Mit der neuen „Industriestrategie Österreich 2035“ will die Bundesregierung ein deutliches Zeichen setzen: Kreislaufwirtschaft sei kein Nischenthema mehr, sondern Teil der zentralen industriepolitischen Zukunftsagenda. Erstmals wird sie explizit mit Wettbewerbsfähigkeit, Rohstoffsouveränität und wirtschaftlicher Resilienz verknüpft – und damit dort verankert, wo sie hingehört: im Kern der industriellen Transformation.
Die Plattform Ressourcen Forum Austria begrüßt dieses Bekenntnis ausdrücklich. Die Strategie erkenne an, dass knappe Ressourcen, geopolitische Abhängigkeiten und volatile Märkte zu den größten Herausforderungen für den Industriestandort zählen. Kreislaufwirtschaft werde dabei als entscheidender Hebel verstanden, um Versorgungssicherheit zu erhöhen, Wertschöpfung im Land zu halten und industrielle Resilienz zu stärken. Die Erhöhung der Ressourcenproduktivität und der Zirkularitätsrate würden als klares Ziel vorgegeben. Florian F. Iro, Präsident Ressourcen Forum Austria, wertet als sehr positives Signal, „dass Kreislaufwirtschaft in der Industriestrategie einen zentralen Platz einnimmt. Damit wird klar: Zirkuläres Wirtschaften ist kein Zusatz, sondern ein strategischer Wettbewerbsfaktor. Auf dieses Bekenntnis müssen nun konsequent die nächsten Schritte folgen.“
Eine solide Basis
Die Industriestrategie setze inhaltlich einen klaren Schwerpunkt auf Rohstoffsicherung. Sekundärrohstoffe, Recycling, Aufbereitungscluster, digitale Ressourcenplattformen und der europäische digitale Produktpass stehen im Fokus. Damit folge Österreich einer europäischen Logik, die Kreislaufwirtschaft zunehmend als Antwort auf kritische Rohstoffabhängigkeiten versteht. Dieser Ansatz wird vom Ressourcen Forum Austria als richtig und notwendig erachtet. Ohne stabile Materialversorgung gäbe es keine wettbewerbsfähige Industrie. Die Strategie schaffe hier Planungssicherheit, fördere Investitionen und stärke Österreichs Anschlussfähigkeit an zentrale EU-Initiativen wie den Critical Raw Materials Act.
Wo das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist
Gleichzeitig zeigt die Analyse aus Sicht der Plattform: Kreislaufwirtschaft wird bislang vor allem stofflich und technologisch, aber noch zu wenig systemisch gedacht. Die größten wirtschaftlichen Hebel der Kreislaufwirtschaft liegen nicht nur im Recycling, sondern deutlich früher:
- im Produktdesign
- in längeren Nutzungsphasen
- in Reparatur- und Wiederverwendungskonzepten
- in neuen, serviceorientierten Geschäftsmodellen.
Diese Dimensionen kämen in der Industriestrategie bisher nur am Rande vor. Auch für Unternehmen fehlten noch vielfach konkrete Umsetzungsräume – etwa sektorale Roadmaps, Reallabore oder gezielte Markteinführungsinstrumente für zirkuläre Geschäftsmodelle. Die Industriestrategie 2035 ist für das Ressourcen Forum Austria damit ein wichtiger Startpunkt, aber kein Endpunkt. Damit Kreislaufwirtschaft ihr volles Potenzial entfalten könne, brauche es jetzt:
- eine stärkere Verknüpfung von Kreislaufwirtschaft, Innovation und Markt,
- konkrete Umsetzungsformate für Industrie und KMU,
- klare Anreize für zirkuläres Design und neue Geschäftsmodelle,
- eine Weiterentwicklung der Mess- und Steuerungsinstrumente über Recyclingquoten hinaus.
Genau hier sieht das Ressourcen Forum Austria seine Rolle: Als Plattform, die Politik, Industrie und Innovation zusammenbringt, als Impulsgeber für praxisnahe Lösungen und als Partner für die Umsetzung einer wettbewerbsfähigen Kreislaufwirtschaft. Die Industriestrategie habe ein starkes Signal gesetzt. Jetzt gelte es, dieses Signal in konkrete Wirkung zu übersetzen – für Unternehmen, für den Standort und für eine zukunftsfähige industrielle Wertschöpfung in Österreich.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 03/2026, Seite 5, Foto: MSV, KI-generiert)