Recycling in Polen? Vor allem die energetische Abfallbehandlung nimmt zu

Bislang wurden die EU-Vorgaben nur sehr zögerlich umgesetzt; Polen investierte mehr in die energetische als in die stoffliche Verwertung von Abfällen. Die seit Februar dieses Jahr geltende Abfalltrennpflicht soll den Aufbau der Recyclingwirtschaft im Land voranbringen. Tatsächlich werden aber mehr Müllverbrennungs­anlagen gebaut, für die sich Geschäftschancen eröffnen. 

Polens stark vernachlässigte Abfallwirtschaft wird derzeit komplett neu organisiert.  Hintergrund sind die seit Mitte 2013 geltenden gesetzlichen Bestimmungen, die sich an die EU-Richtlinien anlehnen und noch erweitert werden. In den einzelnen Gemeindegebieten darf nur ein Stadtreinigungsbetrieb tätig sein. Die monatlichen Gebühren zur Abfallentsorgung betragen pro Einwohner maximal 25,98 und pro Haushalt 72,74 Zloty (1 Euro = 4 Zloty).

Seit dem 1. Februar 2015 ist die Abfalltrennung für alle Einwohner obligatorisch – sie erfolgt aber auf unterschiedliche Weise. So stehen den Einwohnern für die Sammlung und Trennung zwei bis mehrere farbige Behälter zur Verfügung: grün für Buntglas, weiß für Weißglas, blau für Papier, gelb für Metall und Kunststoffe etc. In der Hauptstadt Warschau wird mitunter auch nach Glas, trockenen Abfällen wie Papier und Kunststoff sowie übrigen Abfällen sortiert. Wie dabei zu erfahren ist, fällt die Zuordnung nicht jedem Einwohner leicht.  Für die Entsorgung in mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) oder Kompostieranlagen und die Deponierung von Abfällen sind die Stadtreinigungsbetriebe zuständig. Im Jahr 2014 gab es in Polen etwa 700 einfachere Anlagen und 280 „Regionale Anlagen zur Behandlung Kommunaler Abfälle“ (RIPOK), die über größere Kapazitäten verfügen und zunehmend strengere Umweltschutzanforderungen erfüllen müssen. Ab dem 1. Juli 2018 dürfen nur noch Anlagen mit dem Status einer RIPOK betrieben werden.

Die Quoten haben sich verschlechtert

Verpackungsabfall muss seit 2014 zu 60 Prozent wiedergewonnen und zu 55 Prozent recycelt werden. Nach letzten Informationen des nationalen Statistischen Hauptamts GUS wurden im Jahr 2013 von 4,8 Millionen Tonnen an Verpackungsabfällen 2,4 Millionen Tonnen wiedergewonnen (50,2 Prozent) und 1,7 Millionen Tonnen recycelt (36,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Quoten insgesamt verschlechtert.

Anders verlief die Entwicklung bei Papier, Pappe, Kartonagen: 2013 wurden 2,1 Millionen Tonnen wiederverwertet, 2012 waren es 1,9 Millionen Tonnen. Die Gemeinden sind verpflichtet, bis 2020 dafür zu sorgen, dass mindestens die Hälfte der Glas-, Metall-, Papier- und Kunststoffabfälle dem Recycling zugeführt werden. Großer Nachholbedarf besteht nach wie vor auch bei der Wiederverwertung von Elektroaltgeräten. Der Branchenverband CECED Polska schätzt, dass 60 Prozent der eingesammelten ausrangierten Geräte keiner Behandlung zugeführt werden. Das statistisch erfasste Aufkommen an kommunalen Abfällen sinkt: 2013 waren es laut GUS pro Kopf 293 Kilogramm, im Jahr davor 314 Kilogramm. Vor allem die thermische Behandlung nahm 2013 zu, während die Ablagerung auf (legalen) Deponien zurückging. Von den über elf Millionen Tonnen Siedlungsabfall 2013 wurden knapp zwei Millionen Tonnen nicht ordnungsgemäß beseitigt. Doch das sind nur die offiziellen Angaben: Die Dunkelziffer hinzugerechnet, dürfte die Menge illegal abgelagerter Abfälle doppelt so hoch sein.

Ende 2013 waren noch 431 legale Deponien mit einer Gesamtfläche von 1.944,3 Hektar in Betrieb. Binnen eines Jahres waren 100,4 Hektar auf diesen Halden geschlossen (darunter 24,9 Hektar rekultiviert) und außerdem 119 Deponien mit einer Gesamtfläche von 364,8 Hektar außer Betrieb genommen (darunter 32,9 Hektar rekultiviert). Zu den größeren Projekten zählt die Rekultivierung der Mülldeponie in dem zwischen Katowice (Kattowitz) und Krakow (Krakau) gelegenen Ort Trzebinia für etwa 8,1 Millionen Zloty. Die EU will das Vorhaben mit 5,6 Millionen Zloty bezuschussen.

Platz für zehn bis elf MVA  

Der Investitionsbedarf der polnischen Abfallbranche ist weiter hoch: Ihre Aufwendungen, einschließlich derer in die Wiedergewinnung von Rohstoffen, lag 2014 bei 1.391 Millionen Zloty (+14,6 %), so GUS. Die Anzahl der begonnenen Projekte sank jedoch auf 271; im Vorjahr waren noch 343 neue Vorhaben in Angriff genommen worden. Das Stadtreinigungsunternehmen Lech aus Bialystok (www.lech.net.pl) wird gemäß einem im Februar 2015 unterzeichneten Vertrag im südlich der Stadt gelegenen Ort Hryniewicze eine Abfallsortieranlage bauen. Sutco-Polska wird die Technologielinie liefern. Das Projekt hat einen Gesamtwert von 81,9 Millionen Zloty und soll 2016 fertig gestellt werden. Die einzelnen Woiwodschaften, die deutschen Bundesländern entsprechen, planen langfristig Ausgaben von mehreren Milliarden Zloty für die Wiedergewinnung von Abfällen. Außerdem sollen Milliardenbeträge in den Bau von Müllverbrennungsanlagen (MVA) fließen. Und das auch in Form von Public-Private-Partnerships (PPP), die vielfach von der EU kofinanziert werden. Derzeit befinden sich sechs MVA im Bau, die 2015 und 2016 übergeben werden sollen. Laut polnischem Umweltministerium bietet das Land Platz für insgesamt zehn bis elf MVA; Pläne für den Bau weiterer Anlagen bestünden unter anderem in Warschau, Gdansk, Wroclaw und Lodz. Bisher ist erst eine MVA in Warschau in Betrieb. Für Unternehmen ergeben sich Chancen sowohl für die Zulieferung von Ausrüstungen als auch für die Übernahme von Stadtreinigungen.

Die MVA in Konin erhält eine Verarbeitungskapazität von 100.000 Tonnen Abfall jährlich, aus denen sie Strom und Wärmeenergie gewinnen wird. Die Bauausführung übernimmt ein Konsortium bestehend aus der österreichischen Gesellschaft Integral (www.integral.at) sowie den polnischen Unternehmen Erbud S.A. (www.erbud.pl) und Introl S.A. (www.introlsa.pl). Zu den Kosten von 310 Millionen Zloty (netto) trägt die EU 154 Millionen Zloty bei, der Nationale Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft NFOSiGW 145 Millionen Zloty und der Investor, das Städtische Abfallunternehmen, elf Millionen Zloty. Der Fonds NFOSiGW sieht für die Förderung der Abfallwirtschaft 2015 einen Betrag von 1,6 Milliarden Zloty vor (Zuschüsse und vergünstigte Kredite) sowie 2016 und 2017 insgesamt über 1,3 Milliarden Zloty. Weitere Finanzierungsquellen stehen zur Verfügung wie Kredite der Bank für den Umweltschutz und der Bank Ochrony Srodowiska (BOS, www.bosbank.pl). Ausländische Finanzhilfen werden unter anderem über den Ökofonds (www.ekofundusz.org.pl) verteilt. Großprojekte finanzieren internationale Institutionen wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) oder die Weltbank. Die Städte können auch Schuldverschreibungen ausgeben oder PPP-Projekte realisieren.

Wer in der Branche eine starke Stellung hat

Die beiden Marktführer in Polen sind Remondis (www.remondis.pl) und Sita Polska (www.sitapolska.pl). Veolia Uslugi dla Srodowiska (Environmental Services) wurde Anfang 2015 zu 100 Prozent von der Gruppe Eneris Polska (www.grupa-eneris.pl) übernommen. Die neu entstandenen Gesellschaften Eneris Surowce (Rohstoffe) und Eneris Recycling werden sich vor allem mit der Abfallverarbeitung und Wiedergewinnung von Rohstoffen befassen.

Eine starke Stellung hat auch die deutsche Alba Gruppe (www.alba.com.pl), die im Südwesten Polens, vor allem in Schlesien, aktiv ist. Sie übernimmt Recyclingaufgaben, darunter in Wroclaw. Alba Polska investiert noch bis 2016 mehrere Millionen Euro in den Bau von RIPOK in Dabrowa Gornicza sowie Chorzow. Die deutsche Gruppe Tönsmeier www.toensmeier.pl) konzentriert sich auf die Wiederverwertung von Abfällen und ist in zahlreichen polnischen Gemeinden tätig. Die schwedische Firma Stena Recycling ist ebenfalls in Polen aktiv. Etwa 420.000 bis 450.000 Tonnen Altglas jährlich verwertet die Firma Krynicki Recykling S.A. (www.krynicki.pl).

MVA-Technik stellen in Polen unter anderem Rafako (www.rafako.com.pl), Winderickx (www.winderickx.pl) und ZBUS-TKW Combustion her. Sortieranlagen produzieren beispielsweise Horstmann (www.horstmann.pl), Roczniak Recycling System (www.roczniak.pl), Sutco Polska (www.sutco-polska.com.pl) und Falubaz (www.falubaz.com.pl). Pressen und andere kleinere Geräte unter anderem Stalco (www.stalco.com.pl), Avermann (www.avermann.pl), ARTechnic (www.artechnic.pl), HSM Polska (www.hsmpolska.com), Inter-Hydro (www.inter-hydro.pl), KK Balers (www.kkbalers.com.pl), Pressor Polska (www.pressor.pl) und Orwak (www.tomraorwak.pl). Müllbehälter und -container liefert Sulo (http://sulo.pl).

Die Ausschreibungspraxis für Bauarbeiten, Dienstleistungen und Lieferungen folgt den EU-Richtlinien. Zuständig für öffentliche Aufträge ist das Amt Urzad Zamowien Publicznych (UZP, www.uzp.gov.pl). Besondere Hürden für europäische Unternehmen existieren nicht.

Verfasserin: Beatrice Repetzki, Quelle: Germany Trade & Invest

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Ergänzung zum Artikel „Recycling in Polen? Vor allem die energetische Abfallbehandlung nimmt zu“ (EU-Recycling, Ausgabe 08/2015)

Auch die Aventek Group ist in Polen vertreten: In Suchy Las sitzt die Aventek technologies Sp. z o. o. Das Unternehmen befasst sich mit der Entwicklung und Produktion von Verdichtungstechnik sowie deren Vertrieb in ganz Polen. Im Rahmen des Vertriebes zeichnet sich das Unternehmen den Angaben zufolge vor allem durch einen großen Stamm an Bestandskunden sowie Mietbestand aus. Neben Standardmaschinen wurden bereits auch diverse branchenspezifische Lösungen konzipiert und umgesetzt. Zu den Kunden zählen einige branchenbekannte Unternehmen wie die Tönsmeier Gruppe und Kaufland. Derzeit sind etwa 50 Mitarbeiter in dem Werk in Suchy Las tätig.

www.aventek.pl, www.aventek.de


(EUR0815S32)