Frankreich: Verschärfter Wettbewerb drückt die Margen

Trotz steigender Materialmengen sind die Umsätze der französischen Recyclingindustrie 2014 auf rund neun Milliarden Euro zurückgegangen. Gesunkene Rohstoffpreise verschärfen den Wettbewerb mit Neumaterialien und drücken die Margen. Dennoch hat die Branche ihre Investitionen um fünf Prozent gesteigert.

Die französische Abfallwirtschaft hat 2013 nach Angaben der nationalen Umweltagentur Ademe 20,2 Milliarden Euro umgesetzt, 2,9 Prozent weniger als 2012. Davon entfielen 8,3 Milliarden Euro auf die Abfallsammlung und -behandlung, 11,1 Milliarden Euro auf die Wiedergewinnung von Wertstoffen und weitere 0,8 Milliarden auf Reinigungsmaßnahmen wie Bodensanierung. Das Abfallaufkommen in Frankreich betrug 344,7 Millionen Tonnen, rund zehn Millionen Tonnen weniger als 2010, was vor allem auf die schleppende Baukonjunktur zurückzuführen ist. Pro Kopf waren es damit 5,3 Tonnen (EU-Durchschnitt: 4,9 Tonnen). Hauptverursacher bleibt das Baugewerbe mit 71,6 Prozent vor den Privathaushalten (8,7 %), der Industrie (7,5 %), dem Dienstleistungssektor (6,4 %) und der Abfall- und Abwasserentsorgung (5,4 %). Nur einen geringen Anteil steuern die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei mit 0,4 Prozent bei.

38 Millionen Tonnen Abfälle recycelt

Die kommunalen Entsorgungsunternehmen sammelten 2013 540 Kilogramm pro Einwohner und insgesamt 37,6 Millionen Tonnen Abfälle ein – 3,5 Prozent weniger als 2011 (38,5 Millionen Tonnen). Davon sind etwa 80 Prozent Abfälle der privaten Haushalte. Der Rest entfällt auf kleine Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die ihre Abfälle mit den Haushaltsabfällen entsorgen. Der französische „Plan National de Prévention des Déchets 2014-2020“ vom November 2013 sah die Verringerung der Haushaltsabfälle bis 2020 um sieben Prozent gegenüber 2010 vor. Das am 22. Juli 2015 verabschiedete Gesetz zur Energiewende für grünes Wachstum (Loi de Transition Énergétique pour la Croissance Verte) enthält auch einen Passus zur Verringerung des Stoffverbrauchs und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Der neue Plan zur Verringerung und Verwertung der Abfälle (Plan de Réduction et de Valorisation des Déchets) erhöht das Ziel für die Abfallreduzierung pro Einwohner bis 2020 auf zehn Prozent gegenüber 2010. Die Inwertsetzung, also Recycling oder energetische Nutzung, soll bis 2020 einen Anteil von 50 Prozent der Haushaltsabfälle erreichen und bis 2025 auf 60 Prozent steigen.

Die Entsorgungsinfrastruktur in Frankreich umfasste 2012 für Siedlungsabfälle 238 Deponien für ungefährliche Abfälle, 390 Sortier-, 588 Kompostier- und 126 Verbrennungsanlagen, darunter 113 Energieerzeugungsanlagen. Hinzu kommen zehn Methanisierungsanlagen für Hausabfälle. Industrieabfälle wurden 2012 zu 67 Prozent dem Recycling zugeführt. Zusammen mit der Weiterverwertung, der energetischen Nutzung und der Kompostierung betrug der Verwertungsanteil 91 Prozent. Gefährliche Abfälle (2012: 11,3 Millionen Tonnen) werden zu 40 Prozent wiederverwertet, weitere 28 Prozent werden verbrannt und 32 Prozent deponiert. Der Umsatz der Recyclingindustrie in Frankreich sank 2014 um zwei Prozent auf 9,03 Milliarden Euro, obwohl die Menge an verarbeitetem Material um 3,5 Prozent gestiegen ist. Verantwortlich für das Umsatzminus war vor allem die Sparte Rückgewinnung von Stahl, in geringerem Maße auch das Papierrecycling. Rund 38 Millionen Tonnen Abfälle wurden 2014 dem Recycling zugeführt.

Die Wiederverwertung von Verpackungsabfällen organisiert in Frankreich die Organisation Eco-Emballages. Die Recyclingquote lag 2014 in diesem Bereich mit 67 Prozent auf Vorjahresniveau und variiert je nach Material deutlich. Eco-Emballages will im Rahmen eines „Plan de Relance du Recyclage“ vor allem die Wiederverwendung von Kunststoffen erhöhen – derzeit nur 24 Prozent –, die Abfallsammlung verbessern, vor Ort stärker informieren und mehr Kostentransparenz schaffen. Ziel ist eine Recyclingquote von insgesamt 75 Prozent. Nach einer im September 2015 angekündigten Verordnung des französischen Umweltministeriums dürfen ab dem 1. Januar 2016 an den Kassen des Einzelhandels keine Einweg-Plastiktüten mehr ausgegeben werden. Ab dem 1. Januar 2017 betrifft dies auch zur Verpackung von Obst und Gemüse verwendete Tüten.

Mittelfristig hohe Investitionsneigung

Die Investitionen der französischen Recyclingindustrie beliefen sich 2014 nach Angaben des Dachverbandes Federec auf 451,5 Millionen Euro (2013: 420 Millionen); das waren fünf Prozent des Umsatzes. Die Investitionsneigung dürfte mittelfristig hoch bleiben. Da immer mehr Abfälle in den Stoffkreislauf einbezogen werden, steigen die technischen Anforderungen.

An die Stelle der 34 Themenfelder, die das französische Wirtschaftsministerium im Rahmen des im Herbst 2013 präsentierten Programms „Nouvelle France Industrielle“ besonders fördern wollte, trat im Frühjahr 2015 ein auf zehn Bereiche gestraffter Plan. Dazu gehört das Gebiet „Neue Ressourcen“ (Nouvelles Ressources), das darauf zielt, den Einsatz biogener Rohstoffe zu erhöhen und die Recyclingquote nicht gefährlicher Abfälle bis 2020 auf 50 Prozent zu steigern. Am 15. September 2015 wurde ein neuer Projektaufruf zu Kreislaufwirtschaft, Recycling und Verwertung von Abfällen (Economie Circulaire, Recyclage et Valorisation des Déchets) gestartet. Ademe verwaltet die Ausschreibung, Abgabedaten für Projektvorschläge sind der 11. Januar, 11. April, 12. September und 21. November 2016.

Um Forschung und Entwicklung im Recycling zu intensivieren, hat Frankreich 2010 einen „Pôle de Compétitivité“ namens Pôle Team2 in der Region Nord-Pas-de-Calais geschaffen (www.team2.fr). Weitere Kompetenzzentren tangieren den Sektor wie etwa Axelera (Chemie und Materialien, www.axelera.org), IAR (Agro-Ressourcen, Biorohstoffe, www.iar-pole.com), Plastipolis (Kunststoffe, www.plastipolis.fr) oder Techtera (Materialforschung, www.techtera.org).

Mehr Branchen eingebunden

Im Zuge der erheblich ausgeweiteten Differenzierung und Wiederverwertung von Abfallstoffen in Frankreich hat die Anzahl der Branchenfirmen in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die sinkenden Gewinne sorgen derzeit für eine gewisse Konsolidierung. 2013 zählte die Branche 6.050 Unternehmen, darunter etwa 2.300, die sich mit Sammlung und Behandlung und 3.800, die sich mit der Entsorgung und Wiederverwertung von Abfällen befassen. Der französische Branchenverband für das Recycling Federec repräsentiert über 1.300 Unternehmen mit 26.500 Beschäftigten und 2.500 Betrieben. Die meisten Firmen sind in mehreren Zweigen gleichzeitig aktiv. 2013 arbeiteten in der Verwertung von Eisen und Stahl 1.200 Betriebe, von NE-Metallen 1.050, Papier und Pappe 700, Kunststoffen 700, Fahrzeugen 268, Holzabfällen 450, Textilien 100, Glas 150, Chemikalien 49, Federn und Daunen elf sowie sonstigen Materialien 410. An der Spitze der französischen Abfallwirtschaft stehen die Großkonzerne Veolia Propreté (Veolia Environnement) und Sita (Suez Environnement) sowie mit Derichebourg, Paprec und Séché drei auch auf europäischer Ebene bedeutende mittelgroße Firmen. Dahinter folgt eine Vielzahl kleiner und mittlerer Familienunternehmen. Während die beiden Großen etwa 70 Prozent Marktanteil bei der Müllverbrennung haben, sind sie nur mit circa 15 Prozent an der Recyclingwirtschaft beteiligt, die vor allem mittelständisch geprägt ist.

Das Programm zur „erweiterten Verantwortung der Hersteller“ (Responsabilité Élargie du Producteur, REP) bindet sukzessive mehr Branchen in die Sammlung und Wiederverwertung von Rohstoffen ein. In einigen Bereichen wurden aufgrund europäischer Richtlinien oder französischer Gesetze verpflichtende, in weiteren Feldern freiwillige Ziele vereinbart. Zur ersten Gruppe gehören unter anderem Elektro- und Elektronikabfälle, Batterien, Altautos, Medikamente, Lösungsmittel, Kühlflüssigkeiten und Verpackungen. Auf nationaler Ebene eingeschlossen sind beispielsweise Reifen, Möbel, Textilien und Haushaltschemikalien. Freiwillige Vereinbarungen existieren etwa für pflanzliche Heilstoffe, Druckerpatronen sowie Verpackungen von Saatgut und Düngemitteln. In der Regel gibt es für jedes Segment ein oder mehrere Rücknahmesysteme (Éco-Organisme), die meist von den Herstellern getragen werden. Germany Trade & Invest (www.gtai.de) hat weitere Infos zu einzelnen Abfallkategorien zusammengestellt, und zwar zu Elektro-/Elektronikaltgeräten, Verpackungen, Altkleidern/Schuhen/Möbeln, medizinischen Abfällen, chemiebasierten Haushaltsabfällen und Kühlmitteln.

Verfasser: Dr. Marcus Knupp
Quelle: Germany Trade & Invest

(EUR0116S26)