Schadensbegrenzung durch rechtzeitiges Handeln

So mancher Unfall wäre vielleicht nicht passiert, wenn alle Beteiligten sämtliche Sicherheitsaspekte beachtet hätten.

Unfälle geschehen – auch in den Firmen der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft. Kleinere Sachschäden kann ein Unternehmen in der Regel gut verkraften, bei Personenschäden sieht dies jedoch ganz anders aus. Hier einige Beispiele aus der Unternehmenspraxis:

Ein Müllwerker im britischen Malton (North Yorkshire) erlitt lebensgefährliche Verletzungen beim Leeren von Abfallbehältern. Im November vergangenen Jahres stand er hinter dem Entsorgungsfahrzeug, als sein Kollege den Wagen zurücksetzte und er unter das Fahrzeug geriet. Nach dem Bericht der Tageszeitung „The Press“ in York wurden bei diesem Unfall die Lunge des 54-jährigen durchstoßen, mehrere Rippen, ein Schlüsselbein und ein Schulterblatt gebrochen sowie Leber und Milz verletzt. Da er auch viel Blut verloren hatte, verursachte der Sauerstoffmangel Schäden an seinen Sehnerven, sodass er heute auf beiden Augen blind ist. Sein Leben verdanke er der schnellen Hilfe der „Yorkshire Air Ambulance“, so der Verunglückte im Juni dieses Jahres vor einem Sponsoren-Marsch zugunsten des Luftrettungsdienstes.

Das Glück, mit dem Leben davonzukommen, hatte im Juni dieses Jahres ein 43-jähriger Mann nicht, als er in einem Recyclingbetrieb im US-amerikanischen Orlando (Florida) bei dem Versuch, einen Papierstau zu beseitigen, in eine Presse für Kartonagen geriet und getötet wurde. Nach einem Bericht der Publikation „Norwalk Reflector“ wurde die „Occupational Safety and Health Administration (OSHA)“ eingeschaltet (eine US-Bundesbehörde, die zur Durchsetzung des Bundesarbeitssicherheitsgesetzes von 1970 gegründet wurde), um den Unfall zu untersuchen und zu prüfen, ob die betreffende Firma angemessene Sicherheitsmaßnahmen getroffen hatte.

Oft passieren Unfälle, weil Sicherheitsmaßnahmen aus Sorglosigkeit nicht beachtet beziehungsweise mangelhaft umgesetzt wurden. Dies ist zum Beispiel der Grund, warum die Richter des britischen Liverpool Crown Court ein Recyclingunternehmen zu einer Geldstrafe von umgerechnet fast 68.000 Euro verurteilten. Im Januar 2014 erhielt ein 43jähriger Techniker den Auftrag, ein Teilstück eines laufenden Förderbandes zu reparieren; die Produktion sollte für die Arbeiten nicht gestoppt werden. Dabei wurde sein Arm erfasst und er verlor seine rechte Hand durch eine Walze. Wie der britische Sender BBC berichtete, war dies nicht die erste Verurteilung der britischen Firma aufgrund von Sicherheitsmängeln.

Brandschutzmaßnahmen wirken

Brände bei Recyclingfirmen scheinen ebenfalls nicht selten zu sein, vor allem bei hohen Temperaturen wie in diesem Sommer. Und die zuständigen Behörden fragen sich, ob die Ursache Selbstentzündung oder Brandstiftung war.

Anfang Juni dieses Jahres brannte es auf dem Gelände einer stillgelegten Recyclinganlage im griechischen Aspropyrgos, südwestlich von Athen. Die Landeshauptstadt und die Hafenstadt Piräus seien von „schädlichen Gasen“, verursacht durch schmelzende Kunststoffe und andere Verpackungsmaterialien, eingehüllt gewesen, meldete die griechische Morgenzeitung „Kathimerini“ im Internetauftritt ihrer englischen Ausgabe. Wie hoch die tatsächliche Umweltbelastung durch Dioxine und polyaromatische Kohlenwasserstoffe tatsächlich war, sollte eine Expertengruppe ermitteln, so die Tageszeitung. Die vorhandenen Messstationen seien nicht geeignet, den Smog zu analysieren, da es ihre Aufgabe sei, CO2-Werte und andere Luftverschmutzungen in Städten zu ermitteln.

Glimpflich verliefen im Juli dieses Jahres beispielsweise die Brände bei zwei Recyclingunternehmen in Deutschland. So kamen laut Medienberichten keine Menschen zu Schaden, als es auf dem jeweiligen Firmenareal in Großräschen und Dillingen brannte. Die emittierten Dämpfe seien nicht gesundheitsschädigend gewesen beziehungsweise schnell abgezogen, hieß es in den Meldungen.

Dass moderner Brandschutz auch dann wirkt, wenn noch kein Brand entstanden ist, zeigte sich Anfang August bei einem Recyclingunternehmen in Albstadt, Baden-Württemberg. Das empfindliche Frühwarnsystem, das nach einem Großbrand beim Neubau der Anlage installiert worden war, hatte Rauch detektiert und die Feuerwehr alarmiert. Grund war ein stehengebliebenes Förderband, dessen Motor weitergelaufen sei, berichtete der „Schwarzwälder Bote“.


Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen in Betrieben

Sicherheit bei der Arbeit gehört zu den wichtigsten Gütern in allen Branchen – sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber, hebt die TÜV Nord AG auf ihrer Homepage hervor. „An erster Stelle steht die Verpflichtung, durch ausreichende Sicherheitsvorkehrungen und rechtzeitiges Erkennen von Gefahrenpotenzialen Gesundheit und Leben von Menschen zu schützen“, heißt es dort. „Darüber hinaus bedeutet Arbeitssicherheit aber auch einen nachhaltigen Gewinn für Unternehmen, wenn kostspielige krankheitsbedingte Ausfallzeiten und Stillstände bei Maschinen vermieden werden.“ Mit anerkannten Zertifizierungen lasse sich ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Sicherheit großgeschrieben werde.

Die von der TÜV Nord AG angebotenen Zertifizierungen nach dem Arbeitsschutzmanagementsystem OHSAS 18001, SCC (Sicherheits Certifikat Contraktoren) und SCP (Sicherheits Certifikat Personaldienstleister) sind den Angaben zufolge separat, aber auch gemeinsam mit anderen Zertifizierungen möglich – beispielsweise nach DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement) oder DIN EN ISO 14001 (Umweltschutzmanagement).


Brigitte Weber

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