Bulgarien: Langsam bessert sich die Situation

Über 4.500 Siedlungen im Land verfügen jetzt über eine geregelte Abfallentsorgung. Viele nicht-konforme Deponien müssen aber noch geschlossen werden. Für den weiteren Aufbau von Abfallmanagementsystemen stehen in der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 rund 288 Millionen Euro bereit. Die Recyclingquote liegt – Stand 2013 – bei 25 Prozent. (Foto: Helga Ewert  / pixelio.de)

Bulgariens Abfallaufkommen sinkt und erreichte 2013 nach Angaben des bulgarischen Statistikamts insgesamt 149,4 Millionen Tonnen, davon 136,9 Millionen Tonnen nicht gefährliche und 12,5 Millionen Tonnen gefährliche Abfälle. Die Menge an Siedlungsabfällen betrug 3,14 Millionen Tonnen; davon wurden 1,86 Millionen Tonnen deponiert und 0,271 Millionen Tonnen recycelt. Siedlungsabfälle mit sekundärer Behandlung lagen bei 1,005 Millionen Tonnen. Das Bauabfallaufkommen betrug 0,999 Millionen Tonnen.

Den Informationen zufolge läuft der Aufbau von regionalen Abfallmanagementsystemen; alte Deponien, die den EU-Standards nicht entsprechen, werden stillgelegt. Bulgarien verfügte 2013 landesweit über 144 Systeme für kommunale Abfälle, 30 davon waren regional. Insgesamt 4.571 Siedlungen erfahren inzwischen eine geregelte Abfallentsorgung. Die Pro-Kopf-Sammelmenge lag 2013 bei 434 Kilogramm. Laut Eurostat bestrug die Deponierungsquote von Abfällen – dominante mineralische Abfälle ausgenommen – 70 Prozent. Der Ausstattungsgrad mit moderner Abfall- und Recyclingtechnik ist dabei sehr gering. Und der Bedarf an Sammelbehältnissen, Sortier- und Kompostierungsanlagen und Deponietechnik groß: 58 Gemeinden planen Investitionen in neue Abfalltonnen. Nicht ausreichend vorhanden sind Behälter für die Getrenntsammlung. Die Abfallsammelfahrzeuge sind veraltet und müssen ersetzt werden. Für die Schließung der alten Halden sowie den Bau neuer Deponien stehen umfangreiche EU-Fördermittel bereit.

Die EU-Kommission hatte von Bulgarien bis Juli 2009 die Einrichtung von 57 modernen Regionaldeponien und die Schließung von 200 alten Deponien verlangt. Der Bau neuer Abfalldeponien verzögerte sich erheblich, sodass die EU Fördermittel des „Operationellen Programms Umwelt 2007-2013“ eingefroren wurden. Auch in der neuen Förderperiode 2014 bis 2020 werden Umweltprojekte eine große Rolle spielen. Die EU fördert das ökologische Management der Abfälle mit 562,8 Millionen Lewa (etwa 288 Millionen Euro). Der Abruf der Fördermittel verlief in der Vergangenheit selten reibungslos. Trotz vieler Probleme im Rahmen der EU-Projekte ist insgesamt aber eine langsame Verbesserung der Situation zu beobachten.
Recyclingziele bis 2020

Zwischen 2008 und 2013 ist das Aufkommen an Siedlungsabfällen um fast 30 Prozent zurückgegangen. Eurostat gibt die Recyclingquote 2013 in Bulgarien mit 25 Prozent an. Die Recyclingziele für Siedlungsabfälle aus Papier, Metall, Kunststoff und Glas lauten nach dem Programm für Abfallmanagement 2014 bis 2020 ab 1. Januar 2016 auf mindestens 25 Prozent  vom Gesamtgewicht (2018: mindestens 40 Prozent; 2020: mindestens 50 Prozent). Die regionalen Ziele für die getrennte Sammlung und Verwertung von Bioabfällen der Haushalte liegen bis 31. Dezember 2016 bei mindestens 25 Prozent der Bioabfälle 2014 (31. Dezember 2020: 50 Prozent; 31. Dezember 2025: 70 Prozent). Bis 2020 sind Investitionen in Höhe von 102,8 Millionen Lewa zur Anschaffung von Tonnen für die getrennte Sammlung von Bioabfällen und von betreffenden Transportfahrzeugen vorgesehen.

Die Haushalte erzeugen 90 Prozent der Siedlungsabfälle. Über 65 Prozent entstehen in Südbulgarien. Fast 70 Prozent des Aufkommens werden deponiert, 25 Prozent recycelt. Mit Blick auf die Kompostierung von Siedlungsabfällen liegt Bulgarien mit einer Quote von 3,5 Prozent auf den hinteren Plätzen in der EU. Etwa 50 bis 60 Prozent der Siedlungsabfälle sind biologisch abbaubar. In Gemeinden über 50.000 Einwohner liegt der Anteil der Nahrungsmittelabfälle bei 30 Prozent, gefolgt von Papier und Pappe mit etwa 20 Prozent.

2012 lag die Verwertungsrate von Verpackungsabfällen in Bulgarien bei 67,5 Prozent. Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen für die Getrenntsammlung, Sortierung und Behandlung besonders von biologisch abbaubaren Siedlungsabfällen sind notwendig. Im „OP Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit 2014 bis 2020“ sind Fördermittel für den Bau von Anlagen für Separierung und Recycling von Abfällen aus Kunststoff, Papier und Pappe sowie Glas vorgesehen. Dabei wird die Fortsetzung von Public-Private Partnerships (PPP) zwischen den Gemeinden und Organisationen zur Abfallbehandlung weiter gefördert.

Gesetzliche Grundlage für die bulgarische Abfallwirtschaft bildet seit dem 13. Juli 2012 das „Gesetz für das Management von Abfällen“, das sich an der EU-Richtlinie (2008/98/EG) orientiert. Der „Nationalplan Abfallmanagement 2014 bis 2020“ enthält verschiedene Nationalprogramme, darunter zur Abfallvermeidung und für die Zielerreichung beim Recycling von Siedlungsabfällen, biologisch abbaubaren Abfällen und Abfällen im Baugewerbe. Das Nationalprogramm zur Abfallvermeidung hat drei operative Ziele: Verringerung der Abfallmenge, Reduzierung der negativen Auswirkungen von Abfällen und Verminderung der in den Stoffen und Produkten enthaltenen Schadstoffe.

Großprojekt in Sofia

Im Rahmen des „Operationellen Programms Umwelt“ (OP Umwelt) der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 stehen insgesamt 1,77 Milliarden Euro (einschließlich nationaler Kofinanzierung) zur Verfügung. Im Jahr 2015 wurde eine Abfallbehandlungsanlage in Sofia für 176,9 Millionen Euro in Betrieb genommen, finanziert aus Mitteln der EU-Förderperiode 2007 bis 2013. Dort werden ausschließlich Siedlungsabfälle der Hauptstadt verarbeitet. Die Kapazität der Anlage beträgt 410.000 Tonnen Abfall pro Jahr beziehungsweise 1.300 Tonnen pro Tag. Durch das Werk reduziert sich die Deponiequote der Siedlungsabfälle der Stadt Sofia um 52 Prozent. 57 Prozent des Aufkommens wird recycelt und 180.000 Tonnen pro Jahr Ersatzbrennstoff produziert.

Das Werk ist Teil eines Großprojekts der Gemeinde Sofia für ein integriertes System zur Behandlung von Siedlungsabfällen. Es besteht aus Kompostieranlagen für Nahrungsmittel und Grünabfälle, Depots für nicht gefährliche Abfälle, einer Kläranlage und einem Pilotprojekt für die getrennte Sammlung von Abfällen in den Wohnvierteln Kremikovzi und Ovtscha Kupel. Die dritte Stufe des Investitionsvorhabens wird durch das „OP Umwelt 2014 bis 2020“ finanziert. Es enthält den Bau einer Müllverbrennungsanlage für 138 Millionen Euro. Bis Anfang August 2016 können die Gemeinden Projektvorschläge zum Bau von Kompostierungsanlagen für separat gesammelte grüne oder biologisch abbaubare Abfälle abgeben. Ferner besteht die Möglichkeit zur Finanzierung der Errichtung regionaler Mülldeponien. Seit 2015 wurden 35 alte Halden stillgelegt, weitere 41 sollten bis Ende Oktober letzten Jahres folgen.

Kein einfacher Markt

Der bulgarische Markt gilt als schwer. Ortsansässige Entsorgungs- und Beratungsunternehmen klagen teilweise über die schlechte Zahlungsmoral kommunaler Auftraggeber. Wiederholungen von Ausschreibungen sind häufig. Die Umsetzung von Infrastrukturvorhaben dauert auch deshalb oft sehr viel länger als geplant.

In der Hauptstadt Sofia sind mehrere Entsorgungsunternehmen tätig, unter anderem die bulgarische Firma Titan International Holding, die österreichische Firma Saubermacher und Strabag Umweltservice. Das Register der Entsorgungsfirmen ist auf der Internetseite des bulgarischen Umweltministeriums (www.moew.government.bg) abrufbar. Die Gemeinde Sofia (www.sofia.bg) bietet Informationen über die Abfallentsorgung und die Firmen, die für diese Tätigkeit eine Erlaubnis haben. Deutsche Unternehmen, die den Markt noch nicht kennen, können sich auch an die Auslandshandelskammer Bulgarien (http://bulgarien.ahk.de) wenden. Ausschreibungsdatenbanken, die Tender aus dem Bereich Recycling und Entsorgung enthalten: https://eumis2020.government.bg/bg/s/Procedure/Active (nur auf Bulgarisch), http://ted.europa.eu (in diversen Sprachen) und www.gtai-EU-Ausschreibungen.de

Verfasser: Michael Marks
Quelle: Germany Trade & Invest

Foto: Helga Ewert  / pixelio.de (Blick von Alt-Nessebar auf Neu-Nessebar)

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