Schrottmarktbericht Dezember 2015: Drittlandexport festigt Schrottmarkt

Bei einer mengenmäßigen Nachfrage der Werke auf dem Vormonatsniveau war die Preisfindung im November, bezogen auf den Vormonat, je nach Region, Werk und Sorte unterschiedlich. Der vorletzte Berichtsmonat des Jahres 2015 war geprägt von einem Nord-Süd-Gefälle bei den Preisen, Lieferproblemen wegen Niedrigwasser und der Einkaufswelle türkischer Schrottverbraucher.

Bereits am Monatsanfang kristallisierte sich heraus, dass die von den Abnehmern gewünschten Abschläge nicht in der geplanten Höhe im Markt zu realisieren waren. Im Süden und Südwesten einigten sich die Geschäftspartner je nach Werk und Sorte auf leichte Abschläge bis zu fünf Euro pro Tonne, oder vereinbarten unveränderte Preise. Im Osten der Republik mussten die Verbraucher zur Sicherung des Zulaufs am Monatsanfang einen Mehrpreis gegenüber dem Vormonat in Höhe von fünf bis neun Euro pro Tonne bezahlen. Einer der Verbraucher griff verstärkt auf inländische Anbieter zurück, da seine ausländischen Lieferanten die Belieferung türkischer Kunden vorzogen. Überhaupt berichteten Händler von einer zunehmenden Regionalisierung des Absatzes, bedingt durch das relativ niedrige Preisniveau.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Im Norden blieben die Preise am Monatsanfang gegenüber dem Vormonat unverändert. Die Kaufwelle der türkischen Verbraucher in den Kalenderwochen 45 und 46 festigte das Preisniveau, sodass die Werke ihre Einkaufspreise den Exportpreisen anglichen. Die Preise für nachgemeldete Mengen bei Werken, die ihre Bücher noch nicht geschlossen hatten, wurden ebenfalls angepasst. Das Niedrigwasser deutscher Flüsse verzögerte die Transporte in erheblichem Maße und führte zu deutlich erhöhten Transportkosten und schwer zu kalkulierenden Lieferzeiten, da in vielen Fällen die Schiffe nur mit einem Drittel der sonst üblichen Menge beladen werden konnten. Ein Ausweichen auf Schiene und Straße war nur bedingt möglich; insbesondere stellte die Waggonbeschaffung den Handel zum Teil vor große Herausforderungen. Die Lieferung an die Seehäfen verteuerte sich durch den KWZ (Kleinwasserzuschlag) nicht unerheblich und relativierte die Preiserhöhung im Tiefseemarkt für die Beschaffungsmengen. Mit dem beginnenden Regen könnte sich die Lage entspannen.

Nachbarländer
In Italien konnten die Werke die zum Monatsanfang geplante Kürzung der Einkaufspreise um zehn Euro pro Tonne nicht durchsetzen. Der Bedarf aus Deutschland wurde weitgehend zu unveränderten Preisen eingedeckt. Da die Nachfrage nach Stahl wohl doch etwas höher als angenommen war, zahlten Verbraucher ab dem zweiten Monats­drittel für weitere Mengenanforderungen beziehungsweise spezielle Sorten leicht erhöhte Preise. Die Angebotspreise für Mengen aus dem Inland entwickelten sich im Laufe des Novembers von Abschlägen im Bereich von fünf bis zehn Euro pro Tonne bis hin zu unveränderten Preisen. Tschechische und polnische Lieferanten waren im Berichtsmonat November zurückhaltend. Das Preisniveau in diesen beiden Ländern entsprach dem in Deutschland, sodass nur Mengen aus grenznahen Gebieten nach Deutschland flossen. Die Schrottverfügbarkeit in der Schweiz wurde in Handelskreisen als angespannt beschrieben. Bei unveränderten Angebotspreisen gestaltete sich die Beschaffung sowohl im In- als auch im Ausland schwierig. In den Niederlanden zog der Preis im Inland um rund fünf Euro pro Tonne an. Die erhöhte Nachfrage der türkischen Verbraucher ließ jedoch die Preise in den Exportlagern der Niederlande und Belgiens deutlicher ansteigen. Seit der 47. Kalenderwoche flachen sie wieder ab. Möglicherweise war die Belebung kurzfristig. In Belgien erhöhten die Abnehmer die Preise um sieben bis zehn Euro pro Tonne, während der luxemburgische Verbraucher die Preise bei normalem Bedarf in den unteren Qualitäten etwas angehoben, ansonsten die Preise jedoch unverändert gelassen hat. Leichte Preissteigerungen gab es in Frankreich, wobei die inländischen Lieferanten preislich besser gestellt waren als die ausländischen.

Gießereien
Gießereien ohne Bindung an einen Index konnten je nach Werk und Sorte Preisabschläge von zehn bis fünf Euro pro Tonne durchsetzen, zahlten aber je nach Beschäftigungslage durchaus auch Aufpreise bis zu zehn Euro pro Tonne. Die sehr unterschiedliche Auslastung bei den Gießereien macht sich in einer verringerten Anzahl von Produktionstagen oder verstärkter Kurzarbeit bemerkbar. Hinzu kommt, dass im Falle des Bilanzstichtags zum 31.12.2015 einige Verbraucher nur die Mengen kaufen, die sie unbedingt brauchen. Roheisen ist wegen des schwachen Euros teurer geworden. Außerdem ist es den Roheisenherstellern gelungen, im Zuge der gestiegenen Schrottpreise auch ihre Preise nach oben anzupassen. Aus Handelskreisen wurde berichtet, dass die Attraktivität des Schrotts dadurch gewinnen konnte.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Export in Drittländer
Wie eingangs erwähnt, starteten türkische Verbraucher in der ersten Monatshälfte eine Einkaufswelle, was den weiteren Verfall der Schrottpreise in der EU stoppte. Laut Auswertung der internationalen Fachpresse sind im Zeitraum vom 21.10. bis 18.11.2015 mindestens 15 Bulk-Ladungen in Kontinentaleuropa gekauft worden. Hinzu kam eine Belebung der Schrottnachfrage aus Indien. Sowohl für November als auch für Dezember kauften türkische Werke die vor der chinesischen Überflutung des Marktes mit Knüppeln üblichen, monatlichen 25 bis 30 Schiffsladungen im Tiefseemarkt. Dies führte im Verlauf der vergangenen vier Wochen zur Preiserhöhung beispielsweise für die Sorte HMS 1/2 (80:20) FOB Rotterdam von 25 bis 30 Euro pro Tonne. Die Zukäufe erfolgten zügig sowohl in der EU, dem Baltikum und Russland als auch in den USA. Verantwortlich für die Kaufwelle war ein gestiegener Baustahlabsatz im Inlandsmarkt der Türkei, während es auf der Exportseite Probleme gibt, die gewünschten Mengen abzusetzen. Wie lange und in welchem Umfang türkische Werke wieder mehr Schrott nachfragen, hängt nicht zuletzt von den Preisen der angebotenen Knüppel aus Drittländern ab sowie den Exportmöglichkeiten von Langstählen. Wie sich die Schrottpreise auf dem Weltmarkt entwickeln werden, bleibt spannend, da beispielsweise der Preis für die Sorte HMS 1/2 (80:20) in Südkorea mit 160 bis 170 US-Dollar pro Tonne CFR Korea deutlich unter dem Niveau von 190 bis 200 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei liegt.

Schlussbemerkungen
Angesichts des zu erwartenden, ferienbedingt verringerten Bedarfs der Werke im Dezember rechnet der Handel mit weitgehend unveränderten Preisen. Im Berichtsmonat hat sich die Situation bei der Beschaffung von Altschrott nochmals verschärft, nicht zuletzt durch die rege Nachfrage aus Drittländern. Diejenigen, die es sich finanziell leisten können, bauen die üblichen Bestände zum Jahresende auf, während andere Marktteilnehmer ihre Lager geleert haben. Fraglich ist, welche Auswirkungen dies letztendlich auf die tatsächliche Versorgungslage haben wird. Aus Handelskreisen wurde berichtet, dass die Kleinhändler ihr Engagement deutlich zurückgefahren haben, weil bei dem aktuellen Preisniveau zum Beispiel für Mischschrott das Sammeln nicht mehr kostendeckend ist. Gleichzeitig treibt der Handel seine Kostensenkungsmaßnahmen voran. Dies reicht zum Beispiel von Personalabbau über flexible Arbeitszeitmodelle und stark angepasste Maschinenlaufzeiten bis hin zu Stilllegungen von Lkw. In der aktuellen Situation bleiben Investitionen in die notwendige qualifizierte Aufbereitung jedoch auf der Strecke.

Redaktionsschluss 20.11.2015, BG-J/bvse

Foto: O. Kürth

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(EUR1215S36)