Zwischen Verlust und Hoffnung: Paul Bulteels Recycling-Bilder

Abfälle können Lebensräume an Land, in Flüssen und Meeren zerstören und – unsachgemäß behandelt – Gesundheitsschäden verursachen. Verschiedene bekannte Fotografen haben Abfallthemen kritisch mit der Kamera betrachtet, aber meist mit Blick auf die negativen Aspekte für Mensch und Umwelt.

Nicht so der belgische Fotograf Paul Bulteel. Er thematisiert Wiederverwertung und Recycling, fasziniert vom Massenausstoß der Konsumgüter und einem Prozess, der ihnen immer neue Formen verleiht. Bulteel besuchte über 50 Recyclinganlagen in Europa und hielt eindrucksvolle Bilder von Tonnen an recyceltem Papier, Metall, Glas- und Kunststoffprodukten, komplexen Haushaltsgeräten und Maschinen und jeglichen Resten an Konsumgütern fest. Die Ergebnisse dieses Projektes wurden jetzt in einem Foto-Kunstband von Hatje Cantz veröffentlicht, der demnächst erscheinen soll.

Jedes der 101 Fotos in dem Buch ist mit einer Anmerkung versehen, sodass der Betrachter neben visuellen Erfahrungen auch relevante Informationen erhält. Paul Bulteels Philosophie: „Weiterer Fortschritt im Umgang mit Abfällen ist ebenso möglich wie notwendig. Aber es ist auch wahr, dass – würden einige der in diesem Buch illustrierten Verfahren weitweit zur alltäglichen Praxis gehören – zumindest mit einer der drängendsten Umwelt-Herausforderungen auf  diesem Planeten besser umgegangen würde.“ Paul Bulteels Aufnahmen faszinieren, machen aber auch nachdenklich. Der Kunsthistoriker Johan Pas urteilt: „Während einige von Bulteels Bildern eine Stimmung von Verlust, Ruin oder sogar Katastrophe ausdrücken, sind andere fast kindlich bunt und fröhlich, während wieder andere potenzielle Energie und sogar ein Gefühl für Hoffnung andeuten. Im Grunde wartet das ausrangierte Zeugs auf diesen Bildern geduldig auf neuen Sinn und neue Funktion.“

„cycle & recycle”, von Paul Bulteel, herausgegeben von Hatje Cantz, ISBN 978-3-7757-4105-7.

Foto: Paul Bulteel

(EUR0116S44)