Serbien: Weg von der 97-Prozent-Deponierung

Serbiens Abfallsektor steht in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Mit dem langfristigen Ziel, der EU beizutreten, sind auch deren Umweltstandards landesweit umzusetzen. (Foto: Erich Westendarp  / pixelio.de)

Die nationale Müllstrategie basiert auf rund zwei Dutzend regionaler Abfallwirtschaftszentren. Etwa die Hälfte ist fertiggestellt oder nimmt Gestalt an. Eine funktionierende Trennung, Sortierung und Wiederverwertung des anfallenden Siedlungsabfalls war zumindest bis 2010 kaum vorhanden. Mit der voranschreitenden Umsetzung von Maßnahmen, die in der nationalen Strategie zum Abfallmanagement 2010 bis 2019 definiert wurden, zeichnet sich eine schrittweise Besserung ab.

Wiederverwertungsanteil bei 2,7 Prozent

Das Aufkommens an Haushaltsabfällen soll zwischen 2009 und 2020 um 42 Prozent von 2,37 auf 3,38 Millionen Tonnen steigen. Ebenso soll die organisierte Sammlung bei Privathaushalte bis 2020 auf ungefähr 90 Prozent steigen. Dem aktuellen Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission zu Serbien zufolge lag die Erfassungsrate im Oktober 2014 bei 80 Prozent und somit um zwei Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor. Nach wie vor wird das Gros aller im Land anfallenden Abfälle auf Deponien verbracht. Nach 2013 mit 98,1 Prozent verringerte sich der entsprechende Anteil 2014 leicht auf 97,0 Prozent. Dies ist in erster Linie dem Ausbau des Recyclings geschuldet. Mit einem Anteil von 2,7 Prozent blieb der Rückgriff auf Möglichkeiten der Wiederverwertung aber auch 2014 noch sehr überschaubar (2013: 1,8 Prozent). Andere Methoden der Abfallbehandlung wie etwa mechanisch-biologische Verfahren kommen derzeit so gut wie nicht zum Einsatz. In geringen Mengen werden Abfälle (Altreifen) in serbischen Zementwerken verbrannt.

Auf Regionalkonzepte zugeschnitten

Serbiens nationale Abfallstrategie, die gerade aktualisiert wird, zielt bei der Abfallsammlung und -entsorgung auf ein Regionalkonzept ab. Jede dieser Regionen soll über eine Deponie (der Größe nach auf die jeweilige Einwohnerzahl zugeschnitten), Sortierkomplexe für wiederverwertbare Materialien sowie nach Bedarf über Abfallumladestationen verfügen. Die Agentur für Umweltschutz (Agencija za zastitu zivotne sredine; SEPA,  www.sepa.gov.rs) kalkuliert für ein flächendeckendes Abfallmanagement landesweit insgesamt 44 Umladestationen, 17 Recyclingzentren, sieben Kompostieranlagen sowie bis zu vier Anlagen für die thermische Verwertung kommunaler Abfälle. Die Anzahl der Regionalkomplexe soll bis Ende 2018 etwa zwei Dutzend erreichen. Knapp die Hälfte davon wurde bisher gegründet und geht je nach Baufortschritt sukzessive in Betrieb. Laut EU-Kommission galten im Oktober 2014 landesweit insgesamt sieben Regionaldeponien als konform mit den entsprechenden Brüsseler Standards.

Investitionsbedarf rund 800 Millionen Euro

Der in Preisen von 2010 kalkulierte Investitionsbedarf bewegt sich bei insgesamt etwa 800 Millionen Euro. Davon entfallen knapp 620 Millionen Euro auf die Behandlung der Siedlungsabfälle. Das Schließen von Altdeponien und wilden Müllkippen wird voraussichtlich 145 Millionen Euro kosten, das Sammel- und Erfassungssystem etwa 235 Millionen Euro. Darunter fallen beispielsweise neue Sammelcontainer, Pressmüllwagen und andere zur Abfallsammlung benötigte Fahrzeuge sowie die Technik für Abfallumladestationen. Für neue Deponien (jeweils deren erste Zelle), Sortierkomplexe für Verpackungsabfall und Kompostieranlagen werden knapp 240 Millionen Euro veranschlagt.

Weiter aufwärts geht es mit dem Erfassen und Verwerten von Verpackungsabfall. Im Sommer 2015 gab es hierfür landesweit sechs Sammelsysteme. Entsprechend der festgelegten Zielquoten soll die allgemeine Verwertungsrate von ursprünglich vier Prozent (2010) im Jahr 2015 auf etwa 31 Prozent zulegen und 2019 bereits bei 55 Prozent liegen. Der aktuelle Verpackungsabfall-Bericht der SEPA sah die Recyclingquote 2014 bei knapp 31 Prozent. Je nach Materialart reichen die bis 2019 angepeilten Ziele von 15 Prozent für Holz (erreicht wurden 2014: 11,1 Prozent) über 22,5 Prozent für Kunststoffe (17,3 Prozent) sowie 43 Prozent für Glas (16,2 Prozent) und 44 Prozent für Metall (38,1 Prozent) bis hin zu 60 Prozent für Papier und Kartonagen (60,4 Prozent).

Foto: Marc Weigert

Foto: Marc Weigert

Über 2.500 Dienstleister

Über eine lokale Produktion von Ausrüstungen für den Abfallsektor in Serbien liegen kaum Informationen vor. Mit der Möglichkeit, vor Ort bestimmte Technik für den Bereich herzustellen, wird die Energie- und Umweltsparte der koreanischen Hyundai-Unternehmensgruppe in Verbindung gebracht. Demgegenüber geht die Anzahl der Dienstleister im serbischen Abfallsektor in die Tausende. Über die Genehmigungen zur Ausübung entsprechender Tätigkeiten führt die SEPA ein Register. Dort fanden sich mit Stand Mitte Mai 2015 insgesamt 2.530 Einträge (im Vergleich dazu Mitte 2014: 1.777) von 1.850 juristischen Personen (1.327) aus der Kommunal- und Privatwirtschaft. Besonders hoch im Kurs lag die Sparte „Mülltransport“ mit 1.855 (1.308) Lizenzen, gefolgt vom „Abfallsammeln“ mit 1.622 (1.143) Einträgen. Die Rubriken „Mülllagern“ und „Behandeln/Sortieren von Abfällen“ brachten es auf landesweit 746 (505) und 626 (443) Genehmigungen. Demgegenüber waren Mitte Mai 2015 lediglich 40 (23) Firmen für die „Abfallentsorgung/-verwertung“ offiziell lizenziert.

Vorreiter für moderne Lösungen

Als Vorreiter für moderne Lösungen zur Abfallentsorgung in Serbien gilt eine Handvoll ausländischer Unternehmen. So etwa das Konsortium PWW der österreichischen Firmen Porr Umwelttechnik und Werner & Weber, das sich um den Abfall von insgesamt rund 600.000 Einwohnern kümmert. Ebenfalls aus Österreich stammt die Brantner-Gruppe , die in vier Gemeinden präsent ist. Dem Sammeln, Sortieren und Endlagern von kommunalen Abfällen mit geografischen Schwerpunkten geht zudem die spanisch-österreichische FCC Environment nach. Interesse an der serbischen Entsorgungswirtschaft haben auch französische Unternehmen sowie die deutsche Remondis-Gruppe signalisiert. Als einer der wichtigsten Akteure im Bereich Metallrecycling gilt Inos-Sinma. Eine Schlüsselrolle in der Wiederverwertung von PET-Flaschen spielen die von der rumänischen Green Group initiierte Firma Greentech und die serbisch-österreichische Kooperation Alwag. Recan, eine Tochter von Bell Packaging Europe, betreibt in Belgrad ein Recyclingzentrum für Aluminiumdosen. Jugo-Impex kümmert sich schwerpunktmäßig um das Recycling großer wie kleiner Elektrohausgeräte und ausrangierter IT-Ausrüstungen.

Weiterhin Bedarf nach Ausrüstung und Know-how

Für Zölle und Einfuhrverfahren ist in Serbien die Zollverwaltung (Uprava Carina, www.carina.rs) zuständig. Informationen zu Normen und Standards vermittelt das Institut für Standardisierung (Institut za standardizaciju Srbije, www.iss.rs).

Serbiens gesetzlicher Rahmen zum Abfallmanagement hat sich in den letzten Jahren immer weiter den EU-Regularien angenähert. Mit dem Inkrafttreten der Gesetze zum Abfallmanagement sowie zu Verpackungen und Verpackungsabfall 2009 sowie der entsprechenden nationalen Strategie sollen seit 2010 bereits rund 70 Prozent der Anforderungen der Abfallrahmenrichtlinie der EU erfüllt sein. In der Zwischenzeit sind weitere relevante Gesetze und Verordnungen dazugekommen. Der dadurch weiterhin bestehende Ausrüstungsbedarf verspricht Technikanbietern recht gute Geschäftschancen. Zudem sind erfahrene Partner für Betreibermodelle gefragt.

Autor: Jan Triebel/Quelle: German Trade & Invest

Foto: Erich Westendarp  / pixelio.de

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