Schrottmarktbericht April 2015: Fester Verkäufermarkt

Unveränderte Preise sowie Abschläge bis zu zehn Euro pro Tonne in Abhängigkeit von den abnehmenden Werken bestimmten offiziell den deutschen Schrottmarkt im Berichtsmonat März. Im Laufe des Monats tendierte der Markt aus verschiedenen Gründen fester, und je später im Monat ein Werk Schrott einkaufte, desto besser die Verhandlungsposition des Verkäufers. Für den sich festigenden Verkäufermarkt gab es verschiedene Gründe: Der noch bis zur 11. Kalenderwoche schwächelnde Euro, eine gute Nachfrage türkischer Verbraucher in Europa und eine im Markt spürbar hohe Nachfrage der inländischen Werke, sowie noch einzudeckende und dadurch marktverzerrend wirkende Altverträge und die Bemühungen der Verbraucher, ihre Feiertagsversorgung sicherzustellen, haben bei mehreren Werken zu einer angespannten Versorgungslage geführt.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Deutlich spürbar ist bundesweit der Mangel an Altschrott, und zwar sowohl an leichtem als auch schwerem Material. Vermehrt berichtete der Handel darüber hinaus von einem sinkenden Neuschrottentfall insbesondere im Maschinenbausektor. Logistische Probleme sowohl bei den Anbietern als auch bei den Nachfragern belasteten die Lieferleistung zusätzlich, da der Trend zur Beschaffung just in time sowohl bei den Abnehmern als auch den großen Anbietern schnell zu Engpässen führen kann. Das tatsächliche Marktgeschehen nahm zudem keine Notiz vom weiter fallenden Erzpreis. Das führt jedoch dazu, dass die Schrottkosten die Verkaufspreise vieler Fertigstähle belasten. Marktteilnehmer äußerten sich zudem über die regional sehr unterschiedlichen Möglichkeiten zur Schrottbeschaffung.
Nachbarländer

Die italienischen Verbraucher konnten für den Berichtsmonat März die angestrebten Preisabschläge bei der Schrottbeschaffung nicht durchsetzen. Gegenüber den ausländischen Lieferanten lagen die Abschlüsse bei guter Nachfrage am Monatsanfang bei unveränderten bis leicht rückläufigen Preisen gegenüber dem Vormonat. Für die italienischen Stahlwerke gestaltete sich die ausreichende Belieferung im März genauso spannend wie für die deutschen Verbraucher. Zu weitgehend unveränderten Preisen versuchten die Verbraucher in Luxemburg, Frankreich, Belgien und den Niederlanden ihren Märzbedarf einzudecken. Unveränderte Preise wurden zudem aus Österreich und der Schweiz gemeldet. Der Lieferwillen der Anbieter war zwar durchaus vorhanden, die eingeschränkten Liefer- und Beschaffungsmöglichkeiten bekamen jedoch auch die Verbraucher in der Schweiz zu spüren. Wegen der guten Beschäftigungslage der Werke in Polen und Tschechien war der Schrottzulauf aus diesen Ländern im März eher übersichtlich. Hinzu kam, dass sowohl der polnische Zloty als auch die tschechische Krone im Berichtsmonat recht fest waren und die Exportbereitschaft dämpften.

Drittlandsmarkt

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Verlangen nach Schrott zeigten türkische Verbraucher in der ersten Märzhälfte. Laut internationaler Presse kauften sie rund 800.000 Tonnen Schrott hauptsächlich im Baltikum, im Vereinigten Königreich und auf dem Kontinent. Die US-Lieferanten kamen kaum zum Zuge, da die europäischen Mitbewerber wegen des bis zur 11. Kalenderwoche schwachen Euros sowie günstigeren Frachtraten preisflexibler reagieren konnten. Die Anbieter aus dem Baltikum wussten ihre Währungsvorteile ebenfalls zu nutzen. Seit dem 13. März haben sich die türkischen Verbraucher vom Markt zurückgezogen, weil sie ihren Aprilbedarf weitgehend gedeckt haben. Türkische Abnehmer signalisieren, zu niedrigeren Preisen kaufbereit zu sein. Die Anbieter warten lieber ab, da die Märkte in der EU fest sind, die Lage in den Exportlägern der US-Ostküste wegen schwierige Witterungsverhältnisse angespannt ist, der Euro sich gegenüber dem US-Dollar gerade wieder erholt und die Frachtraten von Europa aus leicht anziehen. Welchen Einfluss die schwierigen Absatzbedingungen der Fertigstahlhersteller haben werden, wird die nächste Verhandlungsrunde zeigen.

Gießereien

Bei einigen Gießereien hat sich die Auftragslage etwas entspannt. Insbesondere Gießereien, die für Windkraftanlagen und die Automobilindustrie produzieren, hatten laut Informationen aus Handelskreisen einen höheren Bedarf als im Vormonat. Die Preise von Abnehmern ohne Preisbindung waren weitgehend unverändert, wobei diejenigen, die früh abgeschlossen hatten, günstiger als im Vormonat einkaufen konnten. Das weggebrochene Russlandgeschäft hinterlässt bei immer mehr Gießereien, aber auch Maschinenbauern seine tiefen Spuren.

Das aktuelle Marktbild lässt kaum einen Freiraum für ernstzunehmende Gedankenspiele hinsichtlich der weiteren Entwicklung zu. Mehr Klarheit erhoffen sich die Marktteilnehmer im kommenden Berichtszeitraum.

Redaktionsschluss 23.03.2015, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

(EUR0415S36)