Schrottmarktbericht Juli 2014: Weitgehend stabiler Schrottmarkt

Obwohl die Schrottverbraucher am Monatsanfang noch die Absicht hegten, die Schrottpreise um 10 bis 15 Euro zurückzunehmen, zeigten die Verhandlungen mit den Anbietern, dass der Handel eine so deutliche Reduzierung für nicht marktgerecht erachtete. Letztendlich lagen die Preisabschlüsse je nach Werk und Sorte und unter Berücksichtigung des Ausgangsniveaus des Vormonats bei guter Nachfrage bei unverändert bis zu einem Abschlag von 10 Euro pro Tonne.

Nicht überall konnte jedoch die gesamte gewünschte Menge eingekauft werden. Möglicherweise ist das Entfallstellen- und Sammelschrott-Aufkommen während der Pfingstferien in Süddeutschland sowie der in diese Zeit fallenden bundesweiten Brückentage vom Handel unterschätzt worden. Viele Produktionsbetriebe haben nach Angaben des Schrotthandels diese Zeit offensichtlich stärker als in den Vorjahren für Produktionspausen genutzt. Die Nachfrage nach guten Altschrotten überstieg wie schon in den Vormonaten die angebotene Menge. Das liegt zum einen daran, dass es an Abbrüchen mangelt und andererseits hohe Mengen an Altschrotten seit Anfang des Jahres kontinuierlich in Drittländer abgeflossen sind. Deutlich spürbar war ein gewisses Nord-Süd-Gefälle bei der Schrottnachfrage. Der Markt im Süden und Südwesten war wegen des Bedarfs der Verbraucher angespannter als im Norden und Westen, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Preisgestaltung. Nicht ohne Folgen ist für den Schrott-, aber auch den Stahltransport das Orkantief Ela vom 9. Juni geblieben. Relevante Streckenabschnitte der Bahn konnten erst nach und nach wieder in Betrieb genommen werden, sodass es zu Verzögerungen kam.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Nachbarländer
In Italien zogen sich die Preisverhandlungen im Juni länger als üblich hin, da die Vorstellungen der Verbraucher und Anbieter nicht übereinstimmten. Während die Stahlwerke am Monatsanfang Preisabschläge bis 15 Euro pro Tonne anvisiert hatten, lagen die Preisreduzierungen je nach Datum des Abschlusses bei 10 bis 5 Euro pro Tonne. Je später der Abschluss erfolgte, desto geringer war der Abschlag. Die Auslastung der italienischen Werke ist je nach Produktionsprogramm sehr unterschiedlich. Gerade die Baustahlhersteller haben große Absatz- und Margenprobleme, sodass die betroffenen Werke im Juni Schichten zum Teil reduzierten und überlegen, die Sommerpause über die üblichen drei bis vier Wochen hinaus auf sechs Wochen auszudehnen. Sie stützten ihren Juni-Zukauf auf inländische Lieferanten, da die einen Abschlag von 15 Euro pro Tonne akzeptierten. In Tschechien blieb der Markt fest, sodass Preisreduzierungen nicht durchzusetzen waren. Bei den polnischen Anbietern konnten Abschläge ebenfalls nicht in der am Monatsbeginn vorgesehenen Höhe platziert werden. Die Einigung erfolgte je nach Sorte bei 5 bis 7 Euro pro Tonne, nachdem die inländischen Verbraucher diese Reduzierung durchsetzen konnten. Während in Österreich der Schrott zu unveränderten Preisen eingekauft wurde, lag der Preisrückgang in der Schweiz genau wie in Deutschland bei guter Nachfrage je nach Sorte bei 0 bis 10 Euro pro Tonne. Eine ebenfalls leichte Preissenkung meldeten die Händler für die Schrottabschlüsse in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Die Preisgestaltung des luxemburgischen Verbrauchers war je nach Sorte unterschiedlich. Dem lustlosen Lieferverhalten einiger Anbieter sollte wohl mit unveränderten Preisen entgegengewirkt werden. Lieber wäre den Lieferanten wohl ein funktionierendes und einheitliches Logistikkonzept zur Schrottannahme.

Drittlandmarkt
Die türkischen Schrottverbraucher haben für Juni rund 30 Tiefseeladungen gekauft und sich damit etwa eine Million Tonnen Schrott aus Drittländern gesichert. Laut dem bvse vorliegenden Informationen stammten dabei 13 Ladungen aus dem Ostseeraum, fünf Ladungen vom Kontinent und zwei aus dem Vereinigten Königreich. Für Juli bestellten türkische Werke bis zum Redaktionsschluss lediglich 16 Ladungen, sodass es noch ein gewisses Nachfragepotenzial geben dürfte, sofern nicht die angekündigten Produktionskürzungen in der Region Iskenderun vorgenommen werden. Dort sind die Hersteller wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen im Irak unter Druck geraten. Die irakischen Kunden können derzeit weder die bestellten Mengen abnehmen noch können sie neues Material bestellen. Dennoch konnten die türkischen Verbraucher die Einkaufspreise im Juni relativ konstant halten. Außerdem haben sie es geschafft, den qualitativ besseren Schrott der Sorte HMS 1/2 (80:20) aus dem Baltikum auf das Preisniveau der entsprechenden Qualität des europäischen Kontinents zu drücken. Noch vor Kurzem betrug diese Differenz bis zu 8 Euro pro Tonne. Im Moment agieren die türkischen Verbraucher ausgesprochen vorsichtig und kaufen nur dort, wo ihnen ein Entgegenkommen bei den Verkaufspreisen signalisiert wird. Die Lieferanten vom Kontinent und dem Vereinigten Königreich dürften sich wegen der guten Nachfrage im EU-Markt preislich jedoch kaum bewegen können. Ob der Fastenmonat Ramadan in diesem Jahr beim Einkauf eine Rolle spielen wird, ist unklar. Informationen über Exportmöglichkeiten via Container Richtung Indien gab es kaum, da aufgrund des beginnenden Monsuns die Bautätigkeit in Indien sinkt und dadurch der Stahl- und Schrottbedarf gering ist.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Gießereimarkt
Die Einkaufspreise von Gießereien ohne Preisbindung sind im Juni je nach Werk und Sorte um bis zu 5 Euro pro Tonne gesunken. Die Juni-Brückentage wurden von den Gießereien, deren Auftragslage immer noch zu wünschen übrig lässt, durch Produktionsstillstände genutzt. Die gut ausgelasteten Gießereien haben einen entsprechend hohen Schrottbedarf. Insgesamt übersteigt jedoch immer noch das Angebot an Kupolofenschrott die Nachfrage. Seit der Monatsmitte zeigen sich die Roheisenlieferanten bei den Preisen etwas verhandlungsbereiter. Gerade sie stehen mit ihrer Preisgestaltung wegen der gesunkenen Erzpreise unter Druck. Der Dollar hat gegenüber dem Euro an Wert verloren, sodass sich die Rohstoffimporte verteuern und mögliche Preissenkungen beim Roheisen kompensieren.

Aussichten
Das Gefühl der Unsicherheit als Folge der vielen nicht einschätzbaren externen Einflüsse ist bei den Schrottanbietern und -nachfragern gleichermaßen hoch, sodass sich Prognosen eigentlich erübrigen. Dennoch erwarten die befragten Marktteilnehmer wegen des fragilen Gleichgewichts von Schrottangebot und -nachfrage für den kommenden Monat nach derzeitigem Erkenntnisstand nur geringe Preisveränderungen. Deutliche Preisabschläge könnten die Lieferbereitschaft des Handels durch das zum Teil begrenzte Schrottangebot hemmen; deutliche Preissteigerungen gelten ebenfalls als unrealistisch. Bisher hat das begrenzte Schrottangebot die Preise stabil gehalten, obwohl die gesunkenen Erz- und Kokskohlepreise den integrierten Stahlwerken bereits einen Kostenvorteil gegenüber den Elektrostahlwerken beschert haben. Der Druck auf die Fertigstahlpreise hält außerdem wegen des weltweit bestehenden Überangebots an Stahlfertigprodukten unvermindert an. Völlig offen ist zudem der Ausgang der kriegerischen Handlungen im Irak. Unter ihnen leiden vor allem die Stahlanbieter aus der türkischen Region Iskenderun, in der über 30 Prozent der türkischen Stahlkapazitäten beheimatet sind. Von einer Entspannung ist die Ukraine ebenfalls noch weit entfernt. Seit Bulgarien den Weiterbau der 2.380 Kilometer langen South Stream Pipeline von Russland durch das Schwarze Meer bis in den italienischen Grenzort Tarvisio gestoppt hat, könnten die Rohrlieferanten aus Deutschland, die Salzgitter AG und die Dillinger Hütte AG, in Mitleidenschaft gezogen werden. Unvermindert heftig versuchen die chinesischen Stahlanbieter, ihre Überproduktion weltweit in die Märkte zu drücken, und setzen die Stahlpreise dadurch noch stärker unter Druck. Der eher verhaltene wirtschaftliche Aufschwung hat für den Stahlmarkt noch keine entscheidende Entlastung gebracht. Es können zwar mehr Mengen produziert werden, gleichzeitig bleiben die Margen unverändert unter Druck. Eine marktwirtschaftlich notwendige Konsolidierung ist noch nicht zu erkennen. Spiegelbildlich erscheint die Lage für die Schrottwirtschaft. Da der Einfluss auf die Verkaufspreise der Schrotte mehr als gering ist, müssten die Kosten und hier insbesondere die Beschaffungskosten konsequent gesenkt werden. Gerade deren Absenkung gilt angesichts des hart geführten Konkurrenzkampfes im Schrotthandel als eher unwahrscheinlich, und solange dem Mitbewerber nicht einmal die Verluste gegönnt werden, profitieren viele Entfallstellen weiter von marktfernen Preisen für die Entsorgung. Die Langstahlhersteller wünschen sich deutlich sinkende Schrottpreise, weil sie nur über Preisanpassungen wettbewerbsfähig bleiben.

Redaktionsschluss 21.06.2014, BG-J/bvse

(EUR0714S30)
Foto: O. Kürth