TTIP und was sich der Maschinenhandel davon erhofft

USA: Die sich im Jahresverlauf 2014 beschleunigende Industriekonjunktur hat zu einer Umkehrung der Vorzeichen auf dem Importmarkt für Maschinen geführt. Der Bedarf an Ausrüstungen ist hoch. Ein „erfolgreicher Abschluss“ des Freihandelsabkommen TTIP lässt eine Belebung des Transatlantikhandels erwarten.

Nach Informationen von Germany Trade & Invest legten die Maschinenimporte in die USA – nach einem Rückgang um 3,4 Prozent in 2013 – wieder um beachtliche zehn Prozent auf insgesamt 36,6 Prozent zu. Alle bedeutenden Maschinensegmente verzeichneten 2014 ein Importplus, und der bisherige Einfuhrrekord von 2012 konnte sogar übertroffen werden. Die meisten Maschinen und Anlagen lieferte hier China, ein Drittel der Importe stammte aus der Europäischen Union. Rund 36 Prozent der US-Maschinenproduktion wurden im Ausland abgesetzt. Davon entfielen 15 Prozent der wertmäßigen Exporte auf die EU. In Europa ist Deutschland das wichtigste Abnehmerland.

Der Jahresverlauf  2014 zeigte eine sich beschleunigende Industriekonjunktur in den USA. Zwar hatte diese im letzten Winter wieder an Fahrt verloren, doch wird die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen voraussichtlich weiter anhalten. Im Bereich Fördertechnik zum Beispiel könnte sie 2015 um zehn bis elf Prozent zunehmen. Bedarf hat dabei vor allem die Schiefergasindustrie. Gefragt sind außerdem Werkzeugmaschinen – das Investitionsvolumen soll in diesem Jahr 8,8 Milliarden US-Dollar betragen – sowie Maschinen zur Kunststoffherstellung: Die Auslieferungen sind in 2014 um 7,6 Prozent gestiegen. Zugleich gewinnt das Thema Recycling an Bedeutung, sodass auch hier mehr Maschinen und Anlagen nachgefragt werden dürften. Die Recyclingquote liegt derzeit bei 34,1 Prozent. Nachgelassen hat hingegen das Interesse an Waste-to-Energy-Technologien, wie unser Bericht auf den Seiten 24 bis 29 in dieser Ausgabe näher erläutert.  Bei Baumaschinen ist 2015 ein Absatzplus von zwölf Prozent möglich.

Zölle abbauen, Vorschriften/Normen angleichen   

Der Maschinenhandel zwischen den USA und den Mitgliedstaaten der Europäischen Union schlug 2014 mit 76,9 Milliarden US-Dollar zu Buche – ein Plus von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem hohen Minus in der bilateralen US-Handelsbilanz. Von einem „erfolgreichen Abschluss“ des angestrebten Freihandelsabkommens TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) erhoffen sich die nationalen Maschinenbauverbände zusätzliche Impulse für das US-Exportgeschäft und den transatlantischen Warenaustausch. Tarifäre Handelshemmnisse. Dabei werden die Zollsätze, die je nach Maschinentyp von 1,5 bis 4,4 Prozent variieren, nicht als Haupthindernis für die Ein- und Ausfuhr angesehen, sondern vielmehr die unterschiedlichen regulatorischen und technischen Vorschriften und Normen auf beiden Seiten des Atlantiks. Kostenintensive Umrüstungen der Maschinen und umständliche Genehmigungsverfahren seien demnach oft gegeben.

Mit der Realisierung und Umsetzung von TTIP verbindet sich die Erwartung, dass die technischen Standards für Maschinen angeglichen und vereinheitlicht werden und sämtliche Zoll- und Handelsschranken fallen. Einem Szenario des US-Think Tank Atlantic Council zufolge könnte hierüber das Umsatzgeschäft in der EU im Jahr 2027 zehn Milliarden US-Dollar über dem heutigen Ergebnis liegen. Um den Export mit Maschinen aus heimischer Produktion voranzubringen, sind zudem landesweit 45 Entwicklungseinrichtungen auf Basis von Public Private Partnerships geplant. Im Mittelpunkt der technischen Forschungen stehen innovative Automatisierungsprozesse und Energiespeichersysteme sowie 3D-Druck-Fertigungsverfahren. Beim 3D-Druck als generatives beziehungsweise additives Fertigungsverfahren werden laut Wikipedia-Definition dreidimensionale Werkstücke schichtweise aufgebaut: physikalische oder chemische Härtungs- oder Schmelzprozesse. Der Aufbau erfolgt computergesteuert aus einem oder mehreren flüssigen oder festen Werkstoffen nach vorgegebenen Maßen und Formen (CAD). Typische Werkstoffe für das 3D-Drucken sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

(EUR0715S31)