Schrottmarktbericht März 2015: Markt unter Spannung bei stabiler Nachfrage

Im Berichtsmonat Februar gab es international überraschende Ereignisse, die die Entwicklung auf dem deutschen und europäischen Schrottmarkt beein­flussten. So ging durch den US-Schrottmarkt am Monatsanfang eine Schockwelle, weil Werke begannen, ihre Einkaufspreise um 50 bis 70 US-Dollar pro Tonne nach unten zu korrigieren. Die dann einsetzende panische Lieferbereitschaft der Händler führte letztendlich zu Preisabschlägen von bis zu 110 US-Dollar pro Tonne. In den USA haben unter anderem das starke Überangebot an Neuschrott, fehlende Exportmöglichkeiten sowohl von Ost- als auch Westküste, der starke Dollar, der unter Druck stehende Stahlmarkt, eine schwächere Schrottnachfrage und nachgebende Roheisenpreise zu diesem drastischen Preisrückgang geführt. Gegenüber den türkischen Abnehmern senkten die US-Exporteure seit Anfang Februar die Preise schrittweise um bis zu 70 US-Dollar pro Tonne.

Die europäischen Schrottexportpreise für Lieferungen in die Türkei sanken dadurch ebenfalls um 75 bis 85 US-Dollar pro Tonne. Die Situation auf dem heimischen Markt stellte sich anders dar, denn die deutsche Stahlindustrie ist nach wie vor relativ gut ausgelastet und der Schrottbedarf der Elektrostahlwerke zufriedenstellend. Bis dato waren Angebot und Nachfrage eher im Einklang als in einer Schieflage. Die deutschen Verbraucher agierten daher vorsichtiger und senkten letztendlich die Preise – je nach Werk, Sorte und Preisniveau im Januar – um 10 bis 25 Euro pro Tonne. Die Abschläge für Neuschrott lagen am unteren Ende der Spanne und die für Späne und Altschrott am oberen. Über alle Sorten bildete sich für Deutschland ein einheitliches Preisbild heraus. Ein Eindruck, der sich durch das Ergebnis der letzten Ausschreibung einer kleinen Menge im Westen Deutschlands verfestigte.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Wie aus Marktkreisen verlautete, konnten sich insbesondere die ostdeutschen Verbraucher nicht komplett mit den gewünschten Mengen eindecken, da dort das Altschrottangebot spürbar geringer war als die Nachfrage. Der Handel sprach zudem von insgesamt holprigen Verkaufsverhandlungen am Anfang des Monats, weil einige Werke die Preisabschläge schrittweise erhöhten und der drastische internationale Preisverfall Unsicherheit schürte. Letztendlich war der Mengenfluss zu den Werken trotz der Preisreduzierungen gut. Schwieriger gestaltete sich dagegen die Schrottbeschaffung. Die Preisabschläge haben das Sammelaufkommen an Altschrott und dessen Zufluss zu den Lagern erwartungsgemäß negativ beeinflusst. Darüber hinaus besteht ein in den Wintermonaten traditionell geringeres Aufkommen an Abbruchschrotten. Zudem bildete sich ein relativ hohes Nachfragevolumen im Handelsmarkt durch notwendig gewordene Eindeckungen für zu erfüllende Altverträge sowie durch die Beschaffung laufender Vertragsmengen. Marktteilnehmer äußerten sich dahingehend, dass dadurch der Verdrängungswettbewerb nochmals an Intensität zugenommen habe.

Nachbarländer
Die italienischen Verbraucher versuchten mit Abschlägen je nach Sorte und Werk von 5 bis 12 Euro pro Tonne ihren Bedarf bei ausländischen Lieferanten zu decken. Ob dies komplett gelungen ist, scheint zweifelhaft, da bei Redaktionsschluss noch Schrott gesucht wurde. In Frankreich, Belgien und den Niederlanden senkten die Verbraucher die Einkaufspreise gegenüber dem Vormonat um 15 bis 20 Euro pro Tonne, in Luxemburg für bestimmte Sorten um bis zu 25 Euro pro Tonne. In der Schweiz hat die Freigabe des Wechselkurses im Februar zu deutlichen Preissenkungen der Werke gegenüber den inländischen Lieferanten geführt. Ausländischen Lieferanten wurden die Preise um 15 bis 20 Euro pro Tonne gekürzt. Polnische und tschechische Lieferanten mussten die gleichen Abschläge wie die deutschen Abnehmer akzeptieren. Nach anfänglichem Zögern stieg deren Lieferleistung wieder an.

Drittlandsmarkt
Die deutlichsten Reduzierungen gab es in den USA bei den Neuschrottpreisen. Die türkischen Werke mit Bedarf nutzten wie oben bereits erwähnt diese Phase und konnten in den USA Preisreduzierungen für die Sorte HMS 1/2 (80:20) von über 60 US-Dollar pro Tonne durchsetzen. Da der nominelle Exportpreis für die Anbieter vom Kontinent unter dem vergleichbaren Inlandspreisniveau liegt, zogen sich fast alle Exporteure vom Markt zurück. Der europäische Schrottmarkt war so fest, dass er bei den Preisvorstellungen der türkischen Verbraucher uninteressant war. Seit Anfang Februar haben sich zumeist mittelgroße türkische Stahlwerke mit rund 700.000 Tonnen Schrott überwiegend aus den USA und dem Vereinigten Königreich versorgt. Auch wenn die dortigen Werke aufgrund der schwierigen Absatzlage im Neustahlbereich und dem harten Wettbewerb vor allem mit chinesischen Anbietern ihre Produktion im Januar um rund 10 Prozent gekürzt haben, dürfte die Schrottbevorratung einiger Werke knapp sein.

Gießereien
Wie aus Handelskreisen zu erfahren war, agierten die Gießereien in der Regel vorsichtig. Kurzarbeit oder Feierschichten sind mittlerweile auch für die Zulieferer des Maschinenbaus keine Fremdworte mehr. Je nach Produzent war daher die Schrottnachfrage unterschiedlich. Der Preisrückgang für frei verhandelte Mengen hat sich nach Angaben aus dem Handel bei 5 bis 12 Euro je nach Sorte und Verbraucher bewegt. Immer kritischer sieht der Schrotthandel die Tatsache, dass der Erlöspreis für bestimmte Sorten im Stahlwerk und in der Gießerei identisch ist. Die mangelnde Preisdifferenzierung entzieht den Gießereien Material, sodass Engpässe bei der Versorgung nicht auszuschließen sind. Ebenso beklagten Händler, dass Gießereien immer häufiger auf die für sie günstigen Lieferantenkredite durch einseitige Zahlungsziel-Verlängerungen zurückgreifen. Es handelt sich hierbei um ein immer beliebter werdendes Finanzierungsinstrument aller Verbraucher auf Kosten des Handels.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Roheisen ist nach wie vor aus Russland zu beziehen. Durch den schwachen Euro haben sich die bisher nur leicht gefallenen Preise noch nicht positiv ausgewirkt. Obwohl in Brasilien die Preise zu rutschen beginnen, ist es fraglich, wie weit und wie schnell sich das auf die russischen und ukrainischen Anbieter auswirken wird. Insbesondere haben die ukrainischen Hersteller Probleme mit der Produktion, weil sie unter den Folgen von Kriegshandlungen leiden, sei es durch Beschuss oder mangelnde Rohstoffversorgung.

Aussichten
Für jede Richtung, in die sich die Schrottpreise im kommenden Monat bewegen könnten, gibt es Gründe. Aus der Sicht des Schrotthandels wird der Bedarf der Werke auch im kommenden Monat gut sein, da das Frühjahr zum Beispiel den Baustahlherstellern, wie es aussieht, gefüllte Auftragsbücher beschert. Die Anzahl an Produktionstagen ist im März höher, als sie im Januar oder Februar waren. Damit könnte der Schrottpreis stabil bleiben oder sogar etwas steigen. Bei Berücksichtigung der Abhängigkeiten im internationalen Schrottgeschäft liegt das Preisniveau im Inland über dem des Exports; außerdem ist der Preisdruck im internationalen Markt hoch und der Widerstand gegen die Preissenkungen im Februar war verhalten. Von daher ist eine abwärtsgerichtete Anpassung ebenso möglich. Welche preisbildenden Faktoren im kommenden Monat ausschlaggebend für den Gleichgewichtspreis sein werden, ist noch unklar. Die Stahlhersteller versuchen ihre Absatzpreise stabil zu halten, während die Stahlverbraucher Bestellungen hinauszögern, weil sie vom internationalen Preisdruck profitieren wollen. Die alte Faustformel: Höhe des Schrottpreises = 3 x Höhe des Erzpreises funktioniert seit längerem nicht mehr, weil dazu der Schrottbedarf der Verbraucher zu hoch ist. Gerade hier in Europa ist das Produktionsprogramm zwischen den Elektrostahlwerken und den integrierten Werken recht unterschiedlich und nicht ohne weiteres austauschbar.

Redaktionsschluss 20.02.2015 / BG-J/bvse

(EUR0315S32)