Dynamischer Verbrennungsmarkt Deutschland

Der Markt für die energetische Verwertung von Abfällen hat sich im Laufe des Jahres grundlegend gewandelt. Durch die gute Auslastung der deutschen Müllverbrennungsanlagen und EBS-Kraftwerke sind die Kosten für die Verbrennung von Abfällen zum Teil deutlich angestiegen.

In jüngster Zeit spitzt sich die Situation nochmals zu. Die Mitgliedsunternehmen im bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. berichten, dass bedingt durch die gute Konjunktur im produzierenden Gewerbe sehr viel Material im Markt ist, aber die Sortierstoffe für die energetische Verwertung nicht abgegeben werden können, da keine freien Kapazitäten zur Verfügung stehen. Schnell führt diese Situation zu einer Überschreitung der genehmigten Lagermengen, sodass sich bereits einige Unternehmen nicht mehr in der Lage sehen, weitere Abfälle vom Abfallerzeuger anzunehmen.

Ursächlich hierfür ist allerdings kein gesteigertes Abfallaufkommen in Deutschland. Ganz im Gegenteil: Aufgrund der zunehmenden Verwertung von organischen Abfällen und Wertstoffen sind die behandlungsbedürftigen hiesigen Restabfallmengen in den letzten Jahren sogar gesunken. Vielmehr lasten die Verbrennungsanlagen ihre Kapazitäten durch Abfallimporte aus. Zahlen der ITAD zufolge haben alleine die MVA-Betreiber im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Tonnen Abfall aus dem Ausland eingeführt. Dies ist eine Steigerung zum Vorjahr um beachtliche 20 Prozent. Dabei spielt Großbritannien eine entscheidende Rolle. Alleine aus dem Vereinigten Königreich wurden 2014 rund 500.000  Tonnen Abfälle eingeführt. In 2015 sollen es einer Hochrechnung zufolge sogar 670.000 Tonnen werden. Hinzu kommt, dass aus England zusätzlich bedeutsame Abfallmengen in die Niederlande fließen und dort deutschen Abfall verdrängen. Ein Effekt, der insbesondere in Nordrhein-Westfalen zu spüren sein dürfte.

Auslastung von MVA's nach Regionen 2014 (Quelle: ITAD)

Auslastung von MVA’s nach Regionen 2014 (Quelle: ITAD)

Wie geht es weiter?

Großbritannien forciert die Fertigstellung neuer Anlagen, um in Zukunft wieder unabhängig vom Ausland zu sein. So ist der derzeitige Importstrom auch nur als eine Momentaufnahme zu werten. Die strukturellen Überkapazitäten in Deutschland werden durch die Importe also nur kurz- bis mittelfristig kaschiert. Wann eine Trendwende einsetzt, ist derzeit schwer zu sagen. In Deutschland ist hingegen kein Kapazitätsausbau erkennbar. Darüber hinaus bleibt die europaweit uneinheitliche Umsetzung des Verbots der Deponierung ohne Vorbehandlung ein Unsicherheitsfaktor. Wird Deponieraum in Ländern ohne ausreichende Behandlungskapazitäten knapp, werden auch von dort aus neue Entsorgungswege gesucht.

Auslastung: Schon im Jahr 2014 waren die 68 Müllverbrennungsanlagen im bundesweiten Durchschnitt zu 94 Prozent ausgelastet. Die 35 EBS-Kraftwerke in Deutschland dürften in einer ähnlichen Größenordnung gefüllt sein. Für den Südwesten Deutschlands wird sogar eine Auslastung von 99 Prozent angegeben. Knappe freie Kapazitäten sind noch am ehesten im Osten der Bundesrepublik zu finden. Sich freie Entsorgungskapazitäten zu sichern, bereitet aktuell erhebliche Probleme und dürfte – wenn überhaupt – nur mit einem Preisaufschlag möglich sein. Die nachfolgende Darstellung gibt einen Überblick über die Auslastung, verteilt über die verschiedenen Regionen Deutschlands.

Fakten zum Preisanstieg  

Die Abfallimporte aus dem europäischen Ausland (insbesondere aus Großbritannien) lasten die Kapazitäten der Müllverbrennungsanlagen und EBS-Kraftwerke in Deutschland nahezu aus. Die gute Wirtschaftskonjunktur in Industrie und Gewerbe führt dabei zu einem insgesamt hohen Abfallaufkommen. Die Abfallexporte zur Verbrennung in die Niederlande gehen zurück, da deutsche Mengen durch englischen Abfall verdrängt werden. Die Niederländer indes suchen vermehrt nach Abnehmern in Deutschland. Revisionsstillstände in den Sommermonaten verknappen das Angebot zusätzlich.

Parallel wird Ablagerungsraum der Deponieklasse II in Deutschland zunehmend knapper und teurer, sodass auch für dieses Material neue Wege gesucht werden. Großbritannien baut eigene Verwertungskapazitäten auf. Es ist zu erwarten, dass sich der Markt bei Wegfall der aktuellen Importmengen aus dem Vereinigten Königreich wieder ändern wird.

Andreas Habel, bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

Foto: Marc Szombathy

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