Kritische Abfallverwertung in der österreichischen Zementindustrie

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat alle acht Zementwerke in Österreich unter die Lupe genommen und sieht Handlungsbedarf.

Die Untersuchungsergebnisse liefern keine Hinweise auf einen akut gefährlichen Problemfall. Es werden jedoch zahlreiche kritische Lücken im System aufgedeckt. Auf Basis der Erhebungen leitet Greenpeace dringende Handlungsfelder für Politik, Behörden und Industrie ab. Besonders negativ fiel bei den Recherchen der Umgang mit Abfallgenehmigungen auf: Die Abfälle, die zur Entsorgung in österreichischen Zementwerken landeten, seien teilweise unklar definiert und die Auflagen für problematische Schadstoffe unzureichend. Zudem sei nach Darstellung der Umweltschutzorganisation die Verwertung von Abfällen intransparent.

Insgesamt sind in Österreich 680 Abfallarten für Zementwerke genehmigt, darunter 170, die bedenkliche Stoffe enthalten oder enthalten können. Die Liste umfasst höchst problematische Schadstoffe wie Arsen, sechswertiges Chrom, PVC oder polychlorierte Biphenyle (PCBs). Letztere zählen wie HCB zu den weltweit verbotenen „Dauergiften“. Etwa 140 Abfallarten seien laut Greenpeace so vage definiert, dass nicht klar hervorginge, ob diese problematische Stoffe wie beispielsweise Quecksilber enthielten. Beim Vergleich der tatsächlichen Luftemissionen der einzelnen Werke, so der Report, schneiden die Zementwerke bei den verschiedenen Schadstoffen unterschiedlich ab. Grenzwertüberschreitungen seien zwar insgesamt selten und würden am ehesten bei Stickoxiden und Quecksilber vorkommen, doch seien bestimmte Grenzwerte, wie etwa der organische Gesamtkohlenstoff, HCB oder Kohlenmonoxid, sehr hoch angesetzt oder existierten gar nicht.

„Keine ausreichende Grundlage“

Zu den wichtigsten abgeleiteten Maßnahmen zählen ein Verbot des Einsatzes besonders problematischer Abfälle, strengere Auflagen der Behörden beim Einsatz von Abfallarten, die bedenkliche Verunreinigungen enthalten oder enthalten können, spezifische Rauchgasmessungen beim Einsatz von kritischen Abfällen sowie eine konsequente Eingangskontrolle für Abfälle durch die Zementwerke. Ausgehend vom Vergleich der Luftemissionen sieht Greenpeace bei jedem der Zementwerke Investitionsbedarf in Umweltschutztechnik. So müssten mittelfristig eine Quecksilber-Abscheidung sowie eine Rauchgasnachverbrennung Standard sein. Höchst unterschiedlich und teils intransparent seien die von Greenpeace angefragten Informationen der zuständigen Behörden gewesen. Den Angaben zufolge wurden etwa von den Ländern Oberösterreich und Salzburg die relevanten Bescheide vollständig übermittelt, während Niederösterreich lediglich Auszüge zusandte und die Bezirkshauptmannschaft Reutte in Tirol unter Verweis auf das Amtsgeheimnis diesen Teil der Anfrage gar nicht beantwortete. Die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) wies indes in einer Stellungnahme darauf hin, dass es sich hier primär um eine quantitative Analyse der Verwertung von Abfällen handle. Nach Meinung von VÖZ-Geschäftsführer Sebastian Spaun sei dies keine ausreichende Grundlage, um ein Urteil abzugeben, es fehle an intensiver Recherche. Der Dialog mit Greenpeace über Lösungsansätze soll fortgesetzt werden.

Foto: Stanisław Skowron / Wikimedia

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