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Waste to Energy: Globales Wachstum, Markteinbruch in China

Der weltweite Bestand an Anlagen zur thermischen Abfallbehandlung wächst weiter. Während der Markteinbruch in China der heimischen Industrie zusetzt, nimmt das Projektgeschehen in Mittel- und Südostasien zu. In Europa rücken zunehmend Modernisierungen in den Fokus; hinzu kommt der Ausbau des Anlagenbestands in Süd- und Osteuropa. Dies sind zentrale Ergebnisse einer aktualisierten Marktstudie von ecoprog.

Die Zahl der Anlagen für die thermische Behandlung nicht recycelbarer Abfälle (Waste-to-Energy, WtE) ist auch 2025 weiter gestiegen. Ende 2025 waren weltweit mehr als 3.100 thermische Abfallbehandlungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von über 640 Millionen Jahrestonnen in Betrieb. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Nettozuwachs von rund 16 Millionen Jahrestonnen. Insgesamt wurden Kapazitäten von rund 18 Millionen Jahrestonnen neu in Betrieb genommen, während knapp zwei Millionen Jahrestonnen stillgelegt wurden.

Ein Sonderfall – wenngleich ein gewichtiger
Der stärkste Zubau entfiel mit über zwölf Millionen Jahrestonnen weiterhin auf China. Diese Zahl kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Markteinbruch in China fortsetzt. Im Rekordjahr 2021 nahmen dort noch 190 Anlagen mit einer Kapazität von rund 64 Millionen Jahrestonnen den Betrieb auf. Inzwischen sind die WtE-Kapazitäten in den meisten Großstädten an der dicht besiedelten Ostküste ausreichend oder sogar überdimensioniert. Infolge wirtschaftlicher Probleme und des Ausbaus des Recyclings haben viele Anlagenbetreiber dort inzwischen Schwierigkeiten, ausreichende Abfallmengen zu akquirieren. Für die Wettbewerber in China ist das ein doppeltes Problem: Die meisten großen Player sind sowohl Anlagenbauer als auch -betreiber. Als Anlagenbauer mangelt es ihnen an neuen Projekten, als Anlagenbetreiber an verfügbarem Abfall.

Mit Blick auf den Weltmarkt ist China jedoch ein Sonderfall – wenngleich ein gewichtiger. Außerhalb Chinas gewinnt der asiatische Markt zunehmend an Dynamik, etwa in Indonesien, Thailand und den Philippinen. Auch in Zentralasien, beispielsweise in Usbekistan, wächst die Zahl der Projekte. Der wesentliche Grund hierfür ist eine sich verschärfende Abfallproblematik. In einigen Ländern, darunter Indonesien, tragen jahrelange Bemühungen zum Aufbau von Institutionen und zur Entwicklung von Abfallwirtschaftsplänen nun Früchte. Nicht zuletzt ist die Entwicklung einiger WtE-Märkte auch der aggressiven Marktbearbeitung chinesischer Entwickler geschuldet, die neue Absatzmärkte erschließen.

Europa: Wieder mehr Neubauprojekte erwartet
Auch in Europa wächst der Anlagenbestand weiter, wenngleich 2025 lediglich um rund 300.000 Jahrestonnen. Einer Neu-Inbetriebnahme von 1,2 Millionen Jahrestonnen stand die Stilllegung von fast 900.000 Jahrestonnen gegenüber. Damit zeigt sich, dass in Europa der Ersatz und die Modernisierung bestehender Anlagen inzwischen wichtiger sind als das Neubaugeschäft.
Allerdings war 2025 in dieser Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr; in den kommenden Jahren erwartet ecoprog wieder mehr Neubauprojekte, insbesondere in Süd- und Osteuropa. Dort werden weiterhin WtE-Kapazitäten benötigt, um die beschlossene EU-Gesetzgebung umzusetzen und den Marktanteil der Deponierung zu reduzieren.

Gleichzeitig läuft die Modernisierungswelle in Ländern wie Deutschland gerade erst an; in Frankreich ist dieser Prozess bereits weiter fortgeschritten. ecoprog erwartet in den kommenden Jahren die Inbetriebnahme neuer und modernisierter Feuerungslinien mit einer Kapazität von zwei bis vier Millionen Jahrestonnen pro Jahr.

Die Studie Waste to Energy ist das führende Standardwerk der WtE-Branche. Sie beinhaltet eine länderspezifische Prognose der globalen Marktentwicklung bis 2034. Weitere Informationen zur neu erschienenen Ausgabe Waste to Energy 2025/2026 sind unter ecoprog.de [1] verfügbar.

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 04/2026, Seite 46, Foto: MSV, KI-generiert)

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