Das Berliner Unternehmen Wasteer ergänzt sein Lösungsportfolio um zwei neue, auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Module, welche die Datenlage für thermische Abfallverwerter verbessern: Kompositionsanalyse und Bunkermanagement. Die technologische Basis dafür setzt auf Wasteers bestehenden Kamerasystemen und Softwarelösungen zur Objekterkennung auf. Mit den gesammelten Daten lassen sich zentrale Herausforderungen der Branche bewältigen – von der Transparenz der Heizwerte in der Anlieferung über Sicherheitsrisiken in der Anlage bis zur Planbarkeit der Durchsatzquoten.
Diese Produktergänzung folgt auf eine signifikante Vergrößerung der Kundenbasis des Unternehmens. So weitet die britische enfinium Group die Objekterkennung mit Wasteer auf sämtliche Anlagen der Gruppe im Vereinigten Königreich aus. Wasteers neue Module sollen zeitnah folgen. Für 15 Anlagen vom Großkunden EEW Energy from Waste GmbH (EEW) sind die Module schon ergänzend zur Objekterkennung im Roll-out. Außerdem nutzt auch das MHKW Frankfurt bereits die Objekterkennung des Unternehmens. Wasteer-Neukunden wie AEB Amsterdam Waste to Energy, die größte Waste-to-Energy-Anlage in Europa, oder die norwegische Returkraft, aber auch Neukunden in Spanien und Frankreich zeigen darüber hinaus, dass im europäischen Ausland Bedarf für das gesamte Lösungsportfolio des Unternehmens besteht. Insgesamt überwacht Wasteer jetzt Abfallströme von mehr als zwölf Millionen Tonnen pro Jahr in mehr als 30 Anlagen in zehn Ländern.
„In Abfallverwertungsanlagen gilt die Faustformel: Je besser man den Input versteht, desto besser lässt sich der Output steuern. Wer Transparenz über die Anlieferung bekommt, kann gezielt Einfluss auf den Output nehmen – sei das beispielsweise die Heizwertverteilung oder die frühzeitige Erkennung von Emissionsspitzen“, erläutert Benedict von Spankeren, CEO von Wasteer. „Unsere Technologie ermöglicht es, live und kontinuierlich zu überblicken, welcher Abfall in welcher Zusammensetzung wo ankommt und hilft, ihn bestmöglich zu verwerten. Das Feedback unserer Kunden zeigt, wie relevant die Lösung für die Branche ist.“
Mit modernen Kamerasystemen und KI-gestützter Software analysiert Wasteer hochvolumige Abfallströme fortlaufend bei der Anlieferung und im Bunker. Mit seiner umfassenden Datenbank und der damit trainierten KI ist das Unternehmen in der Lage, eine Vielzahl unterschiedlicher Materialkategorien zu erkennen. Auf dieser Basis lassen sich dann Heizwerte berechnen oder der Einsatz von Betriebsstoffen steuern.
Dynamische Preismodelle möglich
Die Ergebnisse einer tiefgreifenden Kompositionsanalyse beantworten eine Frage, die bisher kaum belastbar zu klären war: Was bringt ein einzelner Kunde tatsächlich in die Anlage? Wasteer fasst die Bilddaten einer Anlieferung zu einer Analyse pro Lkw zusammen, liefert Aussagen zu Materialanteilen, Heizwerten und relevanten Emissionsparametern und ermöglicht es, die Ergebnisse mithilfe einer automatischen Kennzeichenerkennung klar zuzuordnen. Mit diesem Wissen lassen sich Verträge qualitativ bewerten und Abweichungen von vereinbarten Heizwerten sichtbar machen.
Das Potenzial ist enorm: Anstatt Pauschalpreise zu verlangen, können Betreiber beispielsweise variable, qualitätsabhängige Preismodelle einführen, bei denen der Kunde basierend auf dem tatsächlichen Heizwert seiner Lieferung bezahlt. Es ermöglicht aber auch eine aktive Steuerung der Nutzung: Je nach Anlagenauslastung und Heizwertniveau können Betreiber ihre Anlagen durch gezielte Auswahl unterschiedlicher Kunden und Abfallqualitäten optimierter betreiben. So lässt sich die Heizwertzusammensetzung der Anlieferungen aktiv beeinflussen, um eine optimale Heizwertdurchmischung im Bunker zu erreichen.
Bunkermanagement sorgt für Planbarkeit und Stabilität
Das Modul Bunkermanagement konzentriert sich auf die Steuerung innerhalb der Anlage. Konkret ist das Ziel, den Bunkerinhalt kontinuierlich zu analysieren und Hinweise zur optimalen Durchmischung zu geben. Dieser Innovationsschritt ist ein wichtiger Baustein, um sich einer vollständig digitalisierten, smarten Anlage – einer sogenannten Digital Plant – anzunähern.
Unbeständige Heizwerte und inhomogene Bunkermischungen gehören zu den Hauptursachen für Durchsatzschwankungen und erhöhten Betriebsmittelverbrauch. Hier setzt Wasteer an: Das System erstellt ein Oberflächenprofil des Bunkers und liefert datenbasierte Empfehlungen zur Kranführung. Ziel sind stabile, gleichmäßige und planbare Verbrennungsprozesse, geringere Betriebsmittelkosten und vor allem höherer Durchsatz – ein entscheidender Punkt für die Wirtschaftlichkeit.
Der Bedarf ist groß
„Künstliche Intelligenz und neue Technologien sind zentrale Hebel für die Transformation unserer Branche. Entscheidend ist, sie verantwortungsvoll, praxisnah und skalierbar einzusetzen. Sie sind ein Mittel zum Zweck“, kommentiert Timo Poppe, CEO der EEW Energy from Waste GmbH. „Wasteers Lösungen bringen genau das zusammen. Sie steigern die Wirtschaftlichkeit unserer Anlagen und machen sie zukunftsfähig. Die Einblicke liefern uns eine Datengrundlage, mit deren Hilfe wir unsere langfristige Strategie maßgeschneidert schärfen können.“
Mit der Erweiterung seines Portfolios reagiert Wasteer auf den steigenden Bedarf an datenbasierten Steuerungsinstrumenten in der Abfallwirtschaft. Nicht zuletzt durch neue Anforderungen auf europäischer Ebene, etwa zur CO₂-Bepreisung im Vereinigten Königreich, oder hierzulande – wie dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) oder der 17. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) – rückt die genaue Kenntnis über Zusammensetzung und Qualität von Abfallströmen immer stärker in den Fokus.
Wasteer hat sich in den vergangenen Jahren als Partner der Abfallwirtschaft für derartige Herausforderungen etabliert. Bisher tat sich das Unternehmen vor allem im Bereich der Erkennung auffälliger Objekte hervor. Mit seiner Technologie und pragmatischer Integration in bestehende Betriebsabläufe hat Wasteer schon heute mehr als 38 Millionen Bilder ausgewertet und beispielsweise allein im vergangenen Quartal mehr als 1.500 Gasflaschen erkannt. 2025 wurde das Unternehmen für seine Technologie mit dem Bundespreis EcoDesign des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts ausgezeichnet – der höchsten staatlichen Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland.
wasteer.de [1]
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 05/2026, Seite 36, Foto: Wasteer GmbH)
