Im Jahr 2024 produzierte die Schweizer Bevölkerung rund 670 Kilogramm Siedlungsabfall pro Kopf – dreimal so viel wie noch vor 50 Jahren. Davon wird mehr als die Hälfte getrennt gesammelt und recycelt. Das zeigt die aktuelle Abfallstatistik des Bundesamts für Umwelt (BAFU).
Das BAFU veröffentlicht jedes Jahr eine nationale Abfallstatistik, wie viel Abfall in der Schweiz gesammelt, verbrannt und recycelt wird. Gemäß dem jüngsten Bericht fielen 2024 rund sechs Millionen Tonnen Siedlungsabfälle an. Das sind dreimal so viel wie 1970. Gründe für diesen Anstieg sind das Bevölkerungswachstum, ein höherer Konsum pro Kopf sowie die zunehmende Verbreitung kurzlebiger Produkte und Verpackungen. Gleichzeitig hat sich die Entsorgungsinfrastruktur verbessert: Viele Materialien, die heute separat gesammelt und recycelt werden, landeten 1970 noch in der Verbrennung oder sogar auf Deponien.
Von den sechs Millionen Tonnen Abfall, die im letzten Jahr produziert wurden, wurden 2,9 Millionen Tonnen in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt, während 3,1 Millionen Tonnen separat gesammelt und recycelt wurden. Dies ergibt eine Recyclingquote von 52 Prozent – ein Wert, der den Trend der vergangenen Jahre bestätigt. Die gesetzlichen Mindestvorgaben für die Verwertung von Getränkeverpackungen (Glas, Aluminium und PET) wurden auch im Jahr 2024 eingehalten. Die Recyclingquoten liegen bei 100 Prozent für Glas, bei 90 Prozent für Getränkedosen und bei 84 Prozent für PET-Getränkeflaschen. Sie übertreffen die in der Getränkeverpackungsverordnung geforderten 75 Prozent somit deutlich. Auch bei Papier und Karton zeigen sich erfreuliche Resultate: Jede Person in der Schweiz recycelte im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 130 Kilogramm – was einer Recyclingquote von 85 Prozent entspricht.
Neue Prioritäten
Die Statistik unterstreicht die erfolgreiche Entwicklung im Bereich der Abfallbewirtschaftung. Trotz hoher Recyclingquoten hat die Abfallmenge in der Schweiz erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt, vor allem aufgrund des hohen Ressourcenverbrauchs. Abfallvermeidung und Schließung von Materialkreisläufen sind daher aus Sicht der Umwelt besonders wichtig.
Mit der Annahme der parlamentarischen Initiative „Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken“ im Jahr 2024 hat das Parlament auch die Abfallhierarchie neu definiert: An erster Stelle steht die Abfallvermeidung; anschließend kommen die Wiederverwendung und das Recycling, gefolgt von der thermischen Verwertung, beispielsweise in einer Kehrichtverbrennungsanlage.
Die Siedlungsabfälle umfassen den Kehricht aus Haushalten sowie ähnlich zusammengesetzten Kehricht aus Industrie- und Gewerbebetrieben. Nicht zu den Siedlungsabfällen gehören Produktionsabfälle aus Industrie und Gewerbe, Bauabfälle, Klärschlamm und Sonderabfälle wie Batterien. Bei den Getränkeverpackungen aus Glas wird eine außerordentlich hohe Verwertungsquote (mehr als 100 Prozent) ausgewiesen. Dieses Resultat ist auf mehrere Einflussfaktoren zurückzuführen: Ein Grund dafür ist, dass das Altglas erst später als der Absatz der Getränkeverpackungen anfällt. Zudem kann mehr Feuchtigkeit im Sammelgut zu einer Gewichtszunahme führen und damit zu einer Überschätzung der verwerteten Menge.
Die Recyclingquote von Batterien ist weiterhin rückläufig: Sie sank im Jahr 2024 auf 35 Prozent (im Jahr 2023 betrug sie 38 Prozent). Grund dafür ist der weiterhin stark steigende Absatz von Lithium-Ionen-Batterien: Diese haben eine wesentlich längere Nutzungsdauer als herkömmliche Batterien, und sie gelangen erst verzögert ins Recycling, was derzeit zu einer niedrigeren Quote führt.
Quelle: Bundesamt für Umwelt BAFU
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 02/2026, Seite 30, Foto: O. Kürth)