Die Situation auf den Rohstoffmärkten

Die Importabhängigkeit Europas von metallischen Rohstoffen ist unvermindert hoch und unterliegt geopolitischen Unwägbarkeiten und Wechselkursschwankungen. Metallhändler und Metallrecycler sehen sich einer „massiven Regulations- und Verordnungswut“ ausgesetzt, die ihre Probleme zusätzlich erschweren.

Das machte das Pressegespräch des Verbandes Deutscher Metallhändler e.V. (VDM) zur Lage auf den Rohstoffmärkten am 6. Mai in Düsseldorf deutlich. Thomas Reuter, Peter Haslacher, Dieter Likuski, Gunther Maassen und Ralf Schmitz diskutieren hier die Entwicklung bei Aluminium, Kupfer, strategischen Sondermetallen sowie die möglichen Auswirkungen des geplanten Selbstzertifizierungssystems für die europäischen Importeure von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten. Nach Ansicht der Branchenexperten erweist sich die Rohstoffpolitik der Bundesregierung und der Europäischen Union als kontraproduktiv für das Recycling von insbesondere strategischen Sondermetallen. Immer mehr Verordnungen und damit Bürokratie ließen wirtschaftliche Lösungen nicht zu.

Aluminium-Nachfrage deutlich gestiegen

Zur Situation auf dem Aluminiummarkt informierte VDM Präsident Thomas Reuther (Trimet Aluminium SE), dass sich der Werkstoff in einer konjunkturellen Hochphase befindet: „Hauptgrund hierfür ist der deutlich gestiegene und in den nächsten Jahren weiterhin überproportional steigende Einsatz von Aluminium im Transportwesen (Luftfahrt und Fahrzeugbau). Dieser Trend wird sich bei normalem Konjunkturverlauf fortsetzen. Da nicht nur das leichte Gewicht des Werkstoffs Aluminium zur CO2-Einsparung beiträgt, sondern auch ein hoher Anteil an recyceltem Aluminium, ist die Nachfrage nach Aluminiumschrotten insbesondere im Knetlegierungsbereich (Bleche und Profile) deutlich gestiegen.“

Anders stellt sich die Situation bei den Alt- und Gusslegierungsschrotten dar: Wegen der hohen Produktionsleistung in Deutschland vor allem in Aluminium-Gießereien und deutlich schwächeren Exporten von Aluminiumschrotten – insbesondere nach China – sind ausreichend Gusslegierungsschrotte vorhanden. Und Thomas Reuther ist optimistisch: „Selbst bei einer stagnierenden Fahrzeugproduktion in Deutschland und Europa wird aufgrund des weiter steigenden Anteils an Aluminium je produzierter Einheit die Nachfrage nach dem Werkstoff und damit auch nach Schrotten auf einem hohen Niveau verbleiben.“ Laut VDM Vizepräsident Peter Haslacher (Metallhandelsgesellschaft Schoof & Haslacher mbH & Co. KG) wird dabei aber der Aufwand zum Trennen der unterschiedlichen Legierungen für die Händler und Aufbereiter immer größer, „da die steigenden, unterschiedlichen Anwendungen im Fahrzeugbau zu einer Vielzahl von neuen Legierungen führen.“

Kupfermärkte entwickeln sich positiv

Wie VDM Vorstandsmitglied Dieter Likuski (Wilhelm Grillo Handelsgesellschaft mbH) berichtete, entwickeln sich die Kupfermärkte in den westlichen Industrieländern positiv. So sind die Kupferverarbeiter in Deutschland mehrheitlich mit dem Geschäftsverlauf zufrieden. Dies gelte für nahezu alle Kupferbereiche. Der Kupferverbrauch in der Bundesrepublik ist im letzten Jahr um sechs Prozent auf fast 1,2 Millionen Tonnen gestiegen. Chile, größter Kupfererzeuger weltweit, hat die Produktionsschätzung für 2015 von 6,2 auf 5,94 Millionen Tonnen gesenkt. 2014 waren es 5,78 Millionen Tonnen. Seit dem Allzeithoch von knapp über 10.000 US-Dollar im Jahr 2011 ist der Kurs für Kupfer um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Das macht den Angaben zufolge den Erzeugern ebenso zu schaffen wie die rückläufigen Kupfergehalte im Erz sowie steigende Lohn- und Umweltkosten. Hingegen wirken sich die gesunkenen Ölpreise sowie in zahlreichen Ländern die Abwertung der Landeswährung in Relation zum Dollar positiv für die Produzenten aus. Kupfer ist weltweit derzeit reichlich verfügbar. Dazu beigetragen hat auch, dass Russland im September 2014 den Exportzoll auf Kupferkathoden (10 Prozent) gekappt hat. In China rechnet man beim Kupferverbrauch 2015 mit einem Wachstum von lediglich 4,2 Prozent und 2016 sogar nur von 3,3 Prozent (2014 noch knapp 6 Prozent). Aber selbst mit diesen verminderten Wachstumsraten wird China in den kommenden zwei Jahren beim Kupferverbrauch die Schwelle von zehn Millionen Tonnen überschreiten.

Strategische Sondermetalle: Unverminderte Importabhängigkeit  

Die Nachfrage der Industrie nach strategischen Sondermetallen nimmt weiter zu: Für die Produktion zahlreicher Hightech-Produkte sind sie unverzichtbar und finden bei vielen Neuentwicklungen Anwendung. Deutschland und die Europäische Union sind aber bei allen metallischen Rohstoffen von Importen insbesondere aus China abhängig. Ein Aufbau von Minen in Deutschland ist wirtschaftlich schwierig. Gleichzeitig setzt die Bundesregierung auf Elektrofahrzeuge, Photovoltaik, Windkraftanlagen und andere Zukunftstechnologien, die allesamt strategische Sondermetalle benötigen. Die Importabhängigkeit Europas von metallischen Rohstoffen unterliegt aber sowohl geopolitischen Unwägbarkeiten als auch Wechselkursschwankungen. Zusätzlich erschwert werden die Probleme der Metallhändler und -aufbereiter nach Ansicht des VDM durch eine „massive Regulations- und Verordnungswut“ der Bundesrepublik und der Europäischen Union. So könne auch das Recycling von strategischen Sondermetallen nicht wirtschaftlich betrieben werden. Als Grund nannte VDM-Vorstandsmitglied Gunther Maassen (Haines & Maassen Metallhandelsgesellschaft mbH) die komplexen Vorgaben der europäischen und deutschen Verordnungen. Langwierige Genehmigungsverfahren, Chemikalienverordnungen und Auflagen erschwerten hier den Aufbau eines effizienten Recyclingsystems für diese wertvollen Rohstoffe. Dabei wäre mit den Worten von Gunther Maassen die Unterstützung des Recyclings strategischer Sondermetalle als Rohstoffquelle die notwendige politische Antwort auf die Importabhängigkeit Deutschlands und Europas.

Konfliktrohstoffe: EU-Verordnung verbesserungswürdig

Der Verband Deutscher Metallhändler begrüßt, dass Sekundärrohstoffe, die aus Schrotten oder anderen recycelten Quellen stammen, aus dem Anwendungsbereich der vorgesehenen EU-Verordnung zur Schaffung eines freiwilligen Selbstzertifizierungssystem für die europäischen Importeure von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten ausgenommen werden. Den Entwurf dazu hatte die EU-Kommission bereits am 5. März 2015 vorgelegt. Ein Herkunftsnachweis, so der VDM, sei bei der Vielzahl der Umarbeitungsprozesse faktisch nicht möglich.

„Kritisch zu sehen ist, dass Annex I der Verordnung noch Produkte beziehungsweise Formate enthält, die sowohl aus Primär- als auch Sekundärmaterial hergestellt werden können. Entsprechend müssen Sekundärrohstoffe auch aus dem Annex I herausgenommen werden, um Rechtsunsicherheiten zu vermeiden“, erklärte dazu VDM Hauptgeschäftsführer Ralf Schmitz in Düsseldorf. Der Anwendungsbereich der Verordnung umfasst sämtliche Konflikt- und Hochrisikogebiete, die nach Kriterien wie fragiler Staatlichkeit, Verstößen gegen internationales Recht und Menschenrechtsverletzungen definiert sind. Schmitz kritisiert  hier, dass die Definition der betroffenen Gebiete völlig unbestimmt sei und erheblichen Interpretationsspielraum biete. Die Identifizierung der Gebiete werde auf die Rohstoffimporteure verlagert. Die Importeure müssten also selbst politisch beurteilen, welche Gebiete unter die gegebene Definition fallen. Damit entstünden nicht tragbare Rechtsunsicherheiten zulasten der Unternehmen, die sich freiwillig zertifizieren wollen.

Der bürokratische Aufwand für die Zertifizierung wird zudem als enorm empfunden: Die Beschaffung und Aufbereitung der Informationen, die Aufnahme der maßgeblichen Standards in die Lieferkettenpolitik, die Implementierung eines Risikomanagementsystems und die Notwendigkeit eines unabhängigen Auditors bedeuteten signifikant höhere Kosten für die Branchenunternehmen. Doppelte Berichts- und Zertifizierungspflichten durch fehlende Kompatibilität mit der EU-Zertifizierung drohten. „Die vollständige Offenlegung der Handelskette birgt für die Metallhändler die große Gefahr der Handelsumgehung durch die Unternehmen der nachgelagerten Wirtschaftszweige. Das durch langjährige Erfahrung und Expertise erworbene spezifische Fachwissen um die Marktstrukturen, Marktteilnehmer und Marktbedingungen wird durch die Transparenzverpflichtung allen Marktteilnehmern zugänglich gemacht“, gab Ralf Schmitz zum Ende des VDM Pressegesprächs zu bedenken.

Die VDM-Referenten von links nach rechts: Dieter Likuski, Thomas Reuther, Peter Haslacher, Gunther Maassen, Ralf Schmitz (Foto: Michael Lübke)

Die VDM-Referenten von links nach rechts: Dieter Likuski, Thomas Reuther, Peter Haslacher, Gunther Maassen, Ralf Schmitz (Foto: Michael Lübke)


 

Metallhandel verlief 2014 unbefriedigend

VDM Geschäftsklimaindex: Stimmungsaufschwung zu Beginn des 2. Quartals 2015.

Das Jahr 2014 verlief für die deutschen Metallhändler und Recyclingunternehmer insgesamt unbefriedigend. Die schon 2014 spürbare Abschwächung der Konjunktur in Asien und die stagnierende Nachfrage bei den meisten Basismetallen in Europa hat im vorigen Jahr zu einem deutlich geringeren Bedarf geführt. Gleichzeitig sind die Margen wegen der hohen Verfügbarkeit der meisten Nichteisen-Metallschrotte deutlich gefallen Bei Kupfer herrschte bis ins zweite Quartal 2014 ein ausgesprochener Engpass, der sich in der zweiten Jahreshälfte normalisiert hat.

Aluminium und Zink ausgenommen

Der Werkstoff Aluminium bildete neben Zink die Ausnahme von der schwachen Entwicklung. Die Nachfrage der Automobilindustrie nach Aluminiumkomponenten ist 2014 deutlich gestiegen. Infolgedessen hat auch die Nachfrage nach Aluminiumschrotten zugelegt. „Die hohe Nachfrage hat zeitweise Engpässe beim verfügbaren Angebot verursacht. Sowohl auf der Ankaufs- als auch auf der Verkaufsseite waren historische Höchststände der Prämien zu verzeichnen“, erläutert VDM Präsident Thomas Reuther. Ein Hauptgrund für die anhaltend vielversprechende Perspektive des Werkstoffs Aluminium im Automobilbau liegt in seinem geringen Gewicht. Für die Entwicklung bei Zink spielt die Angebotsverknappung infolge von Minenschließungen eine wesentliche Rolle. Zink ist heute neben Aluminium und Nickel ein beliebtes Metall für Finanzinvestoren.

Der VDM Geschäftsklimaindex belegt, dass sich der Markt für den Metallhandel im Verlauf des Jahres 2014 kontinuierlich verschlechtert hat. Der anhaltend negativen Beurteilung der Lage hat sich im Verlauf des Jahres auch die Erwartung angepasst. Waren noch im zweiten Quartal 2014 die Erwartungen der Metallhändler deutlich positiver als ihre Beurteilung der tatsächlichen Geschäftslage, so haben sich die Erwartungswerte zum Jahresende hin kontinuierlich auf die schwachen Werte der Lagebeurteilung zubewegt. Und das schwache Geschäftsjahr 2014 schlägt sich auch in der VDM-Mitgliederentwicklung nieder: Die Zahl der Verbandsaustritte übertraf um 60 Prozent die der Verbandseintritte. Somit hat der VDM erstmals seit zehn Jahren mehr Mitglieder verloren als neue hinzugewonnen. Die Hauptgründe für die Verbandsaustritte lagen in Insolvenzen und der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage.

Hingegen gibt die aktuelle Marktentwicklung Anlass zur Hoffnung für einen konjunkturellen Aufschwung: Seit Beginn des zweiten Quartals 2015 beurteilen erstmals seit zwölf Monaten über die Hälfte aller VDM-Mitgliedsunternehmen (55 Prozent) ihre Geschäftslage positiver als in den Quartalen davor. Nach drei aufeinanderfolgenden Quartalen der Abwärtsbewegung ist der Geschäftslage-Index des Metallhandels infolge der mehrheitlich positiven Lagebeurteilung kräftig angestiegen und hat innerhalb des gesamten Erhebungszeitraums seit 2013 seinen Höchststand erreicht.

Quelle: Verband Deutscher Metallhändler e.V. (VDM)


 

Foto: Heraeus GmbH (Platin-Nuget)

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