von der Technischen Universität Darmstadt, der die Testmethode EPL 1 in Auszügen erläuterte: EPL steht für das von der Europäischen Union unterstützte Projekt „Eco Paper Loop“ zur Förderung der Qualität beim Papierrecycling. Mit der Testmethode ELP 1 lässt sich herausfinden, ob ein Papier-Verpackungsprodukt rezyklierbar ist. Sie dient nicht zur Bewertung einer bestimmten Altpapiersorte und ist auch nicht für grafische Papiere anwendbar. Eine ausführliche Beschreibung der Testmethode auf Englisch kann im Internet unter www.ecopaperloop.eu heruntergeladen werden.

Es ist nicht leichter geworden

Was hat sich durch die Revision der Deinking Scorecard verändert? Das zeigte Andreas Faul von der INGEDE in der dritten und letzten Session der Fachtagung. Als wichtigste Neuerung wurde der Helligkeits-Schwellenwert bei hochweißen, üblicherweise holzfreien Papieren mit wenig Druckfarbenbelegung nach oben angepasst. Der Zielparameter bei der Faserausbeute wurde auf ein Minimum von 65 Prozent definiert, um die Flotationszeit zu reduzieren. Des Weiteren sind die einzelnen Produktkategorien bei den Illustrierten zur besseren Unterscheidung neu bestimmt worden. In Bearbeitung sind mit den Worten von Andreas Faul noch „Befreiungen von Deinkbarkeitstests“. Zusammen mit dem Europäischen Altpapierrat wird derzeit der Scorecard-Anhang überarbeitet.

Über aktuelle Studien und Forschungsprojekte zum Thema Deinking berichteten zu guter Letzt David Croll, Océ Printing Systems, und Johannes Kappen, PTS München. Zu nennen sind die  „DDPA Ink Study“ zur Deinkbarkeit von Inkjet-Druckerzeugnissen, das in Vorbereitung befindliche Projekt „Deinking Process Water“ und das „Nahinfrarot-Chemical-Imaging-Messverfahren für die Papieranalyse“. Die hier entwickelten Messmethoden und Vorgehensweisen ermöglichen, Partikel und Substanzen in großen Papierflächen (größer A3) in hoher örtlicher Auflösung zu detektieren, zu identifizieren und deren Verteilung zu bestimmen und zu bewerten. Integriert werden die Mess- und Auswertemethoden in das multi-spektrale Analysesystem „DOMAS multispec“. Das INGEDE-Symposium 2015 in München verabschiedete die Teilnehmer mit der Erkenntnis: „Es ist nicht leichter geworden, bessere Antworten als in den letzten Jahren zu bekommen.“

Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de

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