Schrottmarktbericht September 2015: Ungewöhnliche Marktentwicklung

Im Berichtsmonat August büßten die Schrottpreise nochmals durchschnittlich 20 Euro pro Tonne ein, sodass sie über die Ferienmonate Juli und August betrachtet um rund 40 Euro pro Tonne nachgegeben haben. Je nach Werk und Sorte lagen die Abschläge bei 15 bis über 20 Euro pro Tonne. Im Osten Deutschlands bewegten sie sich am unteren Ende der Spanne, im Süden dagegen am oberen.

Die Abschlagshöhe hing zudem vom Zeitpunkt des Verkaufs ab. Je früher dieser erfolgte, desto günstiger war der Einkauf für die Nachfrager. Im Monatsverlauf tendierte der Markt fester, und nicht alle Nachfrager konnten die gewünschten Mengen einkaufen; hier und da klagten Verbraucher über nicht fristgerechte Lieferungen des Handels, während der Handel bei anderen Verbrauchern Sistierungen hinnehmen musste. Die Gründe dafür sind und waren vielfältig. Ferienbedingt war das Aufkommen regional sehr unterschiedlich. Das niedrigere Neuschrottaufkommen deckte sich zwar im Großen und Ganzen mit dem ebenfalls betriebsbedingt verminderten Bedarf der Werke; Sorgen bereitet jedoch der bundesweit spürbare Nachfrageüberhang bei guten Altschrottqualitäten. Bereinigt um die saisonalen Einflüsse, ist und bleibt der Eingang weit hinter den Erwartungen zurück. Nicht zuletzt deswegen herrscht im Handelsmarkt bei den Preisen für die entsprechenden Alt- und Neuschrottsorten nahezu Parität, und regional waren die Liefermöglichkeiten eingeschränkt.

Quelle: bvse

Quelle: bvse

Zudem hinterließ das Einkaufsverhalten der Nachfrager bei einigen Anbietern im Monatsverlauf den Eindruck, dass der Bodensatz bei den Preisen im Moment erreicht ist, was mit einer sinkenden Verkaufsbereitschaft einherging. Außerdem versucht der Handel, seine zum Teil schwierige Finanzlage nicht noch durch verlustbringende Verkäufe von teuren Beständen zu belasten. Dennoch hat es trotz des in diesem Jahr verstärkt beobachtbaren rückläufigen Zukaufs der Werke (siehe Grafik) vor allem beim Altschrott nie ein Überangebot gegeben.

Nachbarländer

Wegen der fehlenden Absatzmöglichkeiten für ihre Fertigstähle haben die italienischen Stahlwerke im August ihre Produktion länger als üblich ruhen lassen und den Zukauf aus Deutschland entsprechend reduziert. Die Preisabschläge bei nur geringen Bestellmengen lagen bei rund 15 bis 20 Euro pro Tonne. Aus Handelskreisen hieß es, einige Werke nähmen ab der 35. KW zwar wieder Schrott an, die Produktion werde jedoch erst ab September beginnen. Die Stimmungslage wird als gedrückt beschrieben. Die Werke in der Schweiz haben im Berichtsmonat keinen Schrott in Deutschland nachgefragt. In Polen haben die Schrottverbraucher die Preise um 20 Euro pro Tonne gesenkt. Aus den grenznahen Gebieten war daher der Zufluss normal hoch, zumal die polnischen Händler die pünktliche Bezahlweise der deutschen Abnehmer zu schätzen wissen. In Tschechien waren die Abschläge zum Teil geringer als in Deutschland, sodass nur aus grenznahen Gebieten Mengen zu erwerben waren. Der Verbraucher in Luxemburg passte seine Einkaufspreise in dem im August üblichen europaweiten Umfang von durchschnittlich 20 Euro pro Tonne an.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Drittlandexport

Unauffällig bestellten türkische Werke nach offiziellen Presseverlautbarungen seit dem letzten Redaktionsschluss am 22.07.2015 etwa 25 Tiefseeladungen, von denen sie neun auf dem Kontinent kauften. Teilweise war prompte Lieferung vereinbart, ein deutliches Zeichen für eine knappe Bevorratung. Den Abnehmern ist es gelungen, die Preise relativ konstant zu halten, denn in den vergangenen vier Wochen ist der Preis für die Sorte HMS 1/2 (80:20) um lediglich rund 10 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Mit dem noch für September erwarteten Zukaufbedarf dürften die Vertragsverhandlungen intensiver werden, zumal in Europa ab September alle Stahlwerke wieder mit einem entsprechend normalen Bedarf produzieren. Wie bei den deutschen Werken so ist in diesem Jahr der Zukaufbedarf türkischer Werke ebenfalls deutlich rückläufig, da insbesondere die Rohstahlproduktion in den Elektrostahlwerken reduziert wurde, weil deren Produkte gegenüber denen der integrierten Hersteller aufgrund der hohen Schrottpreise kaum konkurrenzfähig sind. Eine große Belastung stellen zudem die äußerst günstigen Halbzeug- und Fertigstahlangebote aus China dar. Ihre Beschaffung geht zulasten des Schrottverbrauchs der Stahlwerke, da diese mit zugekauften Knüppeln günstiger walzen können als mit auf der Basis von Schrott hergestellten eigenen Erzeugnissen. Der Verdrängungseffekt ist deutlich spürbar. Die integrierten Werke können sich auf dem Weltmarkt mit günstigen Rohstoffen wie Erz und Kohle eindecken, während die Wettbewerbssituation rund um den Schrott die Preisanpassungen verzögert.

Gießereien

Die wenigen Gießereien, die im Berichtsmonat August produzierten, senkten je nach Sorte und Bedarf die Einkaufspreise von 7 bis 20 Euro pro Tonne, sofern sie an keinen Index gebunden waren. Wie der Handel berichtete, war bei bestimmten Sorten das Angebot recht überschaubar. Die nachfragenden Abnehmer hätten gerne größere Mengen genommen. Die Roheisenpreise tendieren ebenfalls schwächer, wobei die Verbraucher die Entwicklung sehr genau beobachten. Sie wollen erst kaufen, wenn das Preisniveau ihren Vorstellungen entspricht, und setzen auf weiter sinkende Preise.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Ungewöhnlich?

Nach Meinung des Handels war der August ein ungewöhnlicher Monat. Ungewöhnlich war er insofern, als die Werke zwar ferienbedingt normale Mengen nachgefragt haben, sie den Preis dennoch deutlich senken konnten, aber der Schrotteingang wie oben erwähnt sehr niedrig war, und zwar bundesweit. Neben den fallenden Schrottpreisen befinden sich die wichtigen NE-Metallpreise auf dem niedrigsten Niveau seit über sechs Jahren. Der Nickelpreis bewegt sich in Richtung 10.000 US-Dollar und schwächt damit die Preise für legierte Schrotte. Damit nicht genug, steigen die Verbrennungspreise für zu beseitigende Abfälle bei gleichzeitig beschränkten Verbrennungskapazitäten. Die Lage der Schrottwirtschaft ist somit wenig komfortabel. Die Stahlwerke scheinen mit ihrer Auftragslage für den Rest des Jahres 2015 zufrieden zu sein. Ob das insbesondere bei den Elektrostahlwerken wirtschaftlich der Fall ist, bleibt abzuwarten.

Die noch Anfang August in Handelskreisen vorhandene Euphorie auf steigende Preise im September ist im Laufe des Monats der Hoffnung auf gleichbleibende oder seitwärts gerichtete Preise gewichen. Die Berufsoptimisten sehen für September eine Preiserholung, weil alle Werke am Netz sind und das Schrottangebot knapp sein könnte. Auf sogenannte „Gesetzmäßigkeiten“ im Schrottgeschäft ist allerdings kein Verlass mehr. Zu viele nicht vorhersehbare politische und finanzielle Einflüsse mit weltweiten Auswirkungen bestimmen die Marktentwicklung. Beispielhaft zu nennen ist hier die Entwicklung in der Türkei, vor allem aber die in China. Dort hat man sich offensichtlich vom quantitativen Wachstum verabschiedet und spricht neuerdings von „normalem Wachstum“. Bis das erreicht ist, wird die Welt sicherlich noch mit großen Mengen preiswerter Stahlerzeugnisse beglückt.

Redaktionsschluss 20.08.2015, BG-J/bvse

Foto: O. Kürth

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

(EUR0915S26)