Bunte Punkte im Recyclingpapier

UV-Drucke können jetzt anstelle von Quecksilberdampflampen mit LEDs ausgehärtet werden. An den Problemen beim Recycling ändert das jedoch nichts.

Anders als Offset- oder Tiefdruckfarben lassen sich vernetzte Farben beim Deinken nicht oder nur ungenügend aus dem Altpapierstoff entfernen. Es verbleiben bunte Punkte in den Fasern. Allen bisher untersuchten Farben ist hier eine deutlich zu hohe Belastung des aufbereiteten Altpapiers mit Druckfarbenpartikeln gemeinsam, so die Internationale Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik (INGEDE):  „Dies gilt auch für eine weitere Variante von UV-härtenden Farben, die in einigen Tintenstrahldruckern eingesetzt werden. Mit UV-härtenden Farben bedruckte Papiere können die Deinkbarkeit einzelner Altpapierchargen beeinträchtigen. Deshalb müssen UV-Drucke dort, wo sie gehäuft auftreten (beispielsweise Druckereiabfälle), schon an der Anfallstelle getrennt erfasst und entsorgt werden. Was einmal die Druckerei verlassen hat, kann bei Sammlung und Recycling praktisch nicht mehr erkannt und abgetrennt werden.“ Einen Ausweg könnten neue Entwicklungen von Druckfarben bieten, die unter den Bedingungen der Altpapieraufbereitung entfernt werden, sich also im alkalischen Milieu der Stoffaufbereitung von den Fasern ablösen, in kleine Partikel zerfallen und sich mittels Flotation austragen lassen.

Unterschiedliche Druckfarben lassen sich unterschiedlich gut deinken. Wasserbasierende Farben bereiten Probleme, weil sie sich auch im Recyclingprozess lösen. Vernetzte Farbpartikel lassen sich wegen ihrer Größe, Flexibilität oder Oberflächeneigenschaften weder mechanisch (Siebe) noch per Flotation abtrennen. Zu den problematischen wasserbasierenden Farben (auch ohne UV-Härtung) gehört den Erkenntnissen nach auch die Mehrzahl der derzeit kommerziell eingesetzten Inkjet-Tinten. Diese können im Deinkingprozess kaum entfernt werden. Schon in geringen Mengen können sie beim daraus hergestellten Papier zu drastischen Helligkeitseinbußen führen. Ähnlich vernetzt wie UV-gehärtete Farben sind zudem Flüssigtoner aus Polyethylen (HP-Indigo), mit denen vor allem Fotobücher gedruckt werden. Diese Farben sind keine Druckfarben im herkömmlichen Sinne; es entsteht vielmehr eine hauchdünne Plastikfolie, die beim Recycling in kleine Schnipsel zerreißt, die sich im Deinkingprozess nicht vollständig entfernen lassen. Schwierigkeiten bereitet auch der Trend zu vierfarbigen Bildern bei Zeitungspapier: Immer mehr Druckfarbe muss aus immer weniger Fasern entfernt werden. Derzeit wird nach Wegen gesucht, schlecht deinkbare  Farben durch recyclingfreundlichere Lösungen zu ersetzen. Mit dem Europäischen Altpapierrat wurde hierzu auch ein Bewertungssystem entwickelt.

Quelle: INGEDE

Foto: vdp

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