Schrottmarktbericht Januar 2016: Handel in Jahresendstimmung

Die im Dezember übliche Stimmung im Schrottmarkt prägte auch das Geschehen. Einige Schrotthändler hatten ihre Bücher vorzeitig geschlossen, zeigten wenig oder kein Verkaufsinteresse und spekulieren auf eine Marktbelebung im Januar. Andere Händler liefern ratierlich bis zum möglichen letzten Eingangstag, weil sie keine Marktveränderung im Januar 2016 erwarten. Die dritte Gruppe muss aus Bonitätsgründen liefern und baut keine Bestände auf. Der Grad der Marktbeeinflussung durch die jeweilige Gruppe wird sich spätestens im Januar und Februar zeigen. Einige Werke haben versucht, sich mit Schrottmengen über den Dezemberbedarf hinaus einzudecken, um am Jahresanfang mit einer starken Verhandlungsposition aufwarten zu können.

Die Beschaffungsmöglichkeiten waren jedoch regional recht unterschiedlich und zum Teil begrenzt. Während beispielsweise im Süden das Angebot ausreichend war, hätten die Werke im Osten Deutschlands trotz der Stillstände der Elektrostahlwerke gerne mehr gekauft, als geliefert werden konnte. Insgesamt bestätigte der Handel, dass die von ihm angebotenen Mengen abgenommen wurden. Das Preisniveau basierte auf dem Einfluss der hohen türkischen Nachfrage im vergangenen Monat. Die Schrottverbraucher mussten sich in den deutschen und europäischen Werken an den Exportpreisen orientieren, um sich mit den notwendigen Mengen eindecken zu können. Je nach Werk und Sorte sowie Preisniveau im November erhöhten sie daher die Preise von durchschnittlich 5 bis 10 Euro pro Tonne. Altschrott war wie schon in den vergangenen Monaten die gesuchteste Sorte. Sie konnte nicht im gewünschten Umfang vom Schrotthandel beschafft werden. Werke mit höherem Bedarf mussten zusätzliche Preiszugeständnisse machen.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder
Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Nachbarländer
Im Dezember belebte sich in Algerien die Baustahlnachfrage, wovon die Stahlwerke in Italien profitieren. Aus dem im November angekündigten geringen Dezemberbedarf entwickelte sich daher eine ansprechende Nachfrage. Werke mit dringendem Bedarf erhöhten ihre Preise um 10 Euro pro Tonne gegenüber dem Vormonat. Die Verbraucher betonten, die Preiserhöhung sei nicht der wirtschaftlichen Lage, sondern nur der besonderen Situation im Dezember geschuldet. Die Versorgung der Werke sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland erfolgte problemlos; dennoch ist die Schrottanlieferung trotz der ferienbedingten Stillstände über drei bis vier Wochen fast durchgehend möglich. Da der luxemburgische Verbraucher seine Angebotspreise im November unverändert gelassen hatte, erhöhte er für Dezember – bei einem hohen Bedarf je nach Sorte – die Preise um 7,50 bis 13,50 Euro pro Tonne. In den Niederlanden hat der größte Verbraucher nur einen geringen Bedarf. Er erhöhte die Annahmepreise nur minimal. In Frankreich stiegen die Preise je nach Abnehmer und dessen Bedarf um bis zu zehn Euro pro Tonne, teilweise blieben sie unverändert. Die Verbraucher in der Schweiz erhöhten die Preise für die ausländischen Lieferanten um bis zu zehn Euro pro Tonne. Die angebotenen Mengen deckten nicht die vorhandene Nachfrage. Sowohl der Alt- als auch der Neuschrottbedarf waren schwierig abzudecken. Die polnischen Schrottanbieter konnten von einer hohen Inlandsnachfrage profitieren und verlangten wegen der ungünstigen Währungsparitäten einen höheren Euro-Zuschlag als den, den die deutschen Werke bereit waren zu zahlen. Der Lieferumfang aus Tschechien war ebenfalls wegen der dortigen Preiserhöhung von bis zu sieben Euro pro Tonne niedriger als erwartet.

Gießereien
Die an keinen Index gebundenen Gießereien ließen ihre Einkaufspreise wegen des ferienbedingt verminderten Bedarfs gegenüber dem Vormonat unverändert. Traditionell halten viele Gießereien über den Jahreswechsel die Produktion an. Für Januar hat die eine oder andere Gießerei jedoch bereits Kurzarbeit angekündigt. Die Auftragslage ist je nach Produktionsprogramm immer noch sehr unterschiedlich.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Export in Drittländer
Nach ihrer Einkaufswelle im November haben sich die türkischen Schrottverbraucher weitgehend vom Tiefseemarkt ferngehalten. Lediglich neun bis zehn Schiffsladungen wurden im Ostseeraum und in Nordeuropa bei nahezu unveränderten Preisen gekauft. Die türkischen Verbraucher sind bemüht, keinerlei Preiserhöhungen zu provozieren, denn auch die türkische Stahlindustrie leidet in hohem Maße unter dem weltweiten Stahlüberangebot und der aggressiven Preispolitik der chinesischen Stahlexporteure.

Schlussbemerkungen
In ihrer Pressemeldung vom 18.12.2015 warnt die Wirtschaftsvereinigung Stahl vor der Gefahr der steigenden chinesischen Stahlbilligimporte in die EU. Sie belasten weltweit die Märkte und verursachen einen harten und unfair ausgetragenen Verdrängungswettbewerb mit der deutschen Stahlindustrie. Der Stahlverband senkt seine Prognose zur deutschen Rohstahlproduktion für das kommende Jahr um drei Prozent auf 41,5 Millionen Tonnen. Die Auftragslage verschlechtert sich seit dem dritten Quartal 2015 deutlich, und die Auftragsbestände sind zu Beginn des letztes Jahresviertels auf das niedrigste Niveau seit 2009 gefallen. Obwohl die Kapazitätsauslastung mit 84 Prozent hoch bleiben dürfte, fürchtet die WV-Stahl weitere Marktanteilsverluste zugunsten chinesischer Anbieter. Sie erwartet von der EU sowohl eine schnelle Reaktion im Hinblick auf Schutzmaßnahmen gegen Dumpingimporte als auch in der Klimapolitik eine Ausgestaltung des Emissionsrechtehandels, ohne Belastungen für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlhersteller.

Grafik: bvse

Grafik: bvse

Der Schrottwirtschaft blickt ebenfalls mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2016. Das Absinken der Rohstahlproduktion wird den Schrottverbrauch nochmals negativ beeinflussen. Die Grafik  macht auf Basis indizierter Preise das Dilemma sichtbar, in dem die Rohstoffmärkte stecken. Die Preisrichtung ist bei allen ausgewählten Rohstoffen eindeutig. Der Rückgang der Schrottpreise um fast 35 Prozent war so stark, dass leichte Preiserholungen die über das Jahr 2015 erlittenen Verluste nicht ausgleichen konnten. Ein Gesundschrumpfen der Branche scheint unabwendbar.

Ob die Einstellung der Veröffentlichung von Durchschnittspreisen der WV-Stahl zum Jahresende zur Beruhigung im Entfallstellengeschäft beitragen wird, muss abgewartet werden. Für Januar ist die Einschätzung über die Preisrichtung dreigeteilt, ebenso wie das oben erwähnte Verkaufsverhalten des Handels im Dezember. Der weitaus größte Teil der befragten Händler erwartet jedoch unveränderte bis leicht steigende Preise. Eine mögliche Preisbelebung wird als eher kurzfristig angesehen, weil kaum jemand davon ausgeht, dass sich die Fundamentaldaten der Wirtschaft kurzfristig grundlegend ändern.

Übrigens: Die Macht ist mit uns! In der aktuellen Star Wars Episode 7 hat Schrotthändlerin Rey eine tragende Rolle. Sie lebt auf dem Wüstenplaneten Jakku vom Demontieren ausgemusterter Sternenzerstörer. Nebenbei ist sie auf der Suche nach Luke Skywalker und entdeckt dabei, dass auch bei ihr die Macht stark ausgeprägt ist. Um es mit Meister Yoda zu sagen: „Dies sollen zu eigen uns wir machen und ausspielen der Schrottwirtschaft Stärken!“ Die Branche ist und bleibt also zukunftsträchtig.

Redaktionsschluss 18.12.2015, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: O. Kürth

(EUR0116S32)