Die Aussichten für das Kunststoffrecycling könnten deutlich besser sein

Das Kunststoffrecycling in Deutschland hat sich in diesem Jahr bisher besser behauptet als angenommen. Doch das will nach Ansicht von Herbert Snell nicht viel heißen, „denn die Prognosen waren sehr düster“, ließ er in einem Interview erkennen. Schließlich drohten den Kunststoffrecyclern massive Mengenkürzungen. Die 7. Novelle der Verpackungsverordnung reicht dem bvse-Vizepräsidenten nicht aus. 

Herr Snell, die zu Jahresbeginn von den dualen Systemen angekündigten Mengenkürzungen für die Kunststoffrecycler wurden nur teilweise realisiert. Kann die Branche aufatmen, ist es jetzt alles wieder gut?   

Davon sind wir weit entfernt. Es stimmt, die vorgenommenen Mengenkürzungen, waren nicht ganz so hoch wie ursprünglich angekündigt. Viele Kunststoffrecycler haben jedoch erhebliche Mengenkürzungen verkraften müssen. Teilweise stand hier wegen fehlenden Inputs sogar die Existenz von Unternehmen auf Messers Schneide.

Inzwischen hat sich die Situation wieder etwas entspannt. Haben die dualen Systeme ihre Liefermengen wieder hochgefahren?

Zuerst einmal haben sich die betroffenen Unternehmen nur durch deutlich erhöhte Importmengen versorgen können. Nach wie vor liefern die dualen Systeme zu wenig Mengen und nach wie vor können sie offenbar nicht die uns zugesagten Qualitäten gewährleisten.

Das ist schwer zu glauben, schließlich steigen die lizenzierten Leichtverpackungsmengen doch nach der letzten Novelle der Verpackungsverordnung deutlich.

So ist es. Es zeichnet sich für 2015 eine Gesamtmenge von 1,5 Millionen Tonnen Leichtverpackungen ab. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2014. Zwar liegen keine genauen Zahlen für das letzte Jahr vor, doch man geht davon aus, dass die lizenzierte Menge bei circa 1,1 Millionen Tonnen Leichtverpackungen gelegen hat.

Wenn fast ein Drittel mehr Leichtverpackungen lizenziert wurden, dann müssten doch auch die lizenzierten Kunststoffverpackungen deutlich ansteigen?

Wir gehen davon aus, dass es in diesem Jahr eine Mengensteigerung um 55.000 Tonnen geben wird.

Wir haben jetzt deutlich die Jahresmitte überschritten. Dieses Mengenwachstum müsste doch in den Kunststoffrecyclingunternehmen inzwischen spürbar sein?

Davon sind wir leider immer noch weit entfernt.

Aber wo bleibt das Material, es ist schließlich lizenziert? Das heißt, die Kunststoffabfälle sind in erster Linie zu recyceln. Warum kommen sie bei den Kunststoffrecyclern nicht an?

Die viel zu niedrige Recyclingquote wird eingehalten. Ein Teil geht in den Export, und die verbleibende und viel größere Restmenge geht in die thermische Verwertung, vornehmlich in Müllverbrennungsanlagen. Das zeigt, dass die 7. Novelle der Verpackungsverordnung nicht ausreicht. Wir brauchen deutlich höhere Recyclingquoten, bessere Stoffstromkontrollen und ein besseres Qualitätsbewusstsein. Allesamt gute Gründe für die zügige Verabschiedung eines Wertstoffgesetzes. Eine Hinhaltetaktik würde den Recyclingstandort Deutschland erheblich schwächen.

Herr Snell, vielen Dank für das Interview!

Quelle: bvse-Mitgliedermagazin
RecyAktuel (Abdruck freigegeben)

Herbert Snell – Foto: bvse

(EUR0915S4)