Schrottmarktbericht November 2015: Unfreundliche Marktverhältnisse

Bezogen auf die beiden Monate September und Oktober senkten die Schrottverbraucher je nach Werk und Region die Preise um insgesamt 50 bis 55 Euro pro Tonne. Durch die im Vormonat unterschiedlichen Reduzierungen der einzelnen Verbraucher war das deutsche Schrottpreisniveau im Berichtsmonat daher harmonisiert.

Die am Monatsanfang verlangten Reduzierungen akzeptierte der Handel zügig, wohl überwiegend aus Sorge vor weiter nachgebenden Preisen. Der Handel beschrieb die Nachfrage der Werke zwar als nicht so gut wie im ersten Halbjahr 2015, aber doch gegenüber den Sommermonaten erholt. Nachlaufende Mengen aus dem Vormonat hatten einen nicht unerheblichen Einfluss. Die Beschaffung von Altschrotten ist durch den Preissturz schwieriger geworden. Die befragten Marktteilnehmer klagten über deutliche, zum Teil sogar erschreckende Rückgänge bei den Zulaufmengen, während das Neuschrottaufkommen die Nachfrage eher übersteigt. So reagierten beispielsweise Shredder- und Scherenbetreiber, indem sie den Betrieb ihrer Aggregate dem Eingang anpassten. Das Preisniveau für Mischschrott hat ein Niveau erreicht, bei dem offensichtlich die Sammelkosten durch die Verkaufserlöse nicht mehr gedeckt sind. Die Annahme von Altfahrzeugen erfolgt zum Teil nur noch gegen Zuzahlung. Der Preisverfall lässt sich am Durchschnittspreis der WV-Stahl für die Sorte 3 ablesen. Er ist von Januar bis Oktober um rund 84 Euro pro Tonne beziehungsweise um über 33 Prozent gefallen (vgl. Grafik). Zudem ist erkennbar, wie viel Fahrt der seit 2011 schleichende Schrottpreisverfall in diesem Jahr aufgenommen hat.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Nachbarländer
Für die italienischen Stahlwerke hat sich die Absatzlage für ihre Fertigstähle nochmals verschärft. Sie reagieren darauf über eine Verringerung der Schichten oder durch tage- beziehungsweise wochenweise Produktionsstillstände. Aus Deutschland wurden weniger Mengen eingeführt. Die Verbraucher haben die Preise gegenüber September um 35 bis 40 Euro zurückgenommen. Ihr Rohstahlausstoß ist in den ersten neun Monaten diesen Jahres bereits um fast neun Prozent gefallen. Einer der Gründe ist die schwierige Lage für Betonstahl im dafür wichtigsten Abnehmerland Algerien. Dort haben die niedrigen Ölpreise das Staatsbudget stark belastet, sodass zum Beispiel staatliche Fördermittel für Infrastrukturprojekte gestrichen wurden und damit einhergehend der Stahlverbrauch sinkt. Außerdem überfluten günstige chinesische Knüppelangebote den algerischen Markt und bilden eine zusätzliche Konkurrenz zu den Angeboten aus Italien und Spanien. Für November haben einige italienische Werke weitere Produktionskürzungen angekündigt, und sie wollen im Dezember die Produktion für zwei bis drei Wochen unterbrechen und wie üblich am 11. Januar wieder aufnehmen. Die Preisreduzierungen für die inländischen Lieferanten steigerten sich im Laufe des Monats ebenfalls auf rund 40 Euro pro Tonne, was mit einer abnehmenden Lieferbereitschaft einherging. Werke mit dringendem Schrottbedarf sahen sich veranlasst, die Annahmepreise in der 43. Kalenderwoche für die inländischen Anbieter um fünf Euro pro Tonne anzuheben.

Die Preisabschläge belgischer und niederländischer Verbraucher lagen je nach Sorte bei bis zu 40 Euro pro Tonne, bezogen auf den Vormonat. Allerdings berichtete der Handel von einem geringen Bedarf. Die Abschläge des luxemburgischen Verbrauchers lagen je nach Sorte und Ausgangsniveau im Vormonat bei 40 bis zu 48 Euro pro Tonne, bei ebenfalls verringertem Bedarf. Die Schrottverbraucher in der Schweiz haben bei guter Nachfrage die Preise je nach Sorte um 35 bis 40 Euro pro Tonne zurückgenommen. Eine nachlassende Lieferbereitschaft war genau wie in Deutschland im Laufe des Monats spürbar, da die Verkäufer Mühe hatten, die Altschrottkontrakte einzudecken. Die Preisabschläge in Polen betrugen bis zu 45 Euro pro Tonne, wobei der polnische Schrotthandel Mühe hatte, Mengen zu beschaffen. Die Werke scheinen auf Importmengen aus England, Dänemark und den Niederlanden zurückgegriffen zu haben. In Tschechien lagen die Preisreduzierungen zwar etwas unter denen in Deutschland, unter Berücksichtigung der Frachten jedoch auf dem gleichen Niveau. Durch die garantiert sichere und schnelle finanzielle Abwicklung der deutschen Vertragspartner bevorzugen viele polnische und tschechische Händler den Export zu deutschen Werken.

Entwicklung des WV-Stahl Ø-Preises der Sorte E3 frei Werk 2012 - 2015 (Quelle: bvse)

Entwicklung des WV-Stahl Ø-Preises der Sorte E3 frei Werk 2012 – 2015 (Quelle: bvse)

Gießereien
Im frei verhandelten Markt haben die Gießereien ihre Einkaufspreise um 15 bis 25 Euro pro Tonne zurückgenommen. Die Auslastung ist sehr unterschiedlich und bei vielen Gießereien auf einem niedrigen Niveau. Kurzarbeit und Feierschichten sind die Mittel, der nachlassenden Nachfrage entgegenzuwirken. Obwohl neben den Schrottpreisen nun auch die Roheisenpreise deutlich abgesackt sind, zögern die Verantwortlichen Mengen zu ordern, da sie davon ausgehen, dass die Preise nochmals sinken werden.

Export in Drittländer
Innerhalb des monatlichen bvse-Berichtszeitraums sind die Preise für die Standardexportsorte HMS 1/2 (80:20) um rund 25 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei gefallen. Die immer noch höheren Inlandspreise erschweren die Exportmöglichkeiten. Vorhandene Bestände können nur mit Verlust verkauft werden, und die aktuelle Beschaffung ist schwierig, da die Inlandspreise immer noch über den Exportnotierungen liegen. Die türkischen Verbraucher agieren hinsichtlich der Wahl ihrer Lieferanten sehr flexibel und kaufen immer dort ein, wo es für sie gerade am günstigsten ist. Wie es in der internationalen Presse hieß, herrscht in diesem Markt viel Unsicherheit vor allem hinsichtlich der Schrottpreisnotierungen. Niemand weiß genau, wie viel die türkischen Werke tatsächlich brauchen und welche Mengen die Exporteure tatsächlich anbieten können. In der vergangenen Woche bestellten einige Verbraucher auf dem Kontinent und in Nordeuropa rund 150.000 Tonnen Schrott. Dabei ist es den meisten Exporteuren gelungen, etwas höhere Preise durchzusetzen. Ob damit der Preisverfall gestoppt ist, wird strittig diskutiert.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Schlussbemerkungen
Für den kommenden Monat sind sich die Marktteilnehmer darüber einig, dass die Preise entweder unverändert oder nochmals leicht rückläufig sein werden. Einige Stahlwerke und Gießereien berichteten über einen nachlassenden Auftragseingang, während der Schrotthandel wie oben bereits erwähnt auf den geringen Altschrottzulauf aufmerksam macht. Der Schrott- und der Roheisenpreis sind stark gefallen und haben sich dem negativen Rohstoffpreistrend des Weltmarktes angepasst. Welche Richtung der Markt einschlägt, ist aufgrund der vielen Unwägbarkeiten ungewiss, insbesondere wegen des Überangebots an chinesischen Stählen, mit denen sie den Weltmarkt fluten.

Überraschend kam in diesem Monat die Ankündigung der WV-Stahl, die Erhebung der „Durchschnittlichen Stahlschrotteinkaufspreise“ zum Jahreswechsel einzustellen. Obwohl es schon jahrelang Beschwerden über die bei bestimmten Sorten immer weniger realistischen Preise gibt, ist der Hinweis in der Nachricht auf die große Anzahl an Informationsquellen ungewöhnlich. Die nun kurzfristig notwendige Umstellung der vorhandenen Verträge mit Preisbindung muss wohl überlegt sein.

Redaktionsschluss 22.10.2015, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

(EUR1115S36)