Spanien: Angestauter Modernisierungs- und Erneuerungsbedarf

Nach fünf rezessionsbedingten Jahren der Kontraktion hat die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen im Land kräftig zugelegt. Die Maschineneinfuhren zogen um zwölf Prozent auf 12,7 Milliarden Euro an und hielten in den ersten vier Monaten 2015 das Tempo. Deutschland bleibt wichtigstes Bezugsland mit einem Anteil von fast einem Viertel am Einfuhrwert. (Foto: Markus Senger / pixelio.de)

Den Prognosen nach wird Spanien in diesem Jahr zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften des Euroraums zählen, mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 2,9 und 3,3 Prozent. Die Erholungsprozesse, die ins dritte Jahr gehen, und die robust wachsenden Ausrüstungsinvestitionen lassen den nationalen Maschinen- und Anlagenmarkt weiter expandieren. Nach mehreren Negativjahren war die rechnerische Inlandsnachfrage 2014 in der Abgrenzung NACE 28 in laufenden Preisen erstmals wieder gestiegen. Ausgehend von den Zahlen der Industrieprodukteerhebung für das Jahr 2014 plus Importe minus Exporte betrug der nominale Zuwachs 28 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro.

Darin spiegelt sich die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen, die 2014 um real 3,4 Prozent zugenommen haben. Es war die erste positive Entwicklung nach sechs Jahren. Dieser Aufwärtstrend soll sich ausprägen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Funcas sieht einen Zuwachs um 6,0 Prozent für 2015 und um 5,6 Prozent für 2016 vorher. Dabei werden die Ausrüstungsinvestitionen, die 2014 besonders hochgeschnellt waren (12,2 Prozent), mit jeweils 7,0 Prozent in beiden Jahren weiter vital zunehmen. Ähnlich wie 2014 überflügelte auch im ersten Quartal 2015 die Intensität bei den Investitionen in Transportausrüstungen (14,2 Prozent) die der Maschineninvestitionen (6,7 Prozent). Positiv wirkt sich dabei der verbesserte und vergünstigte Zugang zu Finanzierungen für die Unternehmen aus. Die spanische Regierung und die EU fördern Betriebserweiterungen und Neugründungen sowie Investitionen in moderne ressourcenschonende und energieeffiziente Technologien.

Sämtliche Kategorien im Aufwind

Nach der langen Rezession hat sich in Spanien Erneuerungs- und Modernisierungsbedarf angestaut. Die Einfuhr von Arbeitsmaschinen für besondere Zwecke wuchs schon 2014 in fast allen Subsegmenten; in den ersten Monaten 2015 waren sämtliche Kategorien im Aufwind. So steigt mit der Erholung der Bauwirtschaft auch wieder die Nachfrage nach Baumaschinen. Hinzu kommen Erweiterungsinvestitionen. Wichtige Maschinenabnehmer sind exportorientierte Sektoren wie der Kraftfahrzeugbau, die Nahrungsmittelverarbeitung, die Herstellung chemischer Erzeugnisse und Arzneimittel, die Textil-, Leder-, Holzindustrie sowie nicht zuletzt die Metallerzeugung und -verarbeitung. Spaniens anziehende Papierkonjunktur mit einem Mehrbedarf an Altpapier als hauptsächlichen Einsatz-Rohstoff (siehe EU-Recycling 09/15) lässt zudem Investitionen in den landesweiten Papierwerken erwarten. Überhaupt erholt sich die spanische Abfallwirtschaft. Wenngleich hier die Entwicklung zu einer wertstofflichen Abfallaufbereitung anderen europäischen Ländern hinterher hinkt und Defizite aufweist, gewinnt doch das Zukunftsthema Recycling in Spanien an Bedeutung (siehe auch EU-Recycling 04/15).

Mit fast einem Fünftel Anteil an der Warenausfuhr ist die Investitionsgüterbranche (Metallprodukte, Maschinen und Anlagen, elektrische und elektronische Ausrüstungen, andere Transportmittel) nach Angaben ihres Dachverbandes Sercobe die bedeutendste spanische Exportbranche. Sie setzte 2014 fast 50 Milliarden Euro um und beschäftigte 250.000 Menschen. Mit 70 Prozent macht sie den Großteil ihres Umsatzes im Ausland und ist ein wichtiger Importeur von Maschinen, Komponenten und Teilen. In einer ersten Schätzung für 2014 ging der Verband von einer Zunahme der Branchenerlöse im zweiten Jahr in Folge aus, die aber mit 0,4 Prozent geringer ausfiel als 2013 (0,9 Prozent). Nach drei positiven Jahren seien die Investitionsgüterexporte um 1,2 Prozent gesunken (2013: +9,4 Prozent), wie es dazu heißt.

Produktionsindex weist nach oben

Schrittweise nimmt die Auslastung der Produktionsanlagen in der Industrie zu. Im zweiten Quartal 2014 betrug sie 77,7 Prozent. Das Produktionsniveau, das 2013 noch einmal unter dem Vorjahr lag, hat sich 2014, wenn auch schwankend, ins Positive gekehrt, mit einem unbereinigten Zuwachs des Produktionsindexes um 1,4 Prozent. Von Januar bis Mai 2015 wies er mit 1,6 Prozent im Vorjahresvergleich weiter nach oben. Am stärksten nahm mit 11,4 Prozent die Produktion von Computern, elektronischen und optischen Erzeugnissen zu. Dahinter der Sektor Reparatur und Installation von Maschinen und Anlagen mit 10,9 Prozent. Ein Plus von 8,8 Prozent verzeichnet die Automobilindustrie. Bereits 2013 erholte sich Spanien als wichtiger europäischer Markt für Industrieroboter.

Im Jahr 2013 hatte der spanische Maschinenbausektor mit einem Produktionswert von 17,0 Milliarden Euro einen Anteil von 3,4 Prozent an der Industrieproduktion. EU-28: 7,2 Prozent. Der Produktionsindex blieb ähnlich wie im letzten Jahr (-4,7 Prozent) auch im ersten Quartal 2015 rückläufig, mit minus 3,6 Prozent bei steigenden Erlösen (+1,8 Prozent). Der Auftragseingang hingegen nahm mit 11,8 Prozent kräftig zu, was mit einer ersten, vorsichtigen Ausweitung der Beschäftigung einherging.

Zweistellige Zuwachsraten

Geographisch ist der Maschinenbau vor allem in den autonomen Regionen Katalonien, Baskenland, Valencia und der Hauptstadt Madrid angesiedelt. Zu den Schwerpunktsegmenten gehören die auf erneuerbare Energien und Umweltschutz bezogenen (Windkraftanlagenbau, Wasserbehandlungs- und Meerwasserentsalzungsanlagen), die Baustoff- und Bergbau- sowie Industriemaschinen (Heiz- und Kühlgeräte, Werkzeugmaschinen, Hebe- und Fördervorrichtungen). Dabei ragt der vor allem im Baskenland angesiedelte Werkzeugmaschinenbau heraus. Als Hersteller von Werkzeugmaschinen stand 2014 Spanien laut dem Fachverband AFM mit einem Umsatz von 878 Millionen Euro – davon 80 Prozent Export – in der EU an dritter Stelle nach Deutschland und Italien.

Spaniens Maschineneinfuhr (SITC 72 bis 74), die 2013 um 1,7 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro weiter abgenommen hatte, zog im Takt der neuen Ausrüstungsinvestitionswelle 2014 an, um 11,9 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro. Etwas über diesem Durchschnitt lag die Dynamik im Fall Deutschlands, das traditionell wichtigstes Lieferland ist, mit 13,2 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Januar bis Mai 2015: 11,0 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil an der spanischen Maschineneinfuhr liegt kontinuierlich bei etwa einem Viertel (24 Prozent); es folgen als Lieferanten Italien, Frankreich und die Volksrepublik China.

Bei der Einfuhr dominieren Industriemaschinen für verschiedene Zwecke und ihre Teile – darunter vor allem Luft- und Vakuumpumpen, Apparate zum Filtrieren von Flüssigkeiten und Gasen, Klimageräte, Kühl- und Gefrierschränke, Armaturen und Ventile – mit fortgesetztem Wachstum in den ersten vier Monaten 2015. Bei den Spezialmaschinen ging es auf der Einfuhrseite besonders dynamisch zu: Zweistellige Zuwachsraten verzeichneten Textil- und Ledermaschinen, Bergbau- und Baumaschinen, Papier- und Metallbearbeitungsmaschinen. Spaniens Maschinenausfuhren sind 2014 nominal um 9,9 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro zurückgegangen. Deutschland war mit 1,1 Milliarden  Euro zweitwichtigster Absatzmarkt nach Frankreich und vor den USA und Portugal. Von Januar bis Mai 2015 stagnierten die Maschinenausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Quelle: Germany Trade & Invest/Miriam Neubert

Foto: Markus Senger  / pixelio.de

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