Qualität bestimmt den industriellen Einsatz

„Kunststoffe in der Umwelt“ war das zentrale Thema des 17. Internationalen Altkunststoff­tages des bvse – Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung in Bad Neuenahr, den mehr als 450 Teilnehmer aus acht europäischen Ländern und China besuchten.

Kunststoffe sind fester Bestandteil des täglichen Lebens. „Die Erfolge in der Technik, aber genauso beim Umweltschutz und in der Medizin, sind insbesondere dem breiten Einsatz von Kunststoffen zu verdanken“, konstatierte bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock in seiner Begrüßung. Dies nähmen die Menschen zwar als ganz selbstverständlich hin, trotzdem werde die Verwendung von Kunststoffen kritisiert. Aus ökologischer und ökonomischer Sicht verlängere das Recycling die Nutzungsphase von Materialien, was unter anderem beim Recycling von Altpapier oder Altglas gut dokumentiert und seit vielen Jahren anerkannt sei. Genauso ein positives Image wünscht sich Rehbock auch für das Kunststoffrecycling.

Der Markt

Wie etabliert die erneute Nutzung von gebrauchten Kunststoffen in Deutschland ist, geht aus der regelmäßig durchgeführten „Consultic-Studie“ hervor. In dieser Datensammlung zu Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen ist dokumentiert, dass mittlerweile nahezu alle Kunststoffabfälle (5,45 Millionen Tonnen in 2011) verwertet werden, entweder stofflich (über 2,3 Millionen Tonnen in 2011) oder energetisch in Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen.

Entsprechend groß ist der Markt für Sekundärmaterial. Laut Dr. Thomas Probst, Referent des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling, registriert die Branche bei Rezyklaten einen guten Absatz. Allerdings weise die bisherige Bilanz für 2014 ein eher ruhiges Marktgeschehen aus, informierte er bei einem Pressegespräch am Rande der Veranstaltung. Sowohl im Inland wie auch im europäischen Binnenmarkt seien kaum Veränderungen zum Vorjahr festzustellen. Aus konjunkturellen Gründen habe die Nachfrage aus China im Vergleich zu den vergangenen Jahren nachgelassen. Während sich bei den Technischen Kunststoffen eine durch die Konjunktur angestoßene Belebung abzeichnet, werden Standardkunststoffe den Angaben zufolge auf stabilem Niveau nachgefra

Dr. Thomas Probst: Erst ein intelligentes Verpackungsdesign ermöglicht dem nachfolgenden Kunststoffrecycling einen entsprechenden Werterhalt des Materials

Dr. Thomas Probst: Erst ein intelligentes Verpackungsdesign ermöglicht
dem nachfolgenden Kunststoffrecycling einen entsprechenden Werterhalt des Materials

gt. Die Kunststoffrecycler hätten jedoch mit Problemen zu kämpfen, hieß es. So seien die von den Sortieranlagen gelieferten Qualitäten nach wie vor unzureichend.

Wie der Referent des Fachverbandes weiter betonte, ermöglicht ein intelligentes Verpackungsdesign dem nachfolgenden Kunststoffrecycling einen entsprechenden Werterhalt des Materials. Allein schon der Wettbewerb hin zu immer dünneren, kostengünstigeren und neuen Materialien reduziere die Recyclingmöglichkeiten deutlich. Als Beispiele für diese recyclingfeindliche Entwicklung nannte er Folienverpackungen und neue PET-Flaschen (opak, mehrlagig, bunt) sowie Verbunde aus Papier und Kunststoffen, die nicht voneinander zu trennen sind.

Auch Biokunststoffe werden nach bvse-Position der Idee einer recyclinggerechten Verpackung nicht gerecht. Sie störten das Kunststoffrecycling erheblich. Ferner verursachten sie zusätzliche Kosten, für die die Sortierer und Kunststoffrecycler aufkommen müssten. Der Ansicht des Branchenverbandes European Plastics, ein Anteil von bis zu zehn Prozent an Biokunststoffen würde das Recycling von mineralölbasierten Kunststoffen nicht stören, wollen sich die Experten im bvse nicht anschließen. „Vorversuche unserer Recycler haben immer wieder bestätigt, dass die Biokunststoffe zu massiven Qualitätsverschlechterungen von Rezyklaten und Kunststofferzeugnissen beitragen können“, informierte Probst.

In diesem Zusammenhang verwies er auf das vom Verband Plastics Recyclers Europe angebotene Online-Tool RecyClass, mit dem sich die Eignung einer Verpackung für das Recycling bestimmen lässt. Mit diesem Programm, das gegen geringes Entgelt jedem zur Verfügung stehe, seien praxisnahe Vorgaben für recyclinggerechte Verkaufsverpackungen entwickelt worden. Laut Probst war es höchste Zeit, den Produktdesignern entsprechende Kriterien an die Hand zu geben.

Neuordnung des Kunststoffrecyclings

Aktuell steht in Deutschland die Novellierung der Verpackungsverordnung an. Der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling begrüße die in der 7. Novelle angelegten neuen Regelungen, unterstrich bvse-Vizepräsident Herbert Snell bei dem Pressegespräch. Er meinte vor allem das Schließen von Schlupflöchern, die bei der Point-of-Sale-Regelung sowie manchen Branchenlösungen existieren; die Novelle soll den Dualen Systemen zu einem verbesserten Nachweis der Mengenerfassung verhelfen. Der bvse-Vizepräsident merkte aber auch kritisch an, dass viele dieser Schlupflöcher von den Dualen Systemen „selbst aufgemacht“ worden sind.

Inzwischen falle es angesichts der öffentlich ausgetragenen Querelen auch den Kunststoffrecyclern schwer, noch länger auf die Wahrnehmung der Produktverantwortung durch die Dualen Systeme zu setzen, meinte Snell. Dennoch müsse es diese – insbesondere im Hinblick auf eine geplante Ausweitung der Sammlung auf stoffgleiche Nichtverpackungen – weiterhin geben. Nach Auffassung des bvse-Fachverband Kunststoffrecycling wird deshalb ein Wertstoffgesetz dringend benötigt.

Dr. Dirk Textor: Die Kunststoffsortierung darf nicht unter dem Druck stehen, den Durchsatz auf Kosten der Qualität zu optimieren

Dr. Dirk Textor: Die Kunststoffsortierung darf nicht unter dem Druck stehen, den Durchsatz auf Kosten der Qualität zu optimieren

Dies unterstrich auch der Fachverbandsvorsitzende Dr. Dirk Textor in seinem Vortrag vor den Teilnehmern des Altkunststofftages. Nach den bisherigen Erfahrungen von Versuchen mit einer Wertstofftonne könnten mehr Materialien gesammelt werden. Hochrechnungen zufolge wäre es möglich, auf diese Weise bis zu 250.000 Tonnen an zusätzlichen Kunststoffen zu erfassen.

Gleichzeitig plädierte Textor für deutlich höhere Recyclingquoten. Die bisher bestehenden werkstofflichen Verwertungsquoten für Verkaufsverpackungen von derzeit 36 Prozent sollten seiner Ansicht nach auf mindestens 50 Prozent angehoben werden. Außerdem sähe er gerne eine transparente und einfache sowie nachvollziehbare und in ganz Europa einheitliche Quotenberechnung realisiert. Die Recyclingquoten selbst sollten sich dabei auf die tatsächlich erfassten Mengen beziehen.

Der Fachverbandsvorsitzende sprach in seinem Vortrag auch die immer schlechter werdende Qualität der Kunststoffströme an. Eine Verbesserung ließe sich schon erreichen, wenn die Vorgaben für die Kunststoffsortierung überprüft würden. „Die Kunststoffsortierung darf nicht unter dem Druck stehen, den Durchsatz auf Kosten der Qualität zu optimieren“, betonte er. Für Dirk Textor ist es auch wichtig, dass es eine Abstimmung hinsichtlich der Qualitätskriterien zwischen Sortierern und Recyclern gibt. „Wir brauchen den Dialog mit denen, die für die Qualität direkt verantwortlich sind“, sagte der Fachmann. Dies sei bislang lediglich eingeschränkt möglich, da für beide Seiten die dualen Systeme die Vertragspartner sind. Überdies sollten die Sortierer die Möglichkeit erhalten, die zurückgewonnenen Sekundärrohstoffe frei zu vermarkten.

Green Fence und Green China

In der Volksrepublik China verfolge der Zoll bei Importen von Sekundärmaterialien nach wie vor strikt die „Green Fence“-Politik, unter anderem um Schmuggel zu unterbinden, informierte Peng Yu von der China Entry-Exit Inspection and Quarantine Association, Reuse and Recycling Sector (CIQAR), Peking, in seinem Vortrag. Damit Altkunststoffe zur weiteren Verarbeitung in das Land eingeführt werden dürfen, muss der ausländische Lieferant über eine gültige Lizenz der chinesischen Behörde „General Administration of Quality Supervision, Inspection and Quarantine (AQSIQ)“ verfügen. Diese AQSIQ-Lizenz ist drei Jahre gültig. Nach dem Rat des Referenten sollte der Antrag auf Verlängerung des Dokuments mindestens drei Monate (oder 90 Tage) vor seinem Ablauf eingereicht werden. Sobald die Lizenz abgelaufen ist, verliert sie ihre Gültigkeit und das betreffende Unternehmen darf keine Handelsgüter in das Land bringen. Für die Verlängerung der

Peng Yu rät, den Antrag auf Verlängerung der AQSIQ-Lizenz mindestens drei Monate (oder 90 Tage) vor deren Ablauf einzureichen

Peng Yu rät, den Antrag auf Verlängerung der AQSIQ-Lizenz mindestens drei Monate (oder 90 Tage) vor deren Ablauf einzureichen

Lizenz bietet die CIQAR ihre Hilfe an; weitere Informationen zum Thema AQSIQ können unter info@ciqar.org erhalten werden.

Wie der Peng Yu weiter berichtete, wird in der Volksrepublik mit Beginn des nächsten Jahres ein neues Umweltgesetz in Kraft treten. Grundlage der neuen Vorschrift werden den Angaben zufolge der Umweltschutz und die nachhaltige Entwicklung sein, wobei das Ziel ein „grünes China“ ist. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, die früher Vorrang hatte, tritt damit an die zweite Stelle. Das neue Gesetz wird nach den Worten des CIQAR-Vertreters die chinesischen Unternehmen zwingen, unter anderem mehr Geld in die Modernisierung ihrer Verfahren, Technologien und Managementmethoden zu investieren. Derzeit gebe es in China im Recyclingbereich mehrere Tausend Unternehmen, die nicht den Anforderungen einer „erneuerbaren Industrie“ erfüllten und Umweltbelastungen verursachten. Die neue Rechtslage werde auf lange Sicht für die chinesische Abfallwirtschaft einen positiven Effekt haben.

 


Wunsch: EEG-Ausgleichsregelung auch für 2014

Durch die Neufassung der EU-Umwelt- und Energiebeihilfeleitlinien (EEAG) können deutsche Kunststoffrecycler nach bvse-Informationen die Teilrückerstattungen der EEG-Umlage ab 2015 beantragen. Gleiches wünscht sich der Verband auch für dieses Jahr. Der bvse hofft nun, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) anweist, allen Unternehmen einen positiven Bewilligungsbescheid zu erteilen, die für 2014 einen Antrag auf Begrenzung der EEG-Umlage gestellt haben und die Voraussetzungen des EEG 2012 erfüllen sowie der Branche 38.32 angehören oder vom BAFA dort zugerechnet werden.

Bei einer Podiumsdiskussion auf dem Internationalen Altkunststofftag keimte bei den betroffenen Kunststoff­recyclern Hoffnung auf eine solche Lösung auf, als Ministerialrätin Andrea Jünemann die Ansicht äußerte, dass nach Verabschiedung des novellierten EEG und Abschluss des laufenden Beihilfeverfahrens gegebenenfalls eine neuerliche Prüfung durch das BAFA im Lichte der Neuregelungen erfolgen könnte.


Brigitte Weber

(EUR0714S8)
Fotos: bvse