Floridas ehrgeizige Recyclingziele bieten Geschäftschancen

Bis 2020 möchte der US-Bundesstaat eine Recyclingquote von 75 Prozent erreichen. 2013 lag die Rate erst bei 49 Prozent, wobei die Ergebnisse bei den unterschiedlichen Countys teils extrem variieren. (Foto: Andrea Damm  / pixelio.de)

An der Spitze des Rankings stehen bei der Gesamt-Recycling-Rate, die die Energieerzeugung durch Abfallprodukte einschließt, mit 70 Prozent beziehungsweise 73 Prozent die Countys Lee und Hillsborough. Beim klassischen Recycling ohne die Energieerzeugung durch Abfall liegt dagegen Sarasota mit einer Quote von 58 Prozent in Führung.

Max Karagoz vom Beratungsunternehmen Alton, das deutschsprachige Unternehmer bei ihrem Eintritt in US-Märkte unterstützt, sieht bei alledem auch Chancen, sich mit Innovationen und Technologien aus Deutschlands Recyclingbranche erfolgreich in Florida zu etablieren.

Gesetzlich verankert  

Florida hat sein Recyclingziel 2008 in der Sektion 403.7032 der Satzung des Bundesstaates verankert. Übersetzt heißt es hier unter Punkt 2: „Das langfristige Ziel der Recycling-Bemühungen bundesstaatlicher und lokaler Einheiten, privater Unternehmen und Organisationen sowie der Öffentlichkeit ist es, 2020 mindestens 75 Prozent des Feststoffabfalls in Siedlungen zu recyceln, der ansonsten in Einrichtungen zur Abfallentsorgung, auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen entsorgt worden wäre.“

2008 wurde zudem das Florida Department of Enviromental Protection (DEP) damit beauftragt, ein Programm zu entwickeln, um dieses Ziel zu erreichen, und es dann der Legislative zur Genehmigung zu übergeben. Anfang 2010 lag dieser Report vor. Er dokumentierte damals eine Menge von etwa 29 Millionen Tonnen Abfall, die die Bewohner und Gäste Floridas jedes Jahr produzieren. Ein Viertel des Abfalls bestand aus Bau- und Abbruchschutt, 40 Prozent aus organischem Material wie Essensabfällen und Papier. Die Recyclingquote lag bei nur 28 Prozent.

Der Report zeigte die verschiedenen Ansatzpunkte einer Strategie auf, mit der Florida das 75 Prozent-Ziel erreichen kann. Zu ihnen gehörte unter anderem Bildung, die das Thema Recycling in die Schulen trägt, wo es auch aktiv umgesetzt wird. Als ein positives Beispiel nannte der Report die Schulbehörde von Pasco County, die eins der am längsten laufenden und erfolgreichsten Recycling-Programme in Florida unterhält. Darüber hinaus beschrieb der Report beispielsweise Wege der Trennung von Bauschutt für ein anschließendes Recycling sowie den Prozess der Stromerzeugung mithilfe organischer Abfälle.

Ein Thema des Reports waren auch konkrete innovative Recycling-Programme wie das Pay-As-You-Throw (PAYT) System, bei dem der Verbraucher umso weniger für die Abfallentsorgung zahlt, je weniger Abfall er produziert, und die Zero-Waste-Zonen, in denen alles, was produziert wurde, entweder konsumiert oder recycelt wird. Klassischen Abfall, der weggeworfen wird, gibt es in solchen Zonen nicht mehr.

Was sich getan hat  

Seit 2010 hat sich in Florida einiges in Sachen Recycling getan, was nicht zuletzt die für 2013 dokumentierte Recyclingquote von 49 Prozent zeigt. Sie liegt deutlich über den 2010 dokumentierten 28 Prozent, ist andererseits aber auch noch deutlich von den 75 Prozent entfernt, die für 2020 im gesamten Staat angepeilt sind. 14 von insgesamt 67 Countys kamen 2013 auf eine Rate ab 51 Prozent. In absoluten Zahlen stieg die Menge recycelten Materials in Florida von 8,8 Millionen Tonnen im Jahr 2012 um etwa 21,6 Prozent auf 10,7 Millionen Tonnen (2013). Die Quote beim klassischen Recycling (ohne Energieerzeugung durch Müll) stieg von 35 Prozent (2012) auf 38 Prozent (2013). Gestiegen ist allerdings auch die Menge des Feststoffabfalls in Florida, und zwar von 25,3 Millionen (2012) auf 31,3 Millionen (2013) Tonnen, was aber unter anderem auf steigende wirtschaftliche Aktivitäten im Bundesstaat zurückzuführen sein soll. Nachhaltiges Abfallmanagement bedeutet aber auch in Florida die Reduzierung der aufkommenden Abfallmenge. Und ein verstärktes Recycling dessen, was weiterhin an Abfall anfällt.

„Modernes Recycling braucht innovative Ideen“ gilt in Florida wie überall sonst auf der Welt. Max Karagoz vom Beratungsunternehmen Alton rät deshalb deutschsprachigen Unternehmern mit innovativen Produkten oder Leistungen aus der Recycling-Branche, einmal über eine Expansion nach Florida nachzudenken. Wer gute Ideen mitbringt, kann den US-amerikanischen Sonnenscheinstaat bei seinen ehrgeizigen Zielen unterstützen. Aber auch andere US-Bundesstaaten können sich als attraktiver Standort einer US-Tochterfirma von Recyclern aus Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz anbieten.

(EUR1115S26)