Hans-Peter Obladen: Mein Blick auf die Branche

Als langjähriger Dienstleister für die Branche der Kreislaufwirtschaft bekommt man so manches mit. Sie ist schon speziell. Vermutlich macht sich aber wohl jede Branche dieses Kompliment zu eigen.

Grundsätzlich unterliegt die Kreislaufwirtschaft aber denselben wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten wie alle Branchen und Unternehmen. Hier steigen bei mir allerdings manchmal Zweifel auf, ob dies flächendeckend ebenso empfunden wird. Deshalb will ich nun versuchen, einige Trends zu identifizieren und hieraus Thesen abzuleiten.

Billiger geht es nicht mehr

Vermutlich pflichten Sie mir bei, wenn ich die niedrigen Margen beklage. In Zeiten, in denen sich Kunden aus einem großen Angebot bedienen können, regiert der Preis. Die Betriebe senken ihre Kostenstrukturen, was auf Dauer die Substanz des Personals und auch der Technik beeinträchtigt. Wir beklagen, dass die öffentliche Infrastruktur marode ist. Gilt dies nicht auch zum Teil auch für unsere Betriebe?

Wir beobachten dies zum Beispiel bei dem Fahrermangel. Nicht wenige Betriebe suchen händeringend neue Fahrer und müssen teilweise sogar Aufträge ablehnen. Die Hauptursache sind aber die niedrigen Löhne. Voraussichtlich werden die Löhne in unserer Branche schneller und deutlicher steigen als die Entsorgungspreise und -gebühren. Die Betriebe werden sich wohl oder übel intensiver um ihre wichtigste Berufsgruppe kümmern müssen.

Die demografische Uhr tickt schneller

Im gewerblichen Bereich ist die Arbeit sehr anstrengend und belastend. Verständlich, dass sich unser Seminar „Altersgerechtes Arbeiten“ guter Nachfrage erfreut. Botschaften sind schnell formuliert. Sehr viel schwieriger ist es, die Arbeitsorganisation umzustellen und Belastungsspitzen abzubauen. Hier kann Beratung Sinn machen, um Krankenstände zu verringern und um das Leistungsniveau zumindest zu erhalten.

Das fachliche Niveau steigt unaufhaltsam

Die aktuelle Diskussion um Entsorgungswege für Styropor wird nicht die letzte ihrer Art sein. Bemerkenswert ist vor allem, dass die öffentliche Debatte erst einsetzte, als das Kind bereits in den Brunnen gefallen war. Es mangelt an Weitsicht und Expertise. Der Engpass wäre durchaus vorhersehbar gewesen. Bislang hat es die Branche nicht geschafft, für alle relevanten Stoffströme das erforderliche Wissen aufzubereiten und zu vermitteln.

Das Seminar ist tot – lang lebe das Seminar

Lernen bleibt generell eine lebenslange Herausforderung. Die Kulturen in den Betrieben unterscheiden sich aber sehr stark. Die einen verfügen über eine eigene Personalentwicklung mit einem auskömmlichen Budget. In anderen Unternehmen ist Fortbildung ein Fremdwort. Die Zukunftsfähigkeit der Betriebe hängt aber von der fachlichen Kompetenz ihres Personals ab. Dies kann durchaus das klassische Seminar in einer Großstadt sein. Immer wichtiger wird aber der Transfer des Gelernten in die berufliche Praxis. Die Grenzen zwischen Bildung und Beratung verschwimmen. Zum Beispiel vermitteln unsere Dozenten systematisch die gefahrgutrechtlichen Belange bei der Annahme von Sonderabfällen. Ein Ortsbesuch hingegen zeigt jedoch oft ein ganz anderes Bild.

www.obladen.de

Foto: Akademie Dr. Obladen GmbH

(EUR0117S14)

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