Selbstbedienung und drohende Verknappung

Immer mehr Glashütten sichern sich den Zugriff auf Altglasmengen selbst. Verschärft wird diese Entwicklung durch den weiteren Aufbau von Glasrecyclinganlagen im In- und Ausland, die in den Wettbewerb um die Rohscheiben eintreten. Darüber hinaus lassen veränderte Rahmenbedingungen, etwa in England, eine Verknappung von Scherben erwarten. 

Wie der bvse-Fachverband Glasrecycling informiert, hat die positive Entwicklung auf dem Verpackungsmarkt 2014 zu einem Nachfragezuwachs der Glashütten nach Altglas geführt. Dieser Trend setzte sich zu Beginn des Jahres 2015 fort. Die Recyclingquote erreichte in Deutschland im Hohlglas-Segment zuletzt 87,1 Prozent, was etwa 2,42 Millionen Tonnen aufbereitetem Altglas entspricht. Prozentual zugenommen hat zudem die Menge des in der Behälterglasproduktion eingesetzten Altglases im Verhältnis zu primären Rohstoffen.

„Dies ist ein klares Zeichen für die Altglasaufbereitungsbetriebe, dass sie mit ihren erheblichen Investitionen und technischen Innovationen den Qualitätsansprüchen der Glasindustrie gerecht werden“, stellt bvse-Geschäftsführer Thomas Braun fest. „Unterstützt wurde dies auch durch die Neugestaltung der Leitlinie T120 – Qualitätsanforderungen an Glasscherben zum Einsatz in der Behälterglasindustrie, die von den Entsorgerverbänden gemeinsam mit dem BV Glas erarbeitet wurde. Mit dieser Leitlinie gelang es den Beteiligten, einen von allen Seiten anerkannten, norm-ähnlichen Industriestandard für die Belieferung der Glashütten mit Scherben im Sinne eines qualitätsgesicherten Produkts zu schaffen.“

Sorgen bereitet dem bvse-Fachverband aber die Tendenz der Glashütten, sich den Zugriff auf Altglasmengen selbst zu sichern. „Dies erachten wir als völlig falsches Signal für die Eigenständigkeit der mittelständischen Recyclingwirtschaft”, kritisiert Marnix-Jan Oostrijck, bvse-Vizepräsident für den Bereich Glasrecycling. Verschärft werde diese Entwicklung durch den weiteren Aufbau von Glasrecyclinganlagen im In- und Ausland, die in den Wettbewerb um die Rohscheiben eintreten. Darüber hinaus ließen veränderte Rahmenbedingungen – etwa in England – eine zusätzliche Verknappung von Scherben erwarten: Die Förderung für das Glasrecycling wurde gekürzt, gleichzeitig hat eine Anerkennung des Scherbeneinsatzes im Straßenbau als Verwertungsoption stattgefunden.

Zudem verschärfen offensichtlich die Glashütten – scheinbar getrieben von den Anforderungen ihrer Endabnehmer – ihre Abnahmekriterien weiter. Gleichzeitig hätten die Altglasaufbereiter, wie es heißt, mit der erheblich sinkenden Qualität der Sammelfraktion aus den dualen Systemen zu kämpfen. So nahm den Angaben zufolge in 2014 die Zahl der Altglas-Umschläge und -Umschlagplätze dramatisch zu, was in der Ausschreibung der Sammelaufträge seitens der dualen Systeme begründet liege. Dadurch würden die Aufbereitungsbetriebe mit einem Zuwachs an kleineren Glaspartikeln konfrontiert, was die Sortierbedingungen erschwere. Bisher wirkten die dualen Systeme dem nicht entgegen. Trotz dieser Qualitätsprobleme würden sie höhere Preise für die Rohscherben verlangen. Diese steigenden Kosten, so der bvse, konnten nicht an die Glashütten weitergereicht werden, sodass die Margen „bedrohlich sinken“. Erste Betriebe müssten Kurzarbeit ansetzen.

Foto: O. Kürth

(EUR0815S16)