Erster Welt-Monitor für Elektroabfälle

Die Universität der Vereinten Nationen legt eine Studie zu den Anfallmengen in aller Welt vor.

Welche afrikanischen Staaten verfügen über eine nationale Gesetzgebung, die sich um Elektroschrott kümmert? Was folgt daraus, dass die Vereinigten Staaten die Basel Konvention nicht unterzeichnet haben? Welche Quote erreicht China beim Altgeräterecycling? Verfügen Weißrussland, Kasachstan, Armenien und Kirgisistan über entsprechende Gesetzespakete? Und welche Recyclingziele für WEEE haben sich die Australier für die nächsten Jahre gesteckt?

Antworten darauf und vieles mehr bietet „Der Globale Elektro(nik)schrott-Monitor“ zu „Quantitäten, Stoffströmen und Ressourcen“, den die Universität der Vereinten Nationen vor kurzem vorgelegt hat. Er versteht sich als der erste Überblick über die weltweiten Mengen an E-Abfall, der aufgrund einer einheitlichen, harmonisierten Methodik erarbeitet wurde. Nach etlichen methodologischen Erklärungen, statistischen Hinweisen und quellenkundigen Anmerkungen werden erste Zahlen für das Jahr 2014 genannt: das globale Aufkommen an E-Abfällen in Höhe von 41,8 Millionen Tonnen, die Rücknahme von circa 5,5 Millionen Tonnen aufgrund nationaler Gesetzgebungen, die Sammlung von 0,7 Millionen Tonnen durch Abfallbehälter in den EU Mitgliedstaaten und die unsystematisch erfassten Mengen außerhalb der formellen Systeme.

Die weltweite Zunahme der Pro-Kopf-Produktion zwischen 2010 und 2018 – so wird deutlich – ist weniger der gestiegenen Weltbevölkerung um 11,3 Prozent (6,8 auf 7,4 Milliarden) als dem angewachsenen Abfallaufkommen um 47,3 Prozent (33,8 auf 49,8 Millionen Tonnen) geschuldet. Hinzu kommen außerordentliche Unterschiede in der Herkunft der Abfälle. Die Liste der jährlichen Abfallmengen führen die Asiaten mit 16,0 Millionen Tonnen an, gefolgt von Amerikanern und Europäern mit 11,7 beziehungsweise 11,6 Millionen Tonnen, während Afrika mit 1,9 und Ozeanien mit 0,6 Millionen Tonnen am Ende rangieren. Umgerechnet auf dem Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr liegen hingegen die Europäer mit 15,6 Kilogramm pro Einwohner an der Spitze, knapp gefolgt von Ozeanien mit 15,2 Kilogramm und Amerika mit 12,2 Kilogramm; in Asien fallen pro Person lediglich 3,7 Kilogramm und in Afrika nur 1,9 Kilogramm an.

Die Ursachen der Unterschiede erklärt die Studie in vier Szenarien:
1.    einem offiziellen Rücknahmesystem mit Recycling nach Stand der Technik
2.    der Entsorgung von Elektroaltgeräten im gemischten Restmüll
3.    der Sammlung von E-Schrott außerhalb offizieller Rücknahmesysteme in Industriestaaten
4.    der Erfassung durch einen informellen Sektor in Entwicklungsländern.

Mangelnde Vorgaben für Sammlung und Recycling

Diese Abfall-Erfassungssysteme wirken sich regional unterschiedlich auf den fünf Kontinenten aus; weitere Details sind den Kurzportraits der Erdteile zu entnehmen. So fehlt beispielsweise auf Mauritius – Afrika zugehörig – eine regelmäßige Sammlung, weswegen dort viele Haushalte ihren Elektroschrott zuhause sammeln, bis er entsorgt oder gesammelt wird; stellenweise wurden 42 Kilogramm zurückgehalten. In Südamerika, dem 21 Länder angehören, verfügen nur Mexico, Costa Rica, Kolumbien, Peru, Argentinien und Ecuador über nationale E-Abfall-Regularien, die aber nur auf lokaler Ebene zum Einsatz kommen. Und in den Vereinigten Staaten wurden 2012 rund eine Million Tonnen offiziell gesammelt, aber damit lediglich 15 Prozent des entsprechenden Materials erfasst.

Was Asien anlangt, so war Japan zwar eines der ersten Länder weltweit mit einer Erweiterten Produzentenverantwortlichkeit, erfasste aber 2013 nur 24 Prozent der angefallenen Elektroabfälle und liegt damit hinter China mit offiziell gemeldeten 28 Prozent. In Europa soll 2019 die Erfassungsquote bei 85 Prozent liegen – tatsächlich erreichen nur Schweden, Dänemark und Bulgarien die 60-Prozent-Marke. Und in Ozeanien verfügt nur Australien über Gesetze, die die Entsorgung von alten Computern und Fernsehgeräten regeln; in Neuseeland hingegen landet E-Schrott – mangels Vorgaben für Sammlung und Recycling – zumeist auf Deponien. Die regionalen Aufkommensmengen und Sammelquoten sind – aufgeschlüsselt nach den vier Szenarien – am Ende der Studie tabellarisch aufgelistet. Die Studie richtet sich an regionale Entscheidungsträger wie Verwaltungen, Produzenten und die Recyclingindustrie, die an der Planung von Rücknahmesystemen arbeiten. Sie soll aber auch dabei helfen, durch Kooperation die Kontrolle gegenüber illegalem Handel zu ermöglichen und das Bewusstsein der Konsumenten zu schärfen.

Quelle: Baldé, C.P., Wang, F., Kuehr, R., Huisman, J. (2015), The global e-waste monitor – 2014, United Nations University, IAS – SCYCLE, Bonn, Germany, ISBN Print: 978-92-808-4555-6 , im Internet unter http://i.unu.edu/media/unu.edu/news/52624/UNU-1stGlobal-E-Waste-Monitor-2014-small.pdf

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