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Kritische Rohstoffe für die Energiewende: Europa hat keine solide Strategie

Kann die EU die Versorgung mit kritischen Rohstoffen langfristig sichern? Dieser Frage geht ein Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofes zu den Energiezielen der EU nach.

Bei den meisten kritischen Rohstoffen ist die Europäische Union stark oder vollständig von Drittländern abhängig. In dem Bericht werden die Maßnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen bewertet. Insbesondere analysieren die Prüfer die Bestrebungen der EU, die Einfuhren zu diversifizieren, die heimische Produktion zu steigern sowie Wiederverwendung und Recycling zu verbessern.

Für eine erfolgreiche Energiewende benötigt die EU immer mehr kritische Rohstoffe. Der Europäische Rechnungshof bewertete Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung mit solchen Rohstoffen, wie die Diversifizierung der Einfuhren, die Steigerung der heimischen Produktion und eine nachhaltigere Bewirtschaftung der Ressourcen. Er stellte fest, dass die EU vor einer Reihe von Herausforderungen steht. In der Rechtsgrundlage ist zwar die strategische Ausrichtung vorgegeben, doch werden die Ziele der Verordnung nicht hinreichend begründet. Die Diversifizierung der Einfuhren hat nicht zu greifbaren Ergebnissen geführt, und Engpässe behindern Produktion und Recycling. Trotz schnellerer Genehmigungsverfahren werden viele strategische Projekte Schwierigkeiten haben, bis 2030 zur Versorgungssicherheit der EU beizutragen.

Sich stärker ins Zeug legen
Der Rechnungshof empfiehlt der Kommission, die Grundlagen der Rohstoffpolitik der EU zu stärken und sicherzustellen, dass die Diversifizierungsbemühungen zu einer sichereren Versorgung führen. Finanzierungsengpässe sollten beseitigt, die nachhaltige Bewirtschaftung von Ressourcen besser genutzt und der Mehrwert strategischer Projekte gesteigert werden.

Die Energiewende in der EU hängt stark von technischen Komponenten wie Batterien, Windturbinen und Solarpaneelen ab. Für all diese Geräte werden Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und Seltene Erden benötigt. Die meisten davon sind derzeit entweder nur in einem einzigen oder in einer Handvoll Nicht-EU-Ländern wie China, der Türkei und Chile vorhanden. Um der damit verbundenen Anfälligkeit zu begegnen, hat die EU 2024 eine Verordnung zu sogenannten kritischen Rohstoffen verabschiedet. Sie soll die langfristige Versorgung mit 26 Rohstoffen sichern, die für die Energiewende als unverzichtbar eingestuft werden.

„Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben. Leider sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in gefährlicher Weise von einer Handvoll Ländern außerhalb der EU abhängig“, stellt Keit Pentus-Rosimannus fest, die als Mitglied des Rechnungshofs für die Prüfung zuständig war. „Daher ist es für die EU entscheidend, sich stärker ins Zeug zu legen und ihre Verwundbarkeit auf diesem Gebiet zu verringern.“

Nur unverbindliche Ziele
Eine sichere Versorgung, so die Prüfer, könne durch diversifizierte Einfuhren, eine Steigerung der heimischen Produktion und durch Recycling erreicht werden. In der Verordnung über kritische Rohstoffe seien aber nur unverbindliche Ziele bis 2030 festgelegt worden. Diese würden außerdem nur für einige wenige Rohstoffe gelten, die aufgrund ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung und der Versorgungsrisiken als „strategisch“ eingestuft wurden. Unklar sei auch, nach welchen Kriterien die Zielvorgaben bis 2030 festgelegt wurden. Hinzu komme, dass dies noch in weiter Ferne liege und dass es für die EU schwierig werde, die Versorgung mit den nötigen strategischen Rohstoffen bis zum Ende des Jahrzehnts zu sichern.

Mit der Verordnung über kritische Rohstoffe will die EU ihre Abhängigkeit von nur wenigen Lieferländern verringern. Ihre Bemühungen um eine Diversifizierung der Einfuhren hätten jedoch noch nicht zu greifbaren Ergebnissen geführt. So habe die EU in den letzten fünf Jahren 14 strategische Rohstoffpartnerschaften unterzeichnet, sieben davon mit Ländern mit als wenig verlässlich geltenden Regierungen. Die Einfuhren aus diesen Partnerländern seien zwischen 2020 und 2024 bei rund der Hälfte der untersuchten Rohstoffe jedoch zurückgegangen. Andere Initiativen der EU lägen derzeit auf Eis, etwa die Verhandlungen mit den USA (2024 ausgesetzt), oder seien noch nicht vollständig unter Dach und Fach, wie das Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur (mit den an kritischen Rohstoffen reichen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay), das noch von allen EU-Ländern ratifiziert werden muss.

Mangelnde Anreize für das Recycling
In der Verordnung zu kritischen Rohstoffen ist außerdem festgelegt, dass bis 2030 mindestens 25 Prozent der strategischen Rohstoffe in der EU aus Recyclingquellen stammen sollten. Doch auch hier sehen die Prüfer Probleme: Bei sieben von 26 Rohstoffen, die für die Energiewende benötigt werden, lägen die Recyclingquoten derzeit zwischen einem und fünf Prozent, und zehn Rohstoffe würden überhaupt nicht wiederaufbereitet. Darüber hinaus handele es sich bei den meisten Recyclingzielen der EU nicht um spezifische Vorgaben für einzelne Rohstoffe. Daher schafften sie keine Anreize für das Recycling einzelner Materialien – insbesondere solcher, die schwerer wiederzugewinnen seien, wie Seltene Erden aus Elektromotoren oder Palladium aus Elektronikgeräten. Auch förderten sie nicht die Nutzung recycelter Rohstoffe. Die Prüfer betonen, dass die europäischen Recyclingunternehmen unter hohen Verarbeitungskosten, geringen verfügbaren Mengen sowie unter technologischen und regulatorischen Hindernissen leiden, was ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtige.

Die EU will auch vermehrt strategische Rohstoffe in der EU fördern und so zehn Prozent ihres Verbrauchs decken. Faktisch sei die Erkundung von Rohstoffen jedoch unterentwickelt. Und selbst wenn neue Vorkommen gefunden würden, könne es bis zu 20 Jahre dauern, bis ein Bergbauprojekt in der EU in Betrieb genommen werde, urteilt der Europäische Rechnungshof. Ein konkreter Beitrag bis 2030 sei daher nur schwer vorstellbar. Außerdem würden trotz des Ziels, bis 2030 40 Prozent der in der EU verbrauchten strategischen Rohstoffe auch innerhalb der EU zu verarbeiten, entsprechende Anlagen stillgelegt. Dies sei zum Teil auf die hohen Energiekosten zurückzuführen, die sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkten. Die Warnung der Prüfer: Die EU könnte in einen Teufelskreis geraten, in dem eine mangelnde Versorgung mit Rohstoffen den Ausbau der Verarbeitung hemmt, was wiederum den Anreiz zur Sicherung der Versorgung verringert.

Der Sonderbericht 04/2026 „Kritische Rohstoffe für die Energiewende: Keine solide Strategie vorhanden“ sowie ein Kurztext mit den wichtigsten Fakten und Feststellungen steht hier zur Verfügung: https://www.eca.europa.eu/ECAPublications/SR-2026-04/SR-2026-04_DE.pdf [1]

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 03/2026, Seite 8, Foto: MSV, KI-generiert)