Super, diese DrecksKëscht!

Während in Deutschland um Rekommunalisierung, Wertstoffgesetz und Deponieraum gestritten wird, hat sich in Luxemburg ein funktionierendes Rückkonsum-Modell etabliert. Die „SuperDrecksKëscht“, wie es auf echt Lëtzebuergesch heißt, steht für ressourceneffiziente, kostengünstige und nachhaltige Abfallwirtschaft. Das für Luxemburg entwickelte System mit dem Kürzel „SDK“ hat inzwischen erste Anhänger in Deutschland gefunden und empfiehlt sich als Modell für eine moderne Kreislaufwirtschaft auch in anderen europäischen Staaten.

Als 1985 der damalige luxemburgische Umweltminister Robert Krieps die SuperDrecksKëscht vorstellte, war sie ein Sammelsystem für private Haushalte. Die „Initiative für den Bürger mit dem Bürger“ zielte darauf ab, Problemabfälle aus Haushalten getrennt zu erfassen und ordnungsgemäß zu entsorgen. Weitere Sammelstellen kamen hinzu, ein Abholdienst wurde eingerichtet, die Haus-zu-Haus-Sammlung eingeführt, das Angebot um Frittierfett-, Gasfeuerzeug- und Trockenbatterien-Erfassung und weitere Produkte erweitert, Betriebe mit einer „SuperDrecksKëscht fir Betriber“ ins Boot geholt, Elektronikschrott ins Programm aufgenommen, Servicecenter aufgebaut und vieles mehr. Heute verfügt das Unternehmen über 23 Servicestationen, bedient 106 Gemeinden und kann auf über 4.000 teilnehmende Unternehmen und Institutionen zurückgreifen, die 213.500 Mitarbeiter und damit knapp 57 Prozent aller in Luxemburg Beschäftigten repräsentieren. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Im Fall der SuperDrecksKëscht waren es das luxemburgische Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen, die Gemeinden, die Handwerkskammer und die Handelskammer.

Den Schwerpunkt der „MegaMüllKisten“-Arbeit definieren zum einen EU-Abfallhierarchie und nationale Gesetzgebung aus dem Jahr 2012: Vermeidung, noch vor Wiederverwendung, vor Recycling und vor sonstiger Verwertung. Damit verbunden, lag und liegt die andere Zielvorgabe in Aufklärung und Information von Bürgern und Unternehmen, um – wie es im letzten Jahresbericht heißt – „eine nachhaltige Materialwirtschaft im ökologischen und ökonomischen Sinne mit hochwertiger Qualität realisiert zu sehen“. Eine „Vorbildfunktion in der ökologischen Neugestaltung unserer Gesellschaft“ ergab sich daraus zwangsläufig – mit einer Vielzahl von Aktionen, Projekten und Kooperationen, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Seit 2009 ist die SDK nach ISO 14024-Norm zertifiziert und wurde vom Nationalen Institut für nachhaltige Entwicklung und Unternehmensverantwortung (INDR) für seine Nachhaltigkeitsstrategie mit dem RSE-Label ausgezeichnet. Die SuperFreonsKëscht trägt seit 1999 das RAL-Gütezeichen für die Rückproduktion von FCKW-haltigen Kühlgeräten, und die Nutzung von Altspeisefetten wurde 2004 erstmals nach REDcert zertifiziert. Und schließlich zeichnete die EU-Kommission die Aktivitäten der SuperDrecksKëscht mit dem „best practice“-Label im Bereich Erhaltung von Ressourcen und Klimaschutz aus.

Ein erster Blick ins Logistikzentrum

Ein erster Blick ins Logistikzentrum

Rückkonsum- statt Abfallwirtschaft

Das Unternehmen beruht auf sechs Säulen; eine davon ist – wie erwähnt – die zertifizierte ökologische Abfallwirtschaft. Die laut SDK-Philosophie nicht Abfallwirtschaft heißt, sondern „Rückkonsumwirtschaft“, da sie die spiegelbildliche Rückgabe von Konsumgütern darstellt. Sie besteht aus der SuperDrecksKëscht fir Biirger, der SuperDrecksKëscht fir Betriber und der SuperFreonsKëscht.

Die SDK für Bürger hält eine Reihe von Sammelmöglichkeiten vor. Das ist zunächst das mobile Service-Center – ein eindrucksvoller Truck zur Beratung und Entsorgung von Kleinmengen. Hinzu kommen Haus-zu-Haus-Sammlungen mit Kleintransportern, die mit Superabsorbern, Fässern und Gitterboxen ausgerüstet sind und im Jahr rund zwei Drittel aller Luxemburger Gemeinden erreichen. Parallel zur Annahme von Wertprodukten durch die Kommunen finden in einigen Gemeinden einmal im Monat mobile Problemprodukt-Sammlungen statt. Hinzu kommen eine Reihe von stationären Sammelstellen, etliche als Drive-In-Stationen zum Beispiel in Supermärkten: Die Qualität der hier angelieferten Stoffe wird mit 1 Prozent Fremdstoffanteil als sehr hoch eingeschätzt. Den Service runden eigens gestattete Sammelstationen für rund 1.000 Residenzen sowie ein Abholservice im kommerziellen Bereich ab.

Über 120 Fraktionen separiert

Interessant ist die Vielzahl der Produkte, die dadurch erfasst werden: Das System separiert und behandelt über 120 Fraktionen. So wurden im Jahr 2014 beispielsweise fast eine Million Gasfeuerzeuge und 1.350 Druckgasflaschen für Propangas entsprechend knapp 25 Tonnen zurückgenommen. In rund 30.000 Behältern wurden über 130 Tonnen Altmedikamente und 14.625 Kilogramm Spritzen und Kanülen gesammelt. Mehr als 100 Kilogramm quecksilberhaltiger Produkte kamen zusammen. Die Mengen an Speisefett und -öl aus den SDK-Sammlungen für Bürger und für Betreiber summierten sich auf 493.747 Tonnen. Und die Erfassung von Tonerkartuschen und Tintenpatronen erbrachte 38,4 Tonnen. Erwähnenswert, dass für Altspeisefette eigene Sammeleimer und für Spritzen und Kanülen spezielle 2,5- und 1-Liter-Behälter den Benutzern zur Verfügung gestellt werden können.

Insgesamt belief sich 2014 die Gesamtmenge der Pro­blemprodukte, die die SuperDrecksKëscht für Bürger erfasste, auf 2.912,7 Tonnen; bei einer Bevölkerung von rund 550.000 Einwohnern ergibt sich daraus eine Pro-Kopf-Produktion von 5,29 Kilogramm. Das ist im Vergleich zum durchschnittlichen Aufkommen im Saarland mit rund 0,5 Kilogramm viel, doch durchaus gewollt. Und es könnte noch mehr sein, verbergen sich doch im luxemburgischen Restmüll noch etwa zwei Kilogramm Problemstoffe pro Einwohner und Jahr. Die größten Anteile daran haben Medikamente und Kosmetika, Farben und Lacke sowie Spraydosen – sie machen insgesamt 85 Prozent im Restmüll aus.

Hochlager-Straßen für Photochemikalien, Farben und Altöle

Hochlager-Straßen für Photochemikalien, Farben und Altöle

Keine Konkurrenz zu lokalen Entsorgern

Die SDK legt Wert darauf, dass das System keine Konkurrenz zu lokalen Entsorgern darstellt. Deshalb besteht die Aufgabe der SuperDrecksKëscht fir Betriber im Bereich der Abfallabwicklung darin, Kleinstmengen und Spezialprodukte sicher und zu fairen Bedingungen zu entsorgen – in Ergänzung zu den auf dem Markt agierenden Sammlern. Dazu besteht eine Reihe von Kooperationen und Projekten mit Partnern der Luxemburger Wirtschaft. Diese Partner werden hierzu intensiv betreut und beraten. Zu ihnen gehören Abfallcollecteure, die über Transport- oder Vermittlergenehmigungen verfügen, außerdem 87 der 95 lokalen Apotheken, Akteure aus der Bauwirtschaft, Mitglieder des Gastronomieverbands Horesca, der Luxemburger Handel, der Komsumentenschutzbund ULC, die internationalen Gesellschaften Ecotrel asbl und Ecobatterien asbl sowie die regionale Landwirtschaft, für die SDK in Zusammenarbeit mit dem Maschinenring Silofolien und Strechfolien von Ballen entsorgt.

Einrichtungen, die das Konzept SuperDrecksKëscht fir Betriber umsetzen und umfassend dokumentieren, werden mit dem Qualitätslabel für die internationale Norm DIN EN ISO 14024 belohnt; die Überprüfung wird anfangs jährlich wiederholt. Von den 4.165 angeschlossenen Einrichtungen (Stand: Januar 2015) waren 2.524 zertifiziert. Was sie anliefern, landet schließlich auf dem 2.500 Quadratmeter großen Logistikzentrum in Colmar-Berg. Hier werden die Materialien gesammelt, separiert, gegebenenfalls vorbehandelt, in entsprechende Transportbehälter gefüllt und zwischengelagert.

 

In einem Karussell werden die Altfett-Eimer erhitzt

In einem Karussell werden die Altfett-Eimer erhitzt

Feuerlöscher, Styropor und CD-Hüllen

Der Besucher, der die dortige Logistikhalle betritt, ist beeindruckt von Türmen aus gelben Eimern, blauen Kanistern, offenen Gitterboxen, grünen metallenen Transportboxen, einem imposanten Service-Center-Lkw, Holzpaletten, Kunststoffkisten, Kartons mit SuperDrecksKëscht-Aufklebern, ein paar Big Bags und einem Regal gestapelter Heizkörper. Dann konzentriert sich der Blick auf das SuperSpillMobil, das SDK für Vereinsfeste, Schulen oder auch Kindertagesstätten zur Verfügung stellt, und drei imposante Hochregal-Straßen für Spraydosen & Photochemikalien, Farben & Lacke sowie Altöle. Hier lagern auf mehreren Etagen, mit Bodenschutz und Warnvorrichtungen ausgestattet, massive metallene Transportbehältnisse für die verschiedenen Materialien. Sie werden – erklärt der Direktor des Logistikzentrums, Dr. Klaus Schu – hier zwischenlagert und später an den geeignetsten Verwerter weitergeleitet. SDK unterhalte seit Jahren Beziehungen zu verschiedensten europäischen Entsorgern und sei immer auf der Suche nach den besten verfügbaren Techniken.

Der weitere Rundgang durch die Logistikhalle lässt die Vielfalt der gesammelten Altprodukt-Palette erkennen. Neben Kanistern mit Lösungsmitteln, Containern mit Trockenbatterien, Kisten mit Hochenergieakkumulatoren, Regalen gestapelter Radiatoren, getrennten Behältnissen mit Neonröhren und Energiespar- und anderen Lampentypen finden sich Sammelbehälter für Öl- und Essigflaschen, Motorenöl-Kanister, Kotflügel, Ersatzbrennstoffe, Feuerlöscher, Geschirr, Styropor, Medikamente, Schallplatten, DVDs, CD-Hüllen, Video-Cassetten und vieles andere mehr. Das in gelben Standard-Eimern angelieferte Frittierfett durchläuft ein Karussell, wird dabei erwärmt und dann in einem Container gesammelt; die Eimer wandern durch eine Waschstraße und können wiederverwendet werden.

Im SDK-System werden sogar Feuerlöscher gesammelt

Im SDK-System werden sogar Feuerlöscher gesammelt

Unter genauester Beachtung der ADR-Vorschriften

Bevor diese Materialien ausgeliefert werden, werden sie einer Sichtung unterzogen und für den Transport vorbereitet. So wurden im Jahr 2014 beispielsweise für Altöle rund 1.000, für Lösungsmittel 400, für Farben, Lacke, Säuren und Laugen ebenfalls circa 400 und für PU-Schaum knapp 120 Proben gezogen, um die Recyclingfähigkeit der Stoffe zu ermitteln. Bei nicht recyclingfähigen Produkten wurden insbesondere Parameter geprüft, die hinsichtlich ADR-Recht beim Transport zu beachten sind. Für chemische Untersuchungen steht eine entsprechende Sortierstation mit modernster Luftzirkulation und Abluftfilterung zur Verfügung. Nach entsprechender Zwischenlagerung erfolgt schließlich die endgültige Transportverpackung der Altprodukte – unter genauester Beachtung der ADR-Vorschriften, wie Klaus Schu betont. Denn Unfälle beim Transport vor allem von Gefahrgut können teuer werden: „Da ist man schnell mal bei 100.000 Euro“.

Nicht nur die Materialien, sondern auch ihre Empfänger werden nach Darstellung von SDK einer Qualitätsprüfung unterzogen. Dafür entwickelte SDK in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Forschungszentrum für Umwelttechnologie (CRTE) ein Konzept namens „Produktpotential“. Es soll die Verwertungs- und Beseitigungsverfahren beim Abfallempfänger auf Ressourceneffizienz prüfen und bewerten. Bei deren Berechnung stehen – im Gegensatz zu klassischen Recyclingmethoden – die Output-Ströme der Behandlungsanlagen im Fokus, die deren Betreiber detailliert darlegen muss. Mithilfe dieser Berechnungsmethode, die auf das größte Rohstoffpotenzial durch stoffliches Recycling abhebt, sollen unterschiedliche Recycling- und Entsorgungsmethoden für ein identisches Altprodukt miteinander verglichen werden können und gegebenenfalls Anlass zu einen Empfängerwechsel geben.

CD-Hüllen sortenrein und sauber gesammelt

CD-Hüllen sortenrein und sauber gesammelt

Etwas kompliziert: die Finanzierung

Nach Darstellung von Robert Schmit vom luxemburgischen Umweltministerium wird die SuperDrecksKëscht fir Biirger über den Umweltfonds des Ministeriums finanziert. Die Entsorgung von Unternehmen, die an die SDK fir Betriber angeschlossen sind, wird von den Betrieben bezahlt; das Ministerium übernimmt über den Umweltfonds ausschließlich die Beratung der Betriebe. Nehmen hingegen Gemeinden mit ihren Dienststellen oder Abteilungen an der SuperDrecksKëscht fir Betriber teil, gilt für sie das gleiche wie für sonstige Betriebe.

Die Einsammlung von Problemstoffen aus Haushaltungen über die SDK fir Betriber erfolgt im Rahmen der SDK fir Biirger und wird somit über das Umweltministerium finanziert. Hierfür fallen für die Gemeinden keine Kosten an. Allerdings sind die Infrastrukturen zur Sammlung von Problemstoffen der SDK in den Recyklingcentern von den jeweiligen Gemeinden oder Syndikaten zu finanzieren. Diese Kosten müssen von den Gemeinden über die Abfallgebühren hereingeholt werden, die auch die anderen Dienstleistungen der Gemeinden im Abfallbereich abdecken müssen.

Auch vom SDK-System überzeugt: Mettlach

Das „best practice“-Beispiel des SuperDrecksKëscht-System hat nicht nur Anhänger in Luxemburg, sondern auch die Stadtväter von Mettlach überzeugt. Die saarländische Gemeinde mit etwas über 12.000 Einwohnern, die nach wie vor dem Entsorgungsverband Saar (EVS) angehört, betreibt seit Januar 2012 als so genannte §3-Gemeinde die Disposition ihrer Abfallwirtschaft eigenständig. Ein Jahr später organisierte sich der Mettlacher Wertstoffhof als „Rückkonsumzentrum“ nach dem Luxemburger Modell der SuperDrecksKëscht, zeitgleich mit der Einführung eines Abfall-Identsystems.

Daher ist Restabfall seit 1. Januar 2013 mit einer jährlichen Sockelgebühr je nach Behälter und Abholrhythmus belegt, während jedes weitere Kilogramm verwogen und bezahlt werden muss. Für Bioabfälle besteht ein 14-tägiges Holsystem, aber auch die Möglichkeit zur Eigenkompostierung, die von rund 45 Prozent der Haushalte wahrgenommen wird. Papier und Karton, Verpackungsglas und Verpackungsabfälle werden kostenlos zurückgenommen, können aber auch beim sogenannten „Kommunalen Rückkonsumzentrum“ abgegeben werden. Eine erste Sperrmüll-Abfuhr auf Abruf erfolgt kostenlos, jede weitere ist gebührenpflichtig. Da hierbei keine Materialsortierung vorgenommen wird, entstehen der Gemeinde Kosten. Werden hingegen die Wertstoffe im Bringsystem dem Rückkonsumzentrum übergeben und dort separiert, reduzieren sich die Entsorgungskosten.

Styropor-Reste

Styropor-Reste

Restmüllmenge halbiert, Wertproduktmenge vervierfacht

Was hat sich durch Umstellung des Wertstoffhofes zum Rückkonsumzentrum im Vergleich der Jahre 2011 zu 2014 geändert? Die erfasste Menge an Bioabfällen stieg von rund 600 auf 930 Tonnen, und auch die Papier- und Karton-Mengen aus Container und blauer Tonne nahmen von 700 auf 1.000 Tonnen zu. Hingegen halbierte sich die Restmüllmenge von 3.000 Tonnen auf 1.400 Tonnen, während die Menge an Wertprodukten, die 2012 noch nicht erfasst werden konnte, auf rund 1.300 Tonnen im Jahr 2014 stieg. Mit anderem Worten: Durch die Einführung des Rückkonsum-Systems reduzierte sich im genannten Zeitraum die Restabfallmenge pro Einwohner und Jahr von 245 auf 116 Kilogramm und steigerte sich die Wertproduktmenge von 57 auf 191 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Einziger Wermutstropfen: Die Menge an Problemprodukten stieg derweil von 0,15 auf 3,83 Kilogramm pro Einwohner und Jahr – zum Vergleich: Im Saarland beträgt der Gesamtdurchschnitt für Pro­blemprodukte 0,5 Kilogramm pro Einwohner und Jahr.

Da diese Stoffe einer geordneten Entsorgung zugeführt werden müssen, verursachen sie Kosten für die Gemeinde. Diese werden allerdings ausgeglichen durch Kosteneinsparungen bei der Restabfall-Entsorgung und einen besseren Service im Rückkonsumzentrum. Für Carsten Wiemann, Bürgermeister der Stadt Mettlach, zählt zusätzlich die „dreijährige Gebührenstabilität“ und die positive Resonanz der Bevölkerung, in der anfangs kritische Stimmen laut wurden.

Mettlachs Bürgermeister Carsten Wiemann ist vom SDK-Konzept überzeugt

Mettlachs Bürgermeister Carsten Wiemann ist vom SDK-Konzept überzeugt

Vom Rückkonsumzentrum begeistert

Insbesondere vom „Kommunalen Rückkonsumzentrum“ sind nach Darstellung von Carsten Wiemann die Bürger „sehr begeistert“. Hier schlagen Kundennähe, bessere Beratung und schnelle Abwicklung zu Buche. Die Besitzer von Altprodukten können hier bequem mit ihrem Fahrzeug in die Lagerhalle fahren und sich vom geschulten Personal beraten und einweisen lassen. Über 40 Fraktionen nehmen die Mitarbeiter des Zentrums entgegen und sorgen dafür, dass die Stoffe sauber und sortenrein in die entsprechenden Container gelangen. Neben den bekannten Wertprodukten wie Metallen, Elektrogeräten, Verpackungsglas, Papier oder Textilien werden ebenso Problemprodukte wie Batterien, Chemikalien, Lampen, Medikamente, Spraydosen und Speisefette kostenlos entgegen genommen. Großen Anklang findet auch der Second-Hand-Bereich mit Tauschbörse und Informationsecke.

Die Kalkulation des gesamten Systems, da ist sich Carsten Wiemann sicher, steht auf sicheren Füßen. In der Phase vor Einführung des Luxemburger Modells hätten sich die Verantwortlichen des Gemeinderats genauestens darüber beraten lassen, was es kosten dürfte und was es kosten sollte. In der Ausschreibung sei auf eine klare Gebühren- und Kostenkalkulation Wert gelegt worden, hätte man ein System über acht Jahre plus zwei Jahren Option gesucht und seien Qualität, Angebot und Servicegarantie unbedingt in die Gebühr einzupreisen gewesen.

Service-Personal hilft, damit alle Abfälle sortenrein gesammelt werden

Service-Personal hilft, damit alle Abfälle sortenrein gesammelt werden

Bessere Umweltbilanz, gestiegene Akzeptanz

Alles in allem scheint das Konzept aufgegangen zu sein und sich zu tragen. Im Gegensatz zu anderen kommunalen Sammelsystemen erfasst das Mettlacher Modell, das auf das Vorbild der Super-Drecks-Këscht zurückgreift, 40 Fraktionen an Wertstoffen sortenrein. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt punktet Mettlach bei Restabfall und Sperrmüll mit 116 zu 191 Kilogramm pro Einwohner und Jahr, bei Elektrogeräten mit 11,3 zu 7,1 Kilogramm, bei Bioabfällen mit 76 zu 63 Kilogramm, bei Papier und Karton mit 84 zu 72 Kilogramm, und bei – separat erfassten! – Problemprodukten bei 3,8 zu einem Kilogramm (Daten DUH, Stand 2013). So gelingt es, die Entsorgungskosten durch sinkende Restabfallmengen zu verringern und mittels einer höheren Sortentiefe Erlöse aus den erfassten Wertstoffen zu erwirtschaften. Die Folge: eine bessere Umweltbilanz, stabilere Abfallgebühren und gestiegene Akzeptanz der Bürger.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, ist überzeugt vom Mettlacher Modell zur Wertstofferfassung und Abfallvermeidung: „Wenn sie sehen, dass etwas sinnvoll ist, sind Bürger auch bereit, die Kosten zu tragen.“ Und lässt – mit Blick auf die Zukunft – die Frage offen: „Was wäre, wenn dieses Abfallwirtschaftsmodell auf ganz Deutschland hochgerechnet werden könnte?“

Fotos: Dr. Jürgen Kroll

(EUR1115S30)