ElektroG und E-Schrottrecycling im Wandel

Am 19. November 2015 fand im Rahmen des jährlich durchgeführten bvse-Branchenforums der 14. Elektro(nik)-Altgeräte-Tag in Köln statt.    

Nachdem das ElektroG im Oktober 2015 mit fast eineinhalb-jähriger Verspätung in Kraft getreten ist und mit etlichen Veränderungen sowie Anpassungen verbunden sein wird, haben die Organisatoren des 14. Elektro(nik)-Altgeräte-Tages die neue Rechtslage in den Mittelpunkt gestellt. Das Programm der vom bvse-Fachverband Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling veranstalteten Tagung enthielt neben Informationen zu Inhalten, Vollzug und Umsetzung auch Hinweise auf zukünftige Entwicklungen und Per­spektiven für das E-Schrottrecycling.

Martin Eggstein: Die im Gesetz geforderte Ressourceneffizienz zieht neue Aufgaben für die Behörden nach sich (Foto: bvse)

Martin Eggstein: Die im Gesetz geforderte
Ressourceneffizienz zieht neue Aufgaben für die Behörden nach sich (Foto: bvse)

Nachdem Regierungsrätin Carina Dasenbrock (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, BMUB, Bonn) die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen vorgestellt hatte, sollte eigentlich Ministerialdirigent Martin Eggstein vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg über die „Möglichkeiten und Grenzen der Überwachung“ dieser neuen gesetzlichen Regelungen referieren. Aufgrund einer erheblichen Bahnverspätung erfuhren die Anwesenden aber erst am Nachmittag, dass die in dem Gesetz festgeschriebene Ressourceneffizienz neue Aufgaben für die Behörden bedeutet. Laut Eggstein ist es aber noch nicht ganz klar, wie der neue Aufwand abgedeckt wird.

Darüber hinaus informierte der Ministeriumsvertreter, dass der abfallrechtliche Vollzug fast alle Stadien betrifft, die ein Gerät durchläuft. Das gilt für die Produktkonzeption (Wiederverwendung, Demontage, Verwertung der Altgeräte, Bauteile und Werkstoffe) ebenso wie für Stoffverbote und -beschränkungen, die Registrierung bei der EAR (Stiftung Elektro-Altgeräteregister) sowie die Sammlung und Behandlung der Altgeräte. Wie Eggstein berichtete, wurde bei einem Forschungsvorhaben anhand eines eigens entwickelten Kriterienkatalogs die recyclinggerechte Produktkonzeption von 43 Geräten (Rasierapparate, LCD-Computermonitore, Smartphones und Akku-Schrauber) überprüft. Nach den Angaben zeigte die technische Auswertung, dass die Produktbeispiele bis auf wenige Ausnahmen den Anforderungen entsprachen. Die problemlose Entnahme von Batterien und Akkumulatoren durch Verbraucher war jedoch nicht immer möglich (bei 10 von 34 Geräten).  Die Marktüberwachung im Jahr 2014 ergab, dass einige Elektro(nik)geräte immer noch Schadstoffe wie Blei oder Quecksilber enthalten. Bei der Überprüfung von 40 Prozent (230 von 567) der öffentlichen Sammelstellen in Baden-Württemberg wurden den Angaben zufolge in der Vergangenheit zwar Mängel (beispielsweise die falsche Zuordnung zur Sammelgruppe) festgestellt, aber die meisten ließen sich durch organisatorische Änderungen beseitigen. Was die künftigen Aufgaben in diesem Zusammenhang angeht, so rechnet der Redner mit einem größeren Aufwand, zumal es neue Anforderungen im Hinblick auf Altbatterien gibt. Hinzu kommt die Pflicht zur Sammlung von Verkäufer und Online-Händlern mit einer Verkaufs- beziehungsweise Lager- und Versandfläche von mindestens 400 Quadratmetern. Geräte sammeln dürfen außerdem alle anderen Händler sowie Hersteller und deren Bevollmächtigte. Die behördliche Überprüfung werde prinzipiell wie bei den Sammelstellen der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger erfolgen, so Martin Eggstein.
Welche Zukunft erwartet die Branche?

Ullrich Didszun: Die Anforderungen an die Lagerung und Behandlung von Elektro(nik)-Altgeräten steigen aufgrund der gesetzlichen Auflagen und technischen Herausforderungen (Foto: bvse)

Ullrich Didszun: Die Anforderungen an die Lagerung und Behandlung von Elektro(nik)-Altgeräten steigen aufgrund der gesetzlichen Auflagen und technischen Herausforderungen
(Foto: bvse)

Dass sich das Recycling von Elektro(nik)-Altgeräten in einem Wandel vom Dienstleistungsmarkt zum Rohstoffhandel befindet, ist schon seit längerer Zeit abzusehen. Ullrich Didszun, Geschäftsführer der UDZ Consult in Düsseldorf, stellte in seinem Vortrag die Frage, welche Zukunft den Elektro(nik)-Recycler erwartet, und beschrieb bei dieser Gelegenheit die Bandbreite der Themen, mit denen er sich in seiner Marktstudie im Auftrag des bvse beschäftigt. In dieser Untersuchung wird der Experte nicht nur die gesamte Wertschöpfungskette im E-Schrottrecycling analysieren, sondern auch die Marktsituation in der Logistik, Erst- und Folgebehandlung (Aufbereitung) sowie im Verwertungsbereich beschreiben.

Schon jetzt steht für Ullrich Didszun fest, dass im E-Schrott-Sektor tätige Unternehmen gleichzeitig Umweltdienstleister und Rohstoffhändler sein müssen. Zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen müssen sie investieren, wobei die notwendigen Gelder dafür mit den aktuellen Margen nicht zu verdienen seien. Deshalb fordert der Fachmann, dass die Prozesskosten wieder in die Kalkulation einfließen müssen. Auch sollte eine schlechte Qualität der zu behandelnden Altgeräte reklamiert werden können, meint er.


 

Für die EAR – Stiftung Elektro-Altgeräteregister ergeben sich durch die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen ebenfalls zahlreiche Anpassungen im Geschäftsablauf. Über die notwendigen Umstellungen berichtete EAR-Vorstand Alexander Goldberg. Daneben gab Gefahrgutexperte Bernhard Jäger, Geschäftsführer der Gefahrgutjäger GmbH, Hinweise für die praktische Umsetzung einer ADR-konformen Erfassung und den Transport von Alt-Elektrogeräten mit Lithiumbatterien.

Weitere Themen waren der CENELEC-Standard in Bezug auf das Recycling und die Verwertung von Kunststoffen aus Elektro(nik)-Altgeräten. In einem begleitenden Ausstellerforum hatten die Tagungsteilnehmer Gelegenheit, sich bei Anlagenherstellern und Branchendienstleistern über neueste Techniken und Leistungsportfolios zu informieren.


Brigitte Weber

Foto: O. Kürth

(EUR0116S19)