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Schrottmarktbericht Februar 2026: Bleibt der Schrottmarkt ein Flickenteppich?

Trotz starker Bemühungen und Forderungen nach weniger Abhängigkeit von den USA und China kommt die Erschließung alternativer Märkte in Deutschland kaum voran. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fällt noch immer ein erheblicher Anteil des Außenhandels auf wenige große Partner. Nur knapp elf Prozent der Importe und Exporte entfielen 2025 auf die 25 strategisch wichtigen Länder des globalen Südens – im weiteren Sinne also auf Entwicklungs- und Schwellenländer – kaum mehr als im Jahr 2016 mit 10,5 Prozent.

Anders verhält es sich bei den USA, die rund 30 Prozent ihres Außenhandels mit diesen Staaten abwickeln. China baute die Präsenz ebenfalls aus. Vor zehn Jahren war es weniger als ein Viertel, heute sind es rund 30 Prozent. Der deutsche Außenhandel mit der USA zeigte keine nennenswerte Verschiebung. Der US-Anteil betrug 2025 rund acht Prozent. Der chinesische Anteil lag bei rund 9 Prozent. Zwar sank die Abhängigkeit seit 2022 um ein Prozent, sie bleibt aber weiterhin sehr groß, besonders bei seltenen Erden.

Länder des globalen Südens gewinnen als alternative Handelspartner und politische Verbündete an Bedeutung. EU-Länder wie Spanien und Frankreich unterstützten bspw. aktiv Marokko, ein attraktiver Standort für erneuerbare Energien. Deutschland nutzt dieses Potenzial bislang kaum. Ein weiteres Beispiel ist die viertgrößte Volkswirtshaft der Welt Indien. Dort lag der Anteil am deutschen Außenhandel 2016 bei 0,8 Prozent, stieg bis 2023 nur auf gut ein Prozent und stagniert seitdem auf diesem Niveau.

Schrottmarkt
Der Schrottmarkt bestand im Februar aus vielen partiellen Abnehmermärkten. Im vergangenen Monat Januar entstand kein austarierter Markt. Preise wurden vielmehr durch einen sehr starken Käufermarkt von Abnehmern vorgegeben. Dieses Ungleichgeweicht nahmen Marktteilnehmer mit in den neuen Monat. Einige Stahlwerke erhielten Anfang des Jahres weniger Material als erhofft, kämpften mit geringen Lagerbeständen. Sie waren bestrebt, diese wieder aufzufüllen. Extreme Witterungsbedingungen erschwerten zusätzlich die angespannte Sammeltätigkeit. Einige Wasserstraßen waren zugefroren, andere standen kurz davor. Problematisch waren die Schleusen, die ein Passieren der Schiffe trotz Einsatzes von Eisbrechern teilweise nicht ermöglichten. Eine allgemeine Marktunsicherheit machte sich am Anfang des Monats breit. Befürchtungen wuchsen, die auf den Weg gebrachten Schrotte könnten ihre Bestimmungsorte nicht erreichen. Dieses sorgte für einen steigenden Markt mit sehr unterschiedlichen Beschaffungsmärkten, der einem Fleckenteppich glich.

Starke Preisniveaus in den östlichen Nachbarländern, wie bspw. in Polen und der Tschechischen Republik, führten dort zu stabilen Binnenmärkten. In Polen verschärfte das ukrainische Schrottexportverbot die Materialknappheit. Extreme Witterungsbedingungen mit Temperaturen von minus 20 °C brachten die Sammeltätigkeit in einigen Regionen zum Erliegen. Durch den starken Inlandsmarkt fanden Materialien nicht in gewohnter Weise den grenzüberschreitenden Weg zu ostdeutschen Verbrauchern. Die Produktionsaufnahme eines ostdeutschen Verbrauchers Anfang des Jahres, der Nachfragemengen erhöhte und verstärkt Lagerauffüllungen vornahm, erzeugte zusätzlichen Druck auf die Region. Preisaufschläge waren hier deutschlandweit am höchsten.

Der Materialdruck nahm von Osten Deutschlands zum Westen etwas ab. Einige Werke im Norden und im Osten zahlten für die Sorte E5 höhere Aufschläge. Marktteilnehmer berichteten von einem Einbruch des Zulaufs von Spänen zum Schrotthandel, der von 2024 auf 2025 um 35 % schrumpfte. Ein Marktteilnehmer berichtete, seit der Zeit nach Corona habe sich das Aufkommen an Spänen sogar halbiert. Als Gründe wurden überwiegend Auslagerungen von Dreharbeiten in südosteuropäische Standorte genannt. Die Bandbreite der Preise reichte im Februar von leichten Preisaufschlägen im Bereich von +5 €/t bis hin zu 25 €/t und darüber hinaus. Eine allgemeine Preiseinordnung war in diesem Monat nur schwer möglich. Im Durchschnitt lagen Preisaufschläge aber zwischen 10-15 €/t. Eine differenzierte Marktbewertung und -bearbeitung erlangt eine größere Bedeutung. Unterschiedliche Preisaufschläge führen immer mehr zu verzerrten Märkten. Die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Gegebenheiten anzupassen, bekommt immer mehr eine Schlüsselrolle.

Schrott in den Regionen
Schrottverbraucher im Norden Deutschlands schlossen ihre Verhandlungen allgemein mit Preisaufschlägen zwischen 10-20 €/t ab. Ein Werk erhöhte Preise für Späne etwas mehr und bot einen Aufschlag von 25 €/t an. Ein anderer Abnehmer kündigte erheblich niedrigere Aufschläge von 5 €/t an, bedingt durch eine gute Bevorratung und entsprechenden Zulauf von Altverträgen. Im Osten lagen Preisaufschläge wegen des hohen Preisniveaus in den östlichen Nachbarländern allgemein höher. Ein Werk trat letzten Monat nach längerer Stillstandzeit mit seiner Produktion wieder aktiv in den Markt, musste Lagerbestände entsprechend aufbauen. Preisaufschläge lagen zwischen 20-25 €/t. Ein Verbraucher zahlte wegen eines eintretenden Mangels an Spänen der Sorte E5 einen höheren Aufschlag. Im Westen lagen Preiserhöhungen bei 10 €/t. Im Südwesten wechselten Schrotte durchschnittlich zu 10 €/t den Besitzer. An der Saar kaufte ein großer Abnehmer ebenfalls mit einem Preisaufschlag von 10 €/t ein. Etwas höhere Aufschläge zahlte ein Abnehmer aus dem Süden mit einer durchschnittlichen Erhöhung von 15 €/t.

Schrott in den Nachbarländern
In Frankreich gab es im Februar eine weite Preisbandbreite. Tendenziell kauften Werke zwischen unverändert und Preisaufschlägen von 10 €/t ein. Einige Abschlüsse konnten je nach Verbraucher aber auch um 10 €/t höher liegen. Abnehmer in Luxemburg kauften Schrotte generell zu unverändert ein. Etwas höhere Aufschläge von 5 €/t wurden für leichte Altschrotte der Sorte E1 veranschlagt. In Österreich behandelten Schrottabnehmer Altschrotte und Neuschrotte unterschiedlich. Ein Stahlwerk kaufte Altschrotte mit Preisaufschlägen von 20 €/t ein, Neuschrotte mit etwas darunterliegenden Aufschlägen von 15 €/t. Die Nachfragemengen in der Schweiz waren recht ordentlich. Einkäufe erfolgten i.d.R. indexbasiert. Freiverhandelte Preise lagen im Bereich von 5 €/t bis 10 €/t bzw. zwischen 10 €/t und 15 €/t. In Italien gab es ein uneinheitliches Nachfragebild. Werke, die gute Schrottbedarfe anmeldeten, zahlten gegenüber dem Vormonat höhere Schrottpreise. Preisveränderungen lagen zwischen 10-15 €/t, überwiegend bewegten sich Preisaufschläge aber an der unteren Preisspanne von 10 €/t. Vereinzelnd lagen Aufschläge auch noch deutlich darüber. Die harten Witterungsbedingungen in Polen, mit Temperaturen von -20 °C, führten zu einer schwierigen Materialverfügbarkeit. Materialzuläufe waren hart umkämpft. Schrottpreise erhöhten sich dort durchschnittlich um 10-15 €/t. In der Tschechischen Republik erreichte ein großer Verbraucher bereits im Januar ein relativ hohes Preisniveau. Demnach blieben Preise im Februar weitestgehend stabil.

Schrottmarkt international
Der türkische Importschrottmarkt blieb Anfang des Monats ruhig, die Stimmung, trotz verschärften Angebotsbedingungen und steigenden Kostendrucks, optimistisch. Die Monate Februar und März gelten allgemein als schwach, weil Akteure erwarten, die Bausaison komme erst nach Beendigung des muslimischen Fastenmonats Ramadan wieder in Schwung. Türkische Stahlwerksvertreter erkundigten sich nach Schrottangeboten, doch Angebote von US-Verkäufern lagen für die HMS 1/2 (80:20) mit 380 $/t und von kontinentaleuropäischen Exporteuren mit 375 $/t CFR Türkei zu hoch. Anfang Februar wechselte dennoch eine US-Lieferung HMS 1/2 (90:10) für 378 $/t und Bonusschrotte für 395 $/t CFR Türkei den Besitzer. Marktbeobachter schätzten das Äquivalent für die HMS 1/2 (80:20) auf 375 $/t CFR Türkei.

In den Benelux-Ländern testeten Exporteure, angesichts saisonbedingter geringer Sammelmengen, höhere Verkaufspreise. Die meisten Importeure zeigten aber wenig Kooperationsbereitschaft. Der US-Binnenschrottmarkt startete mit höheren Handelspreisen. Preisgebote lagen um 30 $/t über dem Vormonatsniveau. Einige Exporteure erhöhten Sammelpreise, um Materialströme zu sichern. Der feste US-Inlandsmarkt schränkte das Exportangebot aber zusätzlich ein. Das Preisniveau begründete sich durch die begrenzte Schrottverfügbarkeit, winterbedingte Einschränkungen und bessere Absatzmöglichkeiten auf dem Heimatmarkt. Gestiegene Absatzmengen der letzten sechs Monate außerhalb der Türkei untermauerten das aktuelle Preisniveau.

Bei der japanischen Kanto Tetsugen Schrottausschreibung wechselten 20.000 Tonnen H2-Schrotte zu einem umgerechneten Preis von 309,21 US-Dollar/t ihren Besitz an einen bangladeschischen Importeur. Das Niveau lag deutlich über dem handelbaren Marktpreis. In US-Dollar notiert legte der Verkaufspreis im Monatsvergleich um 13 $/t zu, erreichte damit den höchsten Stand seit August 2024. Andere ausländische potenzielle Käufer verhielten sich vorsichtig zurückhaltend auf das höhere Angebotsergebnis.

Gießerei
Branchenkenner berichteten von einer großen Gießerei aus Süddeutschland über Einsparungen von Arbeitsstellen wegen geringen Bedarfen und Auftragseinbrüchen. Andere Gießereien klagten über extrem starke Abhängigkeiten von teilweise nur einem Großauftragnehmer. Marktteilnehmer stellten fest: Gießer erhöhten mit steigendem Preisniveau auch Qualitätsanforderungen. Höherwertige Schrotte, wie bspw. manganarme Tiefziehpakete, wurden weniger eingesetzt. Preisaufschläge zu Stanzabfällen fielen stark.

Italienische Quellen berichteten über die Aufdeckung eines Kartells von wichtigen Eisengießern durch die italienische Wettbewerbsbehörde (AGCM), an dem auch der Branchenverband Assofond beteiligt war. Untersuchungen ergaben, wettbewerbswidrige Vereinbarungen beim Verkauf von Gusseisen nach Artikel 101 AEUV. Der Verstoß begann spätestens am 5. Februar 2004 und dauerte bis zum 30. Juni 2024. Geldbußen in Höhe von 70 Mio. EUR wurden verhängt. Sensible Informationen in Verbindung mit dem Preisindexmechanismus wurden koordiniert einschließlich Preise und Verkaufsmargen. (https://en.agcm.it/en/about-us/ [1])

Ausblick
Viele Marktteilnehmer hielten sich mit Prognosen für den März zurück; zu spekulativ scheint der Markt zu sein. Getrieben von starken Erwartungshaltungen und einem nicht austarierten Januarmarkt, in Verbindung mit extrem schwierigen Witterungsbedingungen und einem abgeschotteten Schrottmarkt in den Nachbarländern, stiegen Schrottpreise im Februar. Derzeit ist der Schrottmarkt in erster Linie getrieben durch psychologische Aspekte. Wie die Bevorratung an Schrotten Ende des Monats bei den Verbrauchern aussieht und wie sich im März die Auslastungssituation bei den Stahlwerken abzeichnet, bleibt ungewiss. Der Wunsch nach stabilen Marktbedingungen, weniger partiellen Beschaffungsmärkten, war in diesem Monat sehr stark im Schrotthandel verankert.

Redaktionsschluss 16.02.2026, Johannes Hanke, bvse (Alle Zahlen ohne Gewähr), Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de