Sortierqualitäten entsprechen nicht Qualitätsvorgaben

Analysen zufolge ist der Anteil nicht-spezifikationsgerechter Mischkunststofflieferungen auf 94 Prozent gestiegen.

Für die Kunststoffrecycler im bvse verlief das erste Halbjahr 2015 mit den Worten von Dr. Thomas Probst, Verbandsexperte für das Kunststoffrecycling, sehr turbulent. Euro-Schwäche, niedriger Ölpreis und nicht zuletzt ein zu wenig und qualitativ inakzeptabler Input hätten den Markt in Atem gehalten. Von den Kunststoffrecyclern werde nach wie vor beklagt, dass zu geringe Verarbeitungsmengen für die Kunststoffrecyclinganlagen in Deutschland verfügbar seien. Die qualitativ guten Mengen würden von dualen Systemen in eigenen Anlagen verarbeitet oder ins Ausland verbracht. Die noch verbleibenden Mengen seien häufig von minderer Qualität und stünden in scharfer Konkurrenz mit Verbrennungsanlagen.

Als nach wie vor schwierig bezeichnet Probst den Umgang der dualen Systeme mit der Qualitätsproblematik: „Neutrale Sortieranalysen, die über Jahre hinweg durchgeführt wurden, zeigen, dass der Anteil  mangelhafter (nicht spezifikationsgerechter) Mischkunststofflieferungen auf 94 Prozent (Daten aus 2013) angestiegen ist. Diese mangelhaften Lieferungen, mit denen die Kunststoffrecycler schwer zu kämpfen haben, weisen einen Störstoffanteil von über 15 Prozent aus.“ Die jährliche bvse-Branchenumfrage hat zudem ergeben, dass 62 Prozent der im Verband organisierten Kunststoffrecycler mit weiter deutlichen Verschlechterungen bei den angebotenen Kunststoffqualitäten rechnen.

Die im Markt angebotenen Sortierqualitäten entsprechen den Erkenntnissen zufolge nicht den bestehenden Qualitätsvorgaben. Um das zu ändern, so Probst, sollten die Kunststoffrecyclingunternehmen nicht nur unentwegt prüfen, sondern auch rügen und Lieferungen zurückgehen lassen. Angesichts der Vielzahl der mangelhaften Lieferungen sei das jedoch rein faktisch gar nicht möglich, wie der Experte betont: Die Recyclingunternehmen liefen ansonsten Gefahr, die Anlagen mangels Input nicht mehr betreiben zu können. Der bvse fordert daher die dualen Systeme auf, dafür zu sorgen, dass die vertraglich zugesicherten Qualitäten auch geliefert werden. Positiv hält der Verband in seiner Halbjahresbilanz 2015 fest, dass der von den Kunststoffrecyclern befürchtete „Worst Case“ nicht eingetreten sei. Die von den dualen Systemen angekündigten Mengenkürzungen für die Kunststoffrecycler würden in 2015 nicht wirksam. Das sei erfreulich und lasse eine deutlich verbesserte Perspektive für das Recycling von Verpackungskunststoffen in Deutschland erwarten.

Dr. Thomas Probst (Foto: Marc Szombathy)

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