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Schrottmarktbericht März 2026: Rückbewegung hin zum einheitlicheren Preisband

Rund 80 Prozent deutscher Unternehmen berichten von einem gestiegenen Aufwand für die Erfüllung gesetzlicher Berichts- und Dokumentationspflichten in den letzten drei Jahren. Dies zeigt eine Studie, erhoben vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), an der mehr als 1.000 Betriebe teilnahmen.

70 Prozent der Unternehmen halten Verwaltungsverfahren für zu langsam, 60 Prozent der teilnehmenden Betriebe bemängeln die Nicht-Ausnutzung vorhandener Ermessensspielräume. Jedem zweiten Unternehmen fehlen Kapazitäten bei der Antragsbearbeitung oder sie zweifeln an der fachlichen Expertise und dem Verständnis in der Verwaltung. Den wichtigsten Ansatz zum Bürokratieabbau sehen Unternehmer bei weniger umfangreichen EU-Vorgaben, etwa 90 Prozent teilen diese Einschätzung. IW-Bürokratieexperte KlausHeiner Röhl moniert: „Statt immer detaillierter zu regulieren, muss die Politik den Unternehmen mehr Vertrauen schenken und Verwaltungsmitarbeitern Entscheidungsspielräume einräumen.“

Schrottmarkt
Schrotthändler berichten, dass sich Abläufe nach den Wintermonaten ein Stück weit normalisieren. Materialzuläufe nehmen im Monat März wieder etwas zu, obwohl sie noch unter den Vorjahren liegen. Erhöhte Zuläufe führen zu einem höheren Materialdurchsatz und damit verbunden zu einer besseren Kostenverteilung. Allgemein beeinflusst der Nahost-Konflikt die Energiemärkte, treibt Preise in die Höhe und erhöht den Kostendruck insbesondere bei energieintensiven Industrien wie den Stahlerzeugern oder der Transport- und Logistikbranche. Inländische Transportkosten steigen innerhalb kürzester Zeit rasant an, werfen bestehende Kalkulationen buchstäglich über den Haufen. Diese gestiegenen Kosten können in so kurzer Zeit nicht weitergereicht werden, sondern verbleiben bei den Schrotthändlern, erhöhen den zusätzlich auferlegten Kostendruck enorm.

Die sehr differenzierte Einkaufsweise der Stahlerzeuger im Februar splitterte sich in sehr unterschiedliche, regionale Beschaffungsmärkte auf, die ein starkes Ost-West-Preisgefälle aufwiesen. Ein Tatbestand, der bereits im vergangenen Monat bei vielen Marktteilnehmern zu der Einschätzung führte, der März verläuft mit ähnlich unterschiedlichen Preisbewegungen, um ein Austarieren des Marktes herbeizuführen. Die Durchschnittliche Preisbewegung für Schrotte war im März allgemein unverändert, wenngleich sehr unterschiedliche regionale Preisanpassungen vorgenommen werden mussten, um den im Februar entstandenen Flickenteppich wieder zu einem einheitlichen Preisband werden zu lassen.

Schrott in den Regionen
Im Norden korrigierte ein Verbraucher Schrottpreise und senkte diese um 5-10 €/t, ausgehend von einem höheren Preisniveau, hervorgerufen von dem Ost-West-Gefälle im vergangenen Monat. Ein anderer Verbraucher ließ Schrottpreise unverändert. Schrottabnehmer im Osten verhielten sich differenzierter. Ein Stahlwerk ließ Schrottpreise auf unverändertem Niveau, ein anderer Abnehmer nahm leichte Korrekturen vor. Ein westlicher Verbraucher kaufte Schrotte mit Preisaufschlägen zwischen 5-10 €/t. Bei Neuabfällen lag der Aufschlag am unteren Ende der Preisrange, bei Spänen und Abbruchschrotten am oberen Ende. Im Südwesten verfügt ein Abnehmer über ordentliche Lagerbestände, weshalb Schrottkäufe zu unveränderten Preisen abgeschlossen wurden. Anfang des Monats standen noch leichte Preissenkungen von bis zu 5 €/t im Raum. An der Saar kaufte ein großer Abnehmer zu unveränderten Preisen ein. Ein anderer Abnehmer kaufte geringere Mengen, Altschrotte zu unverändert und Blechabfällen mit einem Abschlag von 10 €/t. Im Süden hatte ein Abnehmer mit einem technischen Defekt zu kämpfen. Ein Blitzeinschlag führte zu Schwierigkeiten im Walzwerk. Schrottpreise lagen hier im neuen Monat auf unverändertem Niveau.

Schrott in den Nachbarländern
In Frankreich lagen Schrottpreise gegenüber dem Vormonat auf unverändertem Preisniveau. Der luxemburgische Schrottmarkt zeigte sich stärker als in den Nachbarländern. Höhere Bedarfe und niedrige Preise in den Vormonaten sorgten im März für deutliche Preiskorrekturen. Preisaufschläge orientierten sich auf dem Januarniveau und reichten von 10-25 €/t. Blechabfälle, die in vergangenen Monaten nicht so stark nachgefragt wurden, standen wieder in größerem Umfang auf der Bedarfsliste. Die Nachfrage scheint sich wieder zu normalisieren. Österreichische Schrottpreise lagen bei Verbrauchern gegenüber Februar bei unverändert. In Italien blieben Schrottpreise im Allgemeinen unverändert, vereinzelt wurden Schrottpreise sogar leicht reduziert. Erhöhte Fracht- und Logistikkosten sorgten für ein ungünstiges Preisverhältnis heimischer Schrotthändler. Polnische Schrottpreise blieben durchschnittlich unverändert. Es kam aber zu leichten Preiskorrekturen, bei Spänen der Sorte E5 lagen Preise etwas höher im Bereich von 7-8 €/t, bei Altschrotten der Sorte E3 geringfügig niedriger mit Abschlägen zwischen 3-4 €/t. In der Tschechischen Republik blieben Schrottpreise im Monat März unverändert gegenüber dem Vormonat.

Schrottmarkt international
In der letzten Februarwoche zogen sich türkische Stahlwerke vom Importmarkt zurück. Es wurden zunächst keine neuen Tiefseeverkäufe gemeldet. Marktteilnehmer stellten fest: US-Preise für HMS 1/2 (80:20) von 380 $/t CFR Türkei wären angesichts der deutlich gestiegenen Frachtkosten von 50 $/t in Richtung Türkei nicht rentabel. Die Nahost-Eskalation verunsichert den internationalen Schrotthandel. Sperrungen und Störungen in der Wasserstraße von Hormus beeinträchtigen Exportströme aus der Golfregion. Internationale Schrotthändler zögerten, feste Angebote abzugeben. Gestiegene Ölpreise, erhöhte Versicherungsprämien und allgemein unklare Frachtkosten ließen ein nur zersplittertes Marktbild zu.

Marktteilnehmer hoben die besondere Bedrohung der Türkei hervor. Das Land ist durch drei Seiten von Kriegshandlungen bestimmt: Russland und die Ukraine am Schwarzen Meer, Syrien im Süden und nun auch Iran und die USA im Südosten. Es wird erwartet, dass türkische Stahlexporteure den europäischen Absatzmarkt nutzen, da die europäische Inlandsnachfrage und die Verkaufspreise steigen.
Experten erwarten, dass erhöhte Energiepreise die Produktionskosten weltweit steigen lassen. Hohe Produktionskosten türkischer Stahlwerke könnten zu höheren Nachfragen der Walzbetriebe nach importierten Knüppeln führen. Ein Trend, den Marktteilnehmer bereits beobachteten. Es blieb schwierig, Verträge abzuschließen. Dennoch sind türkische Schrottimporteure weiterhin an Tiefseemengen mit Verladung im April interessiert. Der US-Binnenmarkt stabilisierte sich gegenüber Februar. Bedarfe der Stahlwerke waren relativ hoch. Händler erwarteten größere inländische Abnahmemengen mit höheren Margen als beim Export. In den USA senkten Exporteure von der US-Ostküste Gebote für HMS 1/2 (80:20) Lieferungen, um auf gestiegene Fracht- und Logistikkosten zu reagieren.

Gießerei
Der Nahost-Konflikt trifft die Gießereiindustrie herbe. Erhöhte Energiepreise führen zu steigendem Kostendruck bei den Gießern. Neben einer schwierigen Auftragslage, reduzierten Mengen, einer bevorstehenden Transformation, kommen jetzt auch noch stark erhöhte Energiekosten hinzu. Das Umfeld wird zunehmend schwieriger für diese Abnehmerindustrie.

Ausblick
Die Abläufe und Prozesse scheinen sich im Schrotthandel wieder ein Stück weit zu normalisieren. Höhere Materiazuläufe führen zu einer besseren Kostenverteilung und einer positiveren Stimmung. Wenngleich die Logistik- und Transportkosten schwer auf die Schrottwirtschaft lasten. Rasant steigende Kosten können durch ihre zeitliche Unvorhersehbarkeit vorerst nicht weiter gereicht werden. Der sich ausweitende Nahost-Konflikt wirkt sich in erster Linie durch die immens gestiegenen Energiekosten aus, die wiederum energieintensive Industrien und die Transport- und Logistikbrache hart treffen. Zu hoffen bleibt, dass sich die Energiepreise genauso schnell normalisieren wie sie gestiegen sind. Misstrauen bleibt, da die Erfahrung gezeigt hat, was einmal gestiegen ist, braucht längere Zeit, um wieder das Ausgangsniveau zu erreichen. Hoffentlich können die leicht positiven Signale im Markt aufgenommen, gebündelt und in Tatkraft umgesetzt werden, damit ein normales Alltagsgeschäft wieder eintreten kann: Sammeln, aufbereiten und Materialien in den bestehenden Kreislauf zurückbringen. Kreislaufwirtschaft, das ist unser Metier, dafür treten wir an.

Redaktionsschluss 19.03.2026 , Johannes Hanke, bvse (Alle Zahlen ohne Gewähr), Foto: O. Kürth

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