Besser durch den Verkehr

Forscher des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) an der Universität Potsdam haben ein Logistiksystem entwickelt, das interne Informationen mit verkehrsrelevanten Daten aus dem Internet verknüpft. Und das in Echtzeit.

Mit der Lösung von Dr. Anne Baumgraß, Andreas Meyer und Marian Pufahl können Daten nicht nur unmittelbar verarbeitet, sondern auch zur Vorhersage von Ereignissen genutzt werden. Die drei Wissenschaftler aus dem HPI-Fachgebiet Business Process Technology bereiten die Gründung einer eigenen Unternehmens-Plattform vor, die im Herbst 2016 unter dem Namen „Synfioo“ an den Start gehen soll.

Grundlage für das System sind Complex Event Processing-Technologien (CEP), welche die aktuellsten, sich ständig verändernden Informationen aus dem Unternehmen sowie aus dem Internet zusammenführen und dann „blitzschnell“ auswerten. Die Planer erfahren zum Beispiel sofort, ob und wie lange sich ein Lkw in einem Stau befindet und in welchem Maß sich dadurch der ganze Transportweg verzögert. „Eines der bislang größten Probleme ist, dass bestehende Systeme erst dann Auskunft über Verspätungen geben, wenn diese bereits eingetreten sind, Lkws also im Stau stehen“, erklärt Dr. Anne Baumgraß.

Bevor Störungen eintreten

Mit dem System hingegen ließe sich eine Verkehrsstörung prognostizieren, bevor diese tatsächlich eintritt. Andreas Meyer führt aus: „Im Verkehr wirken oft viele Variablen zusammen. Wir sind beispielsweise mit Blick auf den Eurotunnel zwischen Frankreich und England in der Lage, von hohen Windstärken aus zu schlussfolgern, ob Fähren ausfallen und dadurch mit Staus im Tunnel zu rechnen ist. Dadurch können Routen frühzeitig optimiert werden.“ Witterungsverhältnisse, Straßensperrungen, Demonstrationen, verzögerte Be- und Entladezeiten und selbst schlecht funktionierende Kräne am Hafen stellten keine unerwarteten Hindernisse mehr dar, sondern könnten präzise eingeplant werden.

Die HPI-Forscher reagieren dabei auf immer globaler werdende Lieferketten, die den häufigen Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln mit sich bringen. Das steigert die Zahl von Unterbrechungen auf den Transportwegen. Marian Pufahl sieht hier klare Vorteile der neuen Lösung: „Bisher kann es leicht passieren, dass ein Planer in den Niederlanden nichts von Verzögerungen mitbekommt, die in Spanien verursacht wurden. Unsere Plattform ermöglicht es unter anderem, dass die Kommunikation zwischen den vielen Schnittstellen erleichtert wird.“ Mithilfe der effizienteren Planung von Transportstrecken könnten finanzielle Schäden durch Verkehrsstörungen abgewendet werden. Leerfahrten und Unterbrechungen ließen sich vermeiden und damit auch CO2 deutlich einsparen.

www.hpi.de

Foto: Hasso-Plattner-Institut/ Dirk Laessig

(EUR1115S41)