Elektroaltgeräte-Entsorgung in Frankreich macht Fortschritte

Bis 2019 muss sich die Recyclingquote ungefähr verdoppeln, um die verschärften EU-Anforderungen zu erfüllen.

Gegenwärtig werden landesweit nur sieben von geschätzten 21 Kilogramm pro Person und Jahr der auf den Markt gebrachten Elektroaltgeräte einer geregelten Wiederverwertung zugeführt. Bis 2016 soll der Anteil auf 45 und bis 2019 auf 65 Prozent steigen. Im Jahr 2013 wurden in Frankreich 622 Millionen elektrische und elek­tronische Geräte in Verkehr gebracht – rechnerisch 1,55 Millionen Tonnen potenzielle Abfälle. Für die nächsten Jahre ist von einem weiteren Anstieg auszugehen. Von der Gesamtzahl entfielen 559 Millionen Geräte auf Anschaffungen der privaten Haushalte. Jeder Einwohner erwarb damit im Durchschnitt 8,5 Geräte im Jahr.

Die gesammelte Menge elektrischer und elektronischer Altgeräte war 2013 um zwei Prozent höher als 2012. Etwa die Hälfte der 478.901 Tonnen entfiel auf Haushaltsgeräte, deren Sammlung in Gewichtseinheiten gemessen in den letzten Jahren zunimmt, während sie bei IKT und Unterhaltungselektronik stagniert. Die größten prozentualen Zuwächse gab es in den Kategorien Medizintechnik (+63 %), Sicherheitstechnik (+142 %) und Verkaufsautomaten (+40 %), die allerdings nur einen kleinen Teil zur Gesamtmenge beitragen. Zu 69 Prozent wurden die Altgeräte über Abfallsammelstellen und zu 25 Prozent beim Neukauf im Geschäft zurückgegeben. Professionelle Nutzer konnten eine individuelle Entsorgung vereinbaren, was insgesamt 74 Prozent der Altgeräte aus diesem Bereich betraf.

Pro Einwohner wurden 2013 im Durchschnitt 6,9 Kilogramm Elektroschrott gesammelt, von geschätzten 21 Kilogramm, die jährlich anfallen. Das war deutlich weniger als die neun Kilogramm, die sich die Herstellervereinigungen für dieses Datum als Ziel gesetzt hatten. Um den Anforderungen der neuen EU-Direktive zu genügen, müsste die gesammelte Menge bis 2016 auf 9,5 und bis 2019 auf rund 14 Kilogramm steigen. Dazu müssen die Sammlung der Altgeräte erheblich intensiviert und neue Kanäle der Entsorgung erschlossen werden.

Mit der Sammlung und der Zuführung zur geregelten Verwertung sind seit dem 1. Januar 2015 fünf Herstellervereinigungen betraut, deren Zuständigkeit sich jeweils auf eine oder mehrere Warenkategorien erstreckt. Bei Elektroschrott aus privaten Haushalten sind die drei Zusammenschlüsse Ecologic, Eco-Systèmes und ERP-Recycling France für alle Kategorien (außer 5 und 11) verantwortlich. Um die Entsorgung von Beleuchtungsmitteln (Kategorie 5) kümmert sich Recylum, für Photovoltaik-Paneele (Kategorie 11) ist PV Cycle zuständig. Bei gewerblich anfallenden Elektro- und Elektronikabfällen ist die Aufteilung etwas detaillierter. Hier deckt Ecologic die Kategorien 1, 2, 3 und 4 ab, Eco-Systèmes die Kategorien 1, 2 und 10, ERP-Recycling nur die Kategorie 3, Recylum die Kategorien 5, 8 und 9. Kategorie 11 fällt ebenso in die Verantwortung von PV Cycle.

Nach Gewicht hatte Eco-Systèmes bei den Altgeräten der privaten Haushalte mit 75,3 Prozent  im Jahr 2013 den größten Anteil an den deklarierten elektrischen und elektronischen Ausrüstungen, gefolgt von Ecologic mit 16,2 Prozent, ERP mit 7,7 Prozent und Recylum mit 0,8 Prozent. Hersteller und Importeure gewerblich genutzter Geräte, die die Entsorgung auch individuell organisieren können, schließen sich mehr und mehr den Herstellerzusammenschlüssen an, die 2013 einen Anteil von 47 Prozent in diesem Bereich hatten. Zu den im Zuge der Anpassungen an die neue EU-Direktive erlassenen Verordnungen gehört auch die Neufassung der Gerätekategorien ab dem 15. August 2018. Hintergrund der nun geringeren Zahl von Warenkategorien ist der Wegfall zahlreicher bisher geltender Ausnahmen. Weiterhin befreit bleiben große industrielle Produktionsanlagen und Geräte, die der öffentlichen Sicherheit oder militärischen Zwecken dienen.

Fast alles wird wiederverwertet

Die Statistik der französischen Umweltagentur Ademe weist für 2013 die Verwertung von 476.889 Tonnen elektrischer und elektronischer Abfälle aus. Tatsächlich wurde eine größere Menge behandelt, da dieser Wert lediglich die von den Herstellerzusammenschlüssen entsorgten Geräte umfasst. Hinzu kommen von den Unternehmen individuell entsorgte Altgeräte (2012 schätzungsweise 90.000 Tonnen). Gegenüber 2012 hat sich die Gesamtmenge in Tonnen um 2,9 Prozent erhöht. Auch hier gab es in den Warenkategorien 3 und 4 einen leichten gewichtsmäßigen Rückgang, während das Recycling von Haushaltsgeräten deutlich zunahm. Die von professionellen Nutzern in die Verwertung gegebenen Geräte waren zu 71 Prozent der Kategorie IKT zuzuordnen. Insgesamt werden fast 90 Prozent der Altgeräte dem Recycling oder einer Verwertung zugeführt. Eine sehr hohe Recyclingrate von 95 Prozent erzielt Recylum bei Energiesparlampen.

Die Verwertung findet bei den aus privaten Haushalten stammenden Altgeräten zu 99 Prozent bei den 196 Verwertungseinrichtungen in Frankreich statt, daneben vorwiegend in Belgien. Im professionellen Bereich werden nur 72 Prozent im Land selbst verwertet, 14 Prozent in anderen EU-Ländern. Die Recyclingquote ist hier geringer. Allerdings werden deutlich mehr der von den Unternehmen entsorgten Altgeräte einer erneuten Nutzung zugeführt, was auf den großen Anteil von Computern und dazugehöriger Ausrüstung zurückzuführen ist. Erschwert wird die Wiederverwertung nach Analyse der European Electronics Recycler Association (EERA) durch vier Trends: erstens die Miniaturisierung der Geräte, die dadurch immer geringere Mengen an Wertstoffen enthalten; zweitens die zunehmende Komplexität der Geräte, die verschiedene Funktionen integrieren, was die Sortierung in verwertbare Komponenten erschwert; drittens die immer kürzer werdenden Lebenszyklen der Produkte und Technologien, wodurch auch ständige Anpassungen der Recyclingverfahren nötig sind; und viertens der sinkende Marktwert der verwendeten Materialien durch einen geringeren Metall- und einen höheren Kunststoffgehalt.

Quelle: GTAI/Marcus Knupp
Foto: O. Kürth

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