Schrottmarktbericht August 2015: Schrittweiser Preisrückgang

Was sich im vergangenen Monat bereits ankündigte, zeigte sich im Juli dann deutlicher, als von den meisten Marktteilnehmern erwartet. Die Schrottpreise sanken im Durchschnitt um 20 Euro pro Tonne, wobei diejenigen, die früh ihre Abschlüsse unter Dach und Fach brachten, die geringsten Abschläge hinnehmen mussten.

Die Preisvorstellungen der ersten Werke, die in den Markt kamen, lagen bei 10 bis 15 Euro pro Tonne unter dem Vormonatsniveau. Nachdem ein Werk im Osten Deutschlands seine Vorstellungen von 23 Euro pro Tonne realisieren konnte, folgten die übrigen Werke mit Preisreduzierungen gegenüber dem Vormonat von bis zu 26 Euro pro Tonne. Vereinzelt war je nach Bedarf die Preissenkung noch höher. Möglich war dies, weil den Werken, die erst später im Monat ihre Bedarfsmengen eindeckten, die Einkaufswelle zugute kam, bei der türkische Verbraucher rund 500.000 Tonnen in Nordamerika kauften und dabei für die Sorte HMS 1/2 (80:20) einen Abschlag von rund 60 US-Dollar pro Tonne gegenüber den vorherigen Zukäufen durchsetzen konnten, wodurch auch der Preisdruck in Europa anstieg. Die Juliabschlüsse haben zu einem uneinheitlichen Preisbild in Deutschland geführt.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder
Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Der Zukauf der Werke war ferienbedingt angepasst, lag dennoch über dem der Julimonate 2013 und 2014. Zu dem traditionell rückläufigen Verbrauch im Sommer kam ein Minderbedarf von zwei Werken, die mit technischen Defekten zu kämpfen hatten. Werke, die große Mengen angeboten bekamen, reagierten zum Teil lieferantenunfreundlich bei der Abnahme. Das in einigen Regionen vorhandene Überangebot an Neuschrott könnte sich im Laufe der Ferienzeit wegen des zu erwartenden rückläufigen Entfalls ausgleichen. Qualitätsaltschrott war auch im Juli gesucht, und die Nachfrage übersteigt nach wie vor die angebotene Menge.

Der bvse schätzt, dass die von deutschen Verbrauchern nachgefragten Schrottmengen im ersten Halbjahr 2015 um 350.000 Tonnen geringer waren als im entsprechenden Halbjahr 2014. Obwohl die Elektrostahlproduktion nicht im gleichen Umfang gesunken ist, waren Angebot und Nachfrage in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ausgeglichen, was in den relativ geringen Schwankungen der Schrottpreise widerspiegelt.

Nachbarländer
Bei einigen italienischen Stahlwerken beginnen Ende Juli die Werksferien. Durch den damit verbundenen geringeren Bedarf reduzierten sie ihre Preise je nach Werk und Sorte am Monatsanfang um 10 bis 15 Euro pro Tonne. Der Abschlag für die Altschrotte war geringer als für den Neuschrott. Bei späteren Abschlüssen mussten Reduzierungen von 20 Euro pro Tonne akzeptiert werden. Wegen der schwierigen Absatzlage für die Fertigstähle dehnen die meisten Werke ihre Werksferien von den üblichen drei Wochen auf vier bis sechs Wochen aus. Für August werden in Italien zudem Testlieferungen von Knüppeln aus China erwartet. Inwiefern dies den Schrottbedarf beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Die italienischen Schrotthändler sind hinsichtlich der weiteren Entwicklung besorgt. Die Verbraucher in der Schweiz senkten die Preise für deutsche Lieferanten um 15 bis 20 Euro, wobei für Neuschrotte der Abschlag höher lag. Der Bedarf war wegen der anstehenden Stillstände reduziert und die Versorgung der Werke gut. Der Schrottnachfrager in Luxemburg ermäßigte seine Einkaufspreise um 20 Euro über alle Sorten bei einem relativ hohen Bedarf, den der Handel unter anderem auf die niedrige Lagerhaltung, aber auch auf die gute Auslastung zurückführte. Die Luxemburger Werke stehen jeweils 14 Tage still. In Frankreich reduzierten die Werke die Preise um durchschnittlich 17 Euro pro Tonne, wobei die französischen Preise unter dem deutschen Niveau liegen. Die niederländischen und belgischen Schrottverbraucher nahmen ihre Einkaufspreise je nach Sorte um 15 bis 20 Euro pro Tonne zurück. Wie auch in Deutschland senkte der Handel seine Lagereinkaufspreise in mehreren Schritten im Laufe des Monats bis zu 30 Euro pro Tonne. Polnische und tschechische Schrottlieferanten boten im Juli kaum Mengen in Deutschland an, weil sowohl die in- und zum Teil auch die anderen ausländischen Preisangebote attraktiver waren.

Grafik: bvse

Grafik: bvse

Europäische Tiefsee-Exporteure außen vor
Die europäischen Exporteure konnten zwar im Juni und in geringem Umfang im Juli ihre im Mai verkauften Mengen verschiffen; zu Anschlusskäufen ist es seit Juni jedoch nicht gekommen. Außerdem war der Schrottzukauf der türkischen Verbraucher am Tiefseemarkt im Juni kaum der Rede wert. Stattdessen beschränkten sie ihre Nachfrage auf den Short Sea Bereich. Zwischen dem 10. und 16. Juli starteten sie eine Kaufwelle und bestellten rund 600.000 Tonnen Schrott beziehungsweise 17 Ladungen. Zwölf davon stammten aus den USA, drei aus dem Vereinigten Königreich, eine aus Dänemark und eine aus St. Petersburg. Dabei ist es den türkischen Käufern gelungen, den Preis gegenüber Mai um 50 bis 60 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei zu senken. Bei dem derzeitigen Preisniveau von 225 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei für die Sorte HMS 1/2 (80:20) können die europäischen Exporteure nicht anbieten. Mit dem aktuellen Marktpreis für chinesische Knüppel in Höhe von etwa 300 bis 330 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei ist – bei Produktionskosten von 100 bis 130 US-Dollar pro Tonne für die Schrottschmelze bis zur Knüppelproduktion – der Schrotteinsatz für einige Werke wieder attraktiv. Obwohl bisher nur die Daten bis Mai vorliegen, verdeutlicht die Grafik den Verdrängungseffekt zwischen Knüppeln und Schrott in der Türkei. Die türkischen Schrottimporte sind von Januar bis Mai 2015 um 12,2 Prozent beziehungsweise von 7,983 Millionen Tonnen in 2014 auf 7,011 Millionen Tonnen in 2015 gesunken.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Gießereien
Gießereien, die an keinen Preisindex gebunden sind, zahlten je nach Sorte und Werk 12 bis 17 Euro pro Tonne weniger als im Vormonat. Dort, wo noch keine Werksferien den Bedarf einschränken, sprach der befragte Handel von einer guten Nachfrage, insbesondere bei den Gießereien, die für die Automobilindustrie produzieren. Die übrigen – allen voran die Zulieferer für den Landmaschinenbau oder die Windenergie – beklagen eine nachlassende Konjunktur. Die Roheisenpreise haben im Juli im internationalen Markt ebenfalls um 20 US-Dollar pro Tonne nachgegeben; allerdings tendiert auch der Euro im Vergleich zum Dollar schwächer, sodass die Reduzierung für die Importeure weniger spürbar ist.

Aussichten
In Handelskreisen wird für den kommenden Monat mit weiteren Preisanpassungen gerechnet, zumal durch die unterschiedliche Preisgestaltung im Juli ein gewisser Nachholbedarf vorhanden sein wird. Die Abschläge könnten sich daher bei 10 bis 20 Euro bewegen.

Redaktionsschluss 22.07.2015, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: O. Kürth

(EUR0815S26)