PPT: Recycelter Kunststoff aus der MBA

Bislang galten Kunststoffe in mechanisch-biologischen Anlagen eher als brennbarer „Beifang“. Doch durch eine zusätzliche Aufbereitungsstufe lassen sich Kunststoffe recyceln und in den Wirtschaftskreislauf zurückführen, meinen Rolf Sieksmeyer und Jürgen Martens von der Haase Environment Consulting GmbH aus Neumünster.

Üblicherweise sortieren MBA den anfallenden Stoffstrom in vier Fraktionen: hochkalorische Komponenten (Papier und Kunststoffe), biologische Komponenten (Organik), mineralische Komponenten (Deponiereststoffe) und Metalle. Der hochkalorische Anteil – etwa 40 des angelieferten Inputs – wird zu Ersatzbrennstoff und als solcher zur Energiegewinnung verbrannt oder in Zementwerken eingesetzt. Für komplexe Kunststoffmischungen mit Störstoff-Zusätzen scheiden andere Verwertungstechniken aus.

Die „Pure Plastic Technology“ (PPT) hingegen ist ein mehrstufiges Verfahren, das Hartkunststoffe (rund 40 Prozent) und andere Kunststoffe und Folien (rund 60 Prozent) aus dem Kunststoffanteil ausschleust. Nach der mechanischen Vorbehandlung sondert ein mechanisches Sieb zunächst die Feinfraktion (< 80 mm) aus. Ein ballistischer Abscheider trennt dann 2D-Material von 3D-Material, welches an einen NIR-Abscheider weitergeleitet wird, der schließlich den reinen Kunststoff von deponierbaren Stoffen separiert. Diesem Prozess nachgeschaltet sind Zerkleinerungs-, Wasch-, Trocknungs- und kunststoffspezifische Trennstufen, die PET, PE, PP und andere Materialien identifizieren.

Vermarktungsfähige Produkte

Der angegebene Vorteil des Verfahrens: Hochkalorische Komponenten erfahren eine Umwandlung in vermarktungsfähige Produkte. Und nach Einschätzung von Sieksmeyer/Martens rentiert sich diese Umstellung von Waste-to-Energy zu Waste-to-Value. Für eine mechanisch-biologische Anlage in Deutschland machen sie folgende Rechnung auf: Eine durchschnittliche Inputmenge von 120.000 Tonnen Abfall pro Jahr soll allein für den Hartkunststoffanteil von 7.000 Tonnen, einer Ausschleusung mit 80 Prozent Wirkungsgrad und einer Ersparnis an Verbrennungskosten in Höhe von 60 Euro pro Tonne insgesamt ein Plus von 250.600 Euro für den Betreiber geben. Für Deutschland errechnen Sieksmeyer/Martens – bei einem Recyclingpotenzial für Hartkunststoff aus Haushaltsabfällen – insgesamt 17,76 Millionen Einsparungspotenzial aufgrund geringerer Verbrennungsmengen. Für alle 350 MB-Anlagen in Deutschland kalkulieren sie bei 13.000 Tonnen Folien sowie 7.000 Tonnen Hartkunststoffe pro Jahr und Anlage und einem Preis für 400 Euro pro Tonne insgesamt 59,2 Millionen Verkaufserlös. Vorausgesetzt, es bestehen – wie die Autoren annehmen – weiterhin „weltweit im Bereich Kunststoffrecycling sehr hohe Potenziale“ und ein weltweit steigender „Bedarf an hochwertigen Kunststoffen für technische Produkte“.

Weiterführende Literatur: Abfall zum Wertstoff – Die MBA im Wandel der Zeit, in: Waste-to-Resources 2015, hrsg. von Matthias Kühle-Wiedemeier und Michael Balhar, Göttingen 2015, ISBN978-3-95404-980-6.

Foto: Dr. Jürgen Kroll

(EUR0915S36)